Zum Autohof ausgebaut hat Martin Matschullies die Dorf-Tankstelle von Westhofen mit mehreren großen Umbauten. © Reinhard Schmitz
Wirtschaft in Schwerte

Martin Matschullies (63) gibt die Dorf-Tankstelle von Westhofen ab

Seit 1983 führt Martin Matschullies (63) die Dorf-Tankstelle von Westhofen und baute sie zum Autohof aus. Jetzt will er einen Gang zurückschalten. Wie es weitergeht an der Reichshofstraße.

Die Anzeige am Preismast macht nicht mit, wenn zum 1. Januar der Sprit durch die neue CO2-Steuer heftig teurer wird. Sie bleibt einfach ausgeschaltet – zumindest vorerst. Nicht, um dem Ärger der Autofahrer über einen Preisanstieg zu entgehen, für den der Zapfsäulen-Betreiber absolut nichts kann.

Es gibt vielmehr eine Veränderung an der Dorf-Tankstelle von Westhofen. Martin Matschullies (63), der die Star-Station seit 1983 betreibt, will die Anlage verpachten und sich auf seine Werkstatt konzentrieren, in der er weiterhin für seine Kunden da ist.

Nachfolger übernimmt voraussichtlich zum 1. Februar die Tankstelle

„Der Liefervertrag läuft zum 31. Dezember aus“, sagt der Kraftfahrzeug-Meister. Noch einmal um fünf Jahre verlängern wollte er ihn nicht. Deshalb wird das Star-Emblem verschwinden, der Preismast von Rot auf Weiß umgestrichen. Denn Martin Matschullies steht in Verhandlungen mit einem deutschen Mineralölunternehmen, das voraussichtlich zum 1. Februar das Tankstellengeschäft an der Reichshofstraße übernehme.

Der Konzern werde die Station an einen Betreiber weiterverpachten. Vorausgegangen sind dem geplanten Wechseln schon Boden-Untersuchungen, die „sehr gut ausgegangen“ seien: „Alles ist sauber und unbelastet.“

Seine Werkstatt mit der Hebebühne für Wohnmobile will Kfz-Meister Martin Matschullies selbst weiterführen.
Seine Werkstatt mit der Hebebühne für Wohnmobile will Kfz-Meister Martin Matschullies selbst weiterführen. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Sprit wird es also weiterhin in Westhofen geben. Es kommt sogar ein zusätzlicher fünfter Tankplatz hinzu. Die Säule wird auf dem Platz aufgestellt, wo derzeit noch LPG-Gas angeboten wird. Weil das immer weniger gefragt ist, hat Martin Matschullies den Gas-Vertrag gekündigt.

Selbst behalten will er den Preismast und die drei großen Doppel-Erdtanks die für einen Vorrat von jeweils rund 30.000 Liter ausgelegt sind. Ihre restliche Füllung, die am Neujahrsmorgen noch übrig ist, übernehme normalerweise der Nachfolger: „Wenn es bis zum 31.12. keine Entscheidung gibt, saugt Star es ab.“

Die „Großtankstelle“ wurde 1957 gebaut

Welche Marke für Super und Diesel künftig durch die Pistolen schießt, wird noch nicht verraten. Die längste Zeit haben die Westhofener an ihrer Dorftankstelle Aral gezapft. Die Reichshofstraße hieß noch Bahnhofstraße, als die Vorgänger-Familie Brenzel die erste Handpumpe aufgestellt hatte – etwa 100 Meter weiter unterhalb vom jetzigen Verkaufsort.

„Die Engländer haben die Pumpe 1947 umgefahren“, berichtet Martin Matschullies. Zehn Jahre später wurde der Bauantrag für die neue „Großtankstelle“ gestellt: „Damals hatte die Familie Brenzel noch einen Kohle- und Ölhandel dazu.“ Vom Urenkel des Gründers, Walter Brenzel, pachtete Martin Matschullies den Betrieb.

Jahrzehntelang gab es am Autohof Matschullies an der Reichshofstraße Aral-Benzin. Das Foto ist noch in D-Mark-Zeiten entstanden.
Jahrzehntelang gab es am Autohof Matschullies an der Reichshofstraße Aral-Benzin. Das Foto ist noch in D-Mark-Zeiten entstanden. © Martin Matschullies © Martin Matschullies

„Ich bin am 3. Januar 1983 angefangen“, erzählt der gebürtige Hagener, der von der Boelerheide stammt. Walter Brenzel, in seinem Ort bekannt als General der Schützen-Bürgerwehr, habe ihn sozusagen an die Hand genommen und in die Westhofener Kreise eingeführt: „Er sagte immer: Hier musst du rein, da musst du rein. Aber keine Politik – da halt dich raus.“ Martin Matschullies ist noch heute dankbar für die Tipps, mit denen er stets gut gefahren ist.

Ziel war von Anfang an eine eigene Werkstatt gewesen

Eigentlich – so verrät er – war es immer sein Ziel gewesen, eine eigene Kfz-Werkstatt zu betreiben. Deswegen baute er die Garagen auf dem Tankstellengelände zu einer Werkstatt aus, in der eine Hebebühne heute sogar Wohnmobile zur Reparatur und Wartung liften kann. Weitere große Umbauten machte die Station zum Autohof, wie er sich heute nennt.

Der Bereich der Zapfsäulen wurde mit einem großen Dach komplett geschützte. Der Shop-Bereich entstand. Und der Raum, wo früher die Familie zum Frühstück zusammensaß, wurde angesichts der zunehmenden Verwaltungsarbeit zum Büro. 1990 musste dann wegen neuer Umweltvorschriften der Boden in eine sogenannte „Kraftstoffdichte Fahrbahn“ umgebaut und eine Dampf-Absaugung an den Zapfpistolen eingerichtet werden: „Da haben viele andere aufgegeben.“

Jahrzehntelang gab es am Autohof Matschullies an der Reichshofstraße Aral-Benzin. Das Foto ist noch in D-Mark-Zeiten entstanden.
Jahrzehntelang gab es am Autohof Matschullies an der Reichshofstraße Aral-Benzin. Das Foto ist noch in D-Mark-Zeiten entstanden. © Martin Matschullies © Martin Matschullies

Die blauen Aral-Farben verschwanden an der Außenwerbung, nachdem der Mineralölkonzern 2004 von seinem Rivalen BP gekauft worden war. Auflage des Kartellamts – so erinnert sich Martin Matschullies – sei es damals gewesen, dass Aral über 200 Tankstellen an den polnischen Orlen-Konzern abgeben musste. Der flaggte die Westhofener Station später auf seine preiswerte Marke Star um.

Auf seinem Laptop muss der Besitzer die Preisentwicklung an fünf Tankstellen der Umgebung im Auge behalten. Wird der Sprit dort billiger, stellt er einen Preisantrag bei seiner Zentrale in Elmshorn: „Dann wird meist in zehn Minuten reagiert.“ Preiserhöhungen bei der Konkurrenz braucht er nicht zu melden – da zieht der Konzern automatisch nach.

Benzinpreis-Apps führen vermehrt auch Auswärtige nach Westhofen

Durch den Siegeszug der Benzinpreis-Apps auf den Handys finden vermehrt auch Autofahrer von außerhalb den Weg zum Autohof Matschullies. „Wir haben einen sehr guten Kundenstamm“, sagt der Betreiber. Sein Einzugsgebiet reiche von Garenfeld und Boele bis nach Syburg, wo extra ein Hinweisschild am Abzweig nach Westhofen steht. Und der Inhaber hatte sogar die Idee, einen zweiten Preismast, den er in Reserve hält, an der vielbefahrenen Hagener Straße aufzustellen.

Viele schätzen auch die Werkstatt-Leistungen, die Martin Matschullies weiterhin anbietet: „Für einen Totalverkauf war es mir noch zu früh.“ Es habe zwar Interessenten gegeben, doch mit denen könnte er sich „in ein paar Jahren noch mal drüber unterhalten“. Jetzt wird ja schon mal ein Gang runtergeschaltet, um mehr Zeit für die Enkelkinder zu haben – das dritte ist unterwegs.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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