Alles andere als ein „Wildtier-Verhalten“ legt dieser Marder in einem Video aus einem Garten im Dortmunder Süden an den Tag. © Privat
Mit Video

Nach totem Fuchs in Siedlung: Krasses Video über das Verhalten eines Wildtieres

Der Marder ist zutraulich, klettert am Bein eines Menschen hoch. Das Video wirkt befremdlich. Artgerecht ist das Verhalten des Wildtieres nicht. Ein Veterinär ordnet ein.

Die Vermutung liegt nahe, dass der Fuchs, der im November 2020 in einer Wohnsiedlung im Dortmunder Süden erschossen werden musste, an Staupe litt. Eine tödliche Krankheit, die auch auf jüngere Haustiere überspringen kann. Hier wird sich erst Mitte Dezember bei einer Obduktion herausstellen, an welcher Krankheit das Tier am Ende wirklich litt.

Wildtiere verändern ihr Wesen, wenn sie krank sind. Sie scheinen den Menschen nicht mehr zu fürchten, reagieren teilweise zutraulich. Aber muss jedes Wildtier krank sein, das nicht sofort die Flucht ergreift? Und wie verhalte ich mich im Fall der Fälle? Zum Beispiel bei einem Marder, der versucht, am Hosenbein eines Menschen hochzuklettern.

Der Fuchs in der Wohnsiedlung zeigte keinerlei Scheu mehr. Letztendlich musste das kranke Tier von einem Förster erschossen werden.
Der Fuchs in der Wohnsiedlung zeigte keinerlei Scheu mehr. Letztendlich musste das kranke Tier von einem Förster erschossen werden. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

In einem Garten zwischen Schwerte und dem Dortmunder Süden ist ein wohl einmaliges Video aufgenommen worden, das den Marder bei seinem Kletter-Versuch zeigt. Das Video ist schon älter – dokumentiert es aber auf interessante Art und Weise, wie sich ein Wildtier nicht verhalten sollte.

Verhalten keinesfalls artgerecht

„Vielleicht“, so Dr. Rüdiger Wurm vom Veterinäramt in Dortmund, „ist so ein Tier einmal von Menschen angefüttert worden. Man kennt das ja von Eichhörnchen, die dann dem Menschen die Nüsse sogar aus der Hand nehmen.“ Die Tiere würden dann zutraulich. Aber so ein Verhalten sei keinesfalls artgerecht.

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Ob das Tier im Video eine Krankheit habe oder nicht, das lasse sich so nicht erkennen, so Wurm. Bei manchen Tieren könnte man es an den Bewegungen erkennen, wenn sie kein Fluchtverhalten mehr zeigen würden.

Tiere auf gar keinen Fall berühren und die Hunde fernhalten

Und egal, wie niedlich so ein Tier auch sei, es bleibe ein Wildtier. „Und wenn es, doch plötzlich zubeißt, dann kann man ein Problem bekommen“, sagt Dr. Wurm. Denn niemand könne auf Anhieb erkennen, ob es gesund sei oder nicht. Zumindest nicht, wenn es sich normal bewegen würde.

Aber wie gefährlich sind Krankheiten, die Wildtiere übertragen können, wirklich? „Man muss auf jeden Fall Abstand halten und darf so ein Tier nicht berühren. Auch Hunde, die man eventuell mitführt, soll man von diesen Tieren fernhalten“, sagt Dr. Wurm.

Hunde seien natürlich, was die Krankheit Staupe angeht, sehr gefährdet. Aber auch durch eigene Artgenossen. „Einem verantwortungsvollen Hundehalter muss man auf jeden Fall raten, das Haustier gegen die gängigen Erreger von Hundekrankheiten zu impfen“, sagt Wurm.

Für junge Tiere ohne Impfung ist die Krankheit tödlich

Staupe sei eine Tröpfchen- oder Schmierinfektion. Da Hunde viel schnüffeln und lecken, können sie sich eben anstecken. So auch die Wildtiere. Besonders gefährlich ist das Virus für junge Tiere. Da endet die Infektion meistens tödlich, wenn kein Impfschutz da ist. So wie bei dem Fuchs in der Wohnsiedlung.

Das Problem bei Staupe: Das Virus hält sich lange in der Umgebung. So ist das Staupe-Virus in der Sonne noch nach 14 Stunden ansteckend – bei Raumtemperatur sogar einige Tage und bei niedrigen Temperaturen noch um einiges länger.

Was aus dem Marder aus dem Video wurde, kann keiner sagen. Er trollte sich von dannen. Staupe kann im Übrigen einem Menschen nichts anhaben – anders als die Tollwut. Doch die gilt in Deutschland als ausgerottet.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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Jörg Bauerfeld

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