Riesige Erdhügel werden in der hinstersten Ecke des früheren Grabelands am Rosenweg aufgeschüttet. Dahinter befindet sich die geheimnisumwobene frühere Munitionsfabrik. © Reinhard Schmitz
Rätsel in Holzen

Verlassenes Grabeland: Lkw kippen pausenlos Erde vor alte Munitionsfabrik

Seit Tagen donnern große Muldenkipper durch Holzen. Ihr Ziel: das verlassene Grabeland vor der früheren Munitionsfabrik. Für den Auftraggeber macht die Aktion aus vielerlei Gründen Sinn.

Von Mysterien umwoben war der Ort fernab vom Rosenweg schon immer, den derzeit pausenlos schwere Lkw ansteuern. Hinter dem Edeka-Markt biegen sie auf die beidseitig von Platanen gesäumte Privatstraße ein, die geradewegs auf ein eisernes Tor zum Nickelwerksgelände zuführt. Dahinter war im Zweiten Weltkrieg unter dem Tarnnamen „Metallwerk Wandhofen“ eine streng geheime Munitions-Produktion hochgezogen worden, wie die Holzener heute wissen.

Die Muldenkipper kippen Erdberge ab

Worüber sie rätseln, ist die Aufgabe der Muldenkipper, die ihre Fahrt allerdings ein ganzes Stück vor der Mauer stoppen, die den Industriekomplex vor unbefugtem Zutritt schützen soll. Mit jeder Ladung lassen sie Erdberge wachsen, die sich auf der mit Gras und Unkraut bewachsenen Brache auftürmen. Ganz oben auf den Haufen thront ein roter Bagger, der mit seinem Greifer das Material zu verteilen scheint.

Viel mehr ist aus der Ferne mit bloßem Auge nicht auszumachen auf dem aufgegebenen Grabeland, auf dem die Gemeinnützige Wohnungsbau-Genossenschaft (GWG) Schwerte eine großzügige Neubausiedlung plant. Rund 140 Mietwohnungen – davon die Hälfte im sozialen Wohnungsbau – sowie 16 Einfamilienhäuser sollen hier einmal entstehen.

Hier beginnt der Erdaushub-Pendelverkehr: Von der GWG-Baustelle an der Lohbach- und Hermannstraße wird der Lehmboden zur Zwischenlagerung auf das GWG-Gelände in Holzen transportiert.
Hier beginnt der Erdaushub-Pendelverkehr: Von der GWG-Baustelle an der Lohbach- und Hermannstraße wird der Lehmboden zur Zwischenlagerung auf das GWG-Gelände in Holzen transportiert. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Die derzeitigen Erdarbeiten bereiten dieses Projekt allerdings noch nicht vor. „Das ist der Aushub vom Keller an unserem Vorhaben Hermannstraße/Lohbachstraße“, berichtet GWG-Geschäftsführer Ralf Grobe auf Anfrage. Weil dort kein Platz für eine Zwischenlagerung vorhanden sei, werde die Erde für etwa zwei Monate am Rosenweg abgelegt. Nach Fertigstellung der Keller könne damit dann der sogenannte Arbeitsraum, der außenrum frei geblieben ist, wieder verfüllt werden.

Die Zwischenlagerung ist preisgünstiger und ökologisch

„Das ist wesentlich preisgünstiger, als den Aushub zur Deponie zu bringen und später neuen Boden zu besorgen“, sagt Ralf Grobe. Genauso habe man es gemacht, als im vergangenen Jahr in Holzen der Mutterboden von der GWG-Baustelle an der Kleinen Märkischen Straße zwischengelagert wurde: „Das macht aus vielerlei Gründen Sinn. Es ist ökologischer, weil die Lkw jedes Mal nur kurze Wege zurücklegen müssen. Und außerdem weiß man, dass man sauberes Material bekommt.“

Laufend fahren Lkw voller Erde auf das Gelände hinter dem Edeka-Markt am Rosenweg, wo die GWG ein großes Neubaugebiet plant. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Die Mutterboden-Hügel von der Kleinen Märkischen Straße hatten damals für Spekulationen gesorgt, da sie geheimnisvoll mit einer Plane abdeckt wurden. Das – so Ralf Grobe – diente dem Schutz vor zu starker Durchnässung und ist jetzt nicht nötig, da es sich um reinen Lehmboden handelt.

Die Menge erklärt sich, wenn man in die kolossale Baugrube gegenüber der Feuerwache schaut, wo 30 Sozial-Mietwohnungen entstehen: Zur Hermannstraße hin nimmt sie die spätere Tiefgarage auf, zur Lohbachstraße hin die Heizungsanlage und die Bewohnerkeller.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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