Bereits fertiggestellt ist eine Wechselstrom-Erdkabelbaustelle in Borken: So ähnlich könnte sich in ein paar Jahren die Baustelle zur A-Nord auch zwischen Südlohn und Oeding hindurch ziehen. Der Trassenkorridor wurde nun festgelegt, einer erster Vorschlag zur konkreten Trasse soll es bestenfalls zum Ende des dritten Quartals geben. © Amprion
Stromtrasse

Amprion legt Zeitplan für A-Nord vor – und informiert über Entschädigungen

Coronabedingt im digitalen Format lud der Netzbetreiber Amprion nach Festlegung des Trassenkorridors zur Stromtrasse A-Nord zum Bürgerdialog. Auch Menschen in Südlohn werden betroffen sein.

Wie hoch wird die Entschädigung sein, die ein Grundstückseigentümer erhält, wenn dessen Grund im Bereich des endgültigen Korridors der Stromtrasse A-Nord im Abschnitt C liegt? Das war eine der zentralen Fragen, die die Teilnehmer beim digitalen Bürgerdialog dem Netzbetreiber Amprion gestellt haben.

Betroffen davon werden auch Menschen in Südlohn und Oeding sein, denn auch die Doppelgemeinde wird von der Trasse im südlichen Bereich des Abschnitts berührt, Landwirte hatten schon ihren Unmut geäußert (wir berichteten). Es gab konkrete Antworten. Auch zum möglichen Standort einer Verbindungsstation von Freileitungen und Erdkabeln (Kabel-Kabelübergabestation), der im Nordkreis liegen könnte.

Bundesnetzagentur legt raumverträglichsten Korridor fest

1000 Meter breit ist er, der Trassenkorridor für die geplante Stromtrasse A-Nord, der künftig den Strom aus Niedersachsen weiter in Richtung Ruhrgebiet leiten soll. 93 Kilometer – von insgesamt 300 – ist der Abschnitt C lang, der von der Grafschaft Bentheim durch die Kreise Steinfurt und Borken führen wird. Mit dem Ende der Bundesfachplanung für diesen Abschnitt zum 30. Juni sei „ein Meilenstein“ erreicht, teilte Moderator Tobias Wobbe mit. Und dieser Korridor ist definitiv fix, wie der Abschnittsverantwortliche Lucas Kaufmann betonte.

Exakt zwischen Südlohn und Oeding hindurch reicht der 1000 Meter breite Trassenkorridor.
Exakt zwischen Südlohn und Oeding hindurch reicht der 1000 Meter breite Trassenkorridor. © Amprion © Amprion

650 Seiten umfasst das Schreiben der Bundesnetzagentur, in dem diese den „raumverträglichsten Korridor“ von Wietmarschen bis Borken festlegt. „Zu 99,9 Prozent gibt dieser unseren Vorschlag wieder“, habe laut Projektsprecher Jonas Knoop Amprion „keine so schlechte Vorarbeit geleistet“.

Durchquert wird dabei das Verbreitungsgebiet der Münsterland Zeitung von Heek über Ahaus und Vreden vorbei eben auch zwischen Südlohn und Oeding hindurch in Richtung Borken. Dieser Korridor wird nun in sechs Planfeststellungsabschnitte unterteilt, der betroffene Bereich wird dem Abschnitt NRW 1 / Nordrhein-Westfalen Nord zugeordnet.

Kabel-Kabelübergabestation könnte Nordkreis treffen

Zum Bau: In diesem Korridor wird es einen rund 24 Meter breiten Schutzstreifen geben, in dem zwei Kabelgräben eingefasst werden, die Erdkabel werden in zwei Metern Tiefe verlegt. „Jedes der beiden Systeme überträgt einen Gigawatt Strom“, erklärte Jonas Knoop.

Auf der Hälfte müsse eine Kabel-Kabelübergabestation eingerichtet werden, im Grunde das einzig sichtbare Objekt. Hier seien bereits Gespräche mit Kommunen und Eigentümern geführt worden. „Treffen könnte es den Bereich Ochtrup, Gronau, Heek, Ahaus“, so Lucas Kaufmann. Dabei seien viele Parameter zu beachten, ergänzte er.

Im digitalen Format informierte Amprion, hier Projektsprecher Jonas Knoop, über das weitere Vorgehen bei der Trassenplanung.
Im digitalen Format informierte Amprion, hier Projektsprecher Jonas Knoop, über das weitere Vorgehen bei der Trassenplanung. © Nils Dietrich © Nils Dietrich

In Sachen Abstände sei es gar nicht das Bestreben, nah an bestehender Bebauung vorbeizuplanen. Zum Beispiel an Höfen. „Die Eigentümer müssen aber wissen, dass sie zum Beispiel bei Erweiterungsvorhaben oder gar Änderungen des Flächennutzungsplans im Bereich des Schutzstreifens uns immer mit ins Boot nehmen müssen“, erklärte Kaufmann.

Das Nutzungsrecht wird ins Grundbuch des Eigentümers eingetragen. So dürften in den Schutzstreifen keine Gebäude errichtet werden, auch eine tiefwurzlige Bepflanzung sei ausgeschlossen – möglich wäre hingegen weitgehend der Getreideanbau. Dort, wo eine Bündelung mit vorhandener Infrastruktur möglich sei, soll es diese auch geben.

Entschädigung: 35 Prozent des aktuellen Bodenrichtwertes

Dafür werden die Eigentümer entsprechend entschädigt – wenn sie am Ende auf der endgültigen Trasse liegen. Pro Quadratmeter gibt es 35 Prozent des aktuellen Bodenrichtwertes. Heißt einfach: „Ist der Quadratmeter zehn Euro wert, gibt es 3,50 Euro“, so der Projektsprecher Jonas Knoop zur Einmalzahlung – plus gegebenenfalls einem Beschleunigungszuschlag.

Ebenso entschädigt werde der wirtschaftliche Nachteil für Eigentümer oder Pächter, wenn die Trasse die landwirtschaftliche Nutzung beeinflusse. Eventuelle Schäden durch den Bau an der Trasse würden zudem nachentschädigt. Auswirkungen auf Naturschutz- oder Landschaftsschutzgebiete würden bei einer Begehung vor Ort besprochen.

Wie geht es weiter? Nach diesem „Husarenritt über 93 Kilometer“ hoffe man nun, schnell „weiter sieben zu können“, so Lucas Kaufmann. Zum Ende des dritten Quartals sei der erste Antrag auf Planfeststellung geplant. Diesen ersten Trassenvorschlag wolle man spätestens im November der Öffentlichkeit und den Betroffenen vorstellen – bestenfalls vor Ort, sofern Corona dies zulasse. „Damit Sie alle ein Gefühl für den Trassenverlauf bekommen“, so Knoop. Der Kunde habe keine Holschuld, Amprion müsse die notwendigen Infos transparent liefern.

Mit dem Bau soll dann 2024 begonnen werden, wenn planmäßig Ende 2023 die Baugenehmigung nach zweijährigem Planfeststellungsverfahren vorliegt. Bauzeit dann: rund drei Jahre. Eine telefonische Sprechstunde wird es am 19. August geben.

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