August Fischer vermisst die Brachvögel

Naturschutzgebiet Vitiverter Venn

August Fischer ist im Vitiverter Venn geboren. Vor 50 Jahren hat er dort mit seiner Familie ein Haus gebaut. Damals lebten im Naturschutzgebiet in der Nachbarschaft noch zahlreiche Brachvögel. Die sind mittlerweile verschwunden, sagt Fischer - und darüber ist er verärgert.

SÜDLOHN

, 15.08.2014, 17:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Heute würden in den Feuchtwiesen seiner Meinung nach fast nur noch Nestplünderer wie Krähen oder Elstern leben. „Vor zehn Jahren hatten wir hier zehn Brachvögel-Brutpaare. Dieses Jahr habe ich gar nichts mehr gesehen. Es gibt hier keine Kiebitze und Brachvögel mehr.“ Ob das wirklich so ist, bezweifelt Peter Pavlovic von der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Borken. „Wir haben nicht für jedes Gebiet eine Brutvogelbestandsaufnahme.“ August Fischer gibt den Nestplünderern die Schuld daran, dass er keine Kiebitze und Brachvögel in den Feuchtwiesen des sogenannten Grünland-Naturschutzgebietes mehr entdeckt. „Sie rauben die Eier. Es geht so nicht weiter. Es bleibt auch kein Singvogel“, sagt Fischer.

Die Feuchtwiesen in dem 14 Hektar großen Naturschutzgebiet wurden zuletzt vergrößert, aber auch das habe keinen Erfolg nach Meinung von August Fischer keinen Erfolg für den Brachvogel gebracht. „Wenn man ein Naturschutzgebiet ausweist, muss man dafür sorgen, dass Nesträuber wie Dohlen, Elstern und Krähen bejagt werden.“ Das sei nicht erlaubt, sagt Peter Pavlovic von der Unteren Landschaftsbehörde. Es könne auch durchaus mal vorkommen, dass die Nesträuber Eier klauen. Der Grund für den Rückgang von Weiden- und Wiesenvögeln im Vitiverter Venn sei aber ein ganz anderer. Das sei kein zusammenhängendes Naturschutzgebiet. „Es besteht nur aus einzelnen Parzellen“, sagt Pavlovic. Dazwischen: 2,5 Meter hohe Maisfelder.

„Da brütet heute kein Brachvogel mehr, wenn die Felder dauerhaft bewirtschaftet und gedüngt werden“, sagt Pavlovic. „Man kann die Vogelwelt nicht mehr mit der von vor 25 Jahren vergleichen. Die Landschaft hat sich durch die Landwirtschaft verändert“, sagt Pavlovic. „Brachvögel sind sehr standorttreu und finden in der Nähe von Flächen, die landwirtschaftlich bewirtschaftet werden, keinen Lebensraum mehr. “ Das Problem sei, dass der Handlungsspielraum der Behörden begrenzt ist. Die Flächen in Naturschutzgebieten seien oft nicht komplett in Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen, sagt Pavlovic. Es gebe zwar auch so einen gewissen Grundschutz für die Natur: „Aber man kann bessere Bedingungen formulieren, wenn das Land im Naturschutzgebiet im Besitz des Landes ist. Ich will die Landwirte aber überhaupt nicht verteufeln.“

Es ließe sich deshalb nicht verhindern, dass zwischen den Feuchtwiesen Mais angebaut wird – auch nicht in einem Naturschutzgebiet wie dem Vitiverter Venn. Der Kreis sei jedoch bestrebt, die Maisackerflächen in Naturschutzgebieten auszutauschen, sagt Pavlovic. „Nur ist das schwierig, woanders bessere Ausgleichsflächen zu finden.“

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