Außer Corona nichts anderes: Was im Rathaus bei Matthias Lüke aufläuft

mlzCoronavirus in Südlohn

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Arbeit der Gemeindeverwaltung aus, welche Aufgaben übernimmt sie, welche Herausforderungen gibt es? Matthias Lüke von der „Fachstelle Corona“ erzählt.

Südlohn

, 27.10.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für Matthias Lüke hat sich sein Arbeitsalltag mit dem Beginn der Corona-Pandemie auf links gekrempelt. Er ist Leiter des Fachbereichs Ordnung und Soziales im Rathaus der Gemeinde Südlohn. „Aber jetzt ist es eigentlich die Corona-Fachstelle“, beschreibt er.

Matthias Lüke: „Außer Corona gibt es für mich nichts anderes“

Zu den anderen Dingen, die im Fachbereich anliegen, kommt er kaum bis gar nicht, gibt er freiweg zu. „Das wird verschoben oder muss liegen bleiben. Seit Corona gibt es für mich nichts anderes“, sagt Matthias Lüke. Es sei viel Arbeit zurzeit, „aber das gehört dazu. Und es ist auch interessant.“

Manchmal auch mühsam, wie der Fachbereichsleiter einräumt. Denn wenn die erneuerten Verordnungen samt Anhängen vom Land kommen, müssen die erst einmal gelesen werden. Und verstanden. Selbst für Mitarbeiter von Verwaltungen, die täglich mit entsprechendem Deutsch und solchen Formulierungen zu tun haben, sei es hier und da eine Herausforderung, alles beim ersten Lesen zu verstehen, erzählt Matthias Lüke.

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Denn bei der Corona-Hotline der Gemeinde laufen viele Fragen auf, die sich auf die Verordnungen beziehen. Und da will Matthias Lüke auch korrekt Auskunft erteilen. „Ich hoffe, dass ich immer rechtlich richtige Antworten gegeben habe, wenn auch nicht immer zufriedenstellende“, spricht Matthias Lüke ein Thema an, das ihn und seine Kollegen von der Bereitschaft fortwährend begleitet.

Viele rufen die Gemeinde-Hotline an und fragen nach

Denn Südlohner und Oedinger rufen an, Gastronomen, Vereinsaktive, Geschäfts- oder Privatleute, und wollen eine klare Antwort. Und die ist nicht immer so ausgefallen, wie die Anrufer sie hören wollen. Häufiger seien schon mal samstagsmittags Anrufe wegen geplanter (privater) Veranstaltungen am Abend gekommen, wie Werner Stödtke von der Gemeindeverwaltung im Gespräch mit der Redaktion erzählt.

Dann wurden die Mitarbeiter des Ordnungsamtes um Rat gefragt, und die Hoffnung auf ein Okay schwang mit. „Aber wer schon Zweifel hat und anruft, sollte es lieber lassen“, meint Werner Stödtke. „Wir haben kein Okay gegeben, um Veranstaltungen zu legalisieren.“ Die Antworten seien gewesen. „Haltet Euch an die Vorgaben, macht nichts Unvernünftiges.“

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Was die Lage schwieriger mache, sei, dass die bundesweiten Medien aktuell über die kommenden Verordnungen und ihre Inhalte berichteten. „Wenn die Verordnung dann aber kommt, ist manches schon anders. Und vor allem von Bundesland zu Bundesland“, weiß Matthias Lüke. Auch das müsse er manchem Anrufer klar machen, der sich anders informiert fühlte. Aber: Bislang habe es nur Gespräche gegeben, die gut verlaufen seien, keine Beschimpfungen.

Und nicht jede Frage könne er sofort beantworten, betont der „Fachstellenleiter Corona“: Er müsse auch manches Mal beim Kreis Borken oder beim Ministerium nachfragen bei komplexen Fragen. Wichtig und hilfreich findet er in diesem Zusammenhang, dass sich die Ordnungsamtsleiter der Region austauschen.

Auch vor dem Hintergrund, dass manches, was gesagt und verfügt wird, sich am nächsten Tag schon wieder anders darstellen könnte. Stichwort Turnhallen: Einige Kommunen schließen diese aktuell für die Sporttreibenden.

In Südlohn und Oeding sei das nicht geplant, so Matthias Lüke. „Stand jetzt“. Aktuell sehe sich die Gemeinde nicht dazu verpflichtet, „weil die Vereine die Hygienekonzepte so super umsetzen“. Es sei noch kein Infektionsfall aus dem Hallensportbereich bekannt geworden, sagt der Fachbereichsleiter.

Auf die Kollegen im Rathaus ist Verlass

Viel lesen, viele Fragen beantworten, viel regeln – auch die ausgefallenen Veranstaltungen machten Arbeit. Aber Matthias Lüke bleibt gelassen. „Ich mache es noch immer gerne“, betont er. Und freut sich, dass im Rathaus-Team große Bereitschaft bestehe, mit anzupacken, wenn es nötig ist. „Ich bin froh, dass ich mich auf die Kollegen verlassen kann.“

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Die alltägliche Arbeit in Zeiten der Corona-Pandemie hat natürlich auch mit der Verwaltung der unter Quarantäne stehenden Einwohner von Südlohn und Oeding zu tun. Das Gesundheitsamt des Kreises Borken nimmt als erstes Kontakt zu den Einwohnern auf, die mit einer mit dem Coronavirus infizierten Person in Kontakt waren oder selbst infiziert sind, und informiert sie über die Quarantänezeit. Telefonisch. Schriftlich bekommen die Einwohner alles über die Gemeindeverwaltung.

Viel Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt des Kreises Borken

„Wir machen das Ordnungsrechtliche“, beschreibt Matthias Lüke die Aufgaben einer Gemeindeverwaltung. Mit den betreffenden Einwohnern werde Kontakt aufgenommen, dann die schriftliche Ordnungsverfügung zur Quarantäne zugestellt und auch das Datenblatt, auf dem die unter Quarantäne Stehenden täglich nachhalten müssen, wie es ihnen geht, ob sie Symptome haben.

Dieses ginge dann heutzutage meist per E-Mail vom Betroffenen ans Gesundheitsamt. Dort werde dann aus medizinischer Sicht über das Ende der Quarantänezeit entschieden oder ob noch ein Test nötig ist – und die Gemeindemitarbeiter wiederum ruft die Einwohner dann an und teilen den Betroffenen das Ergebnis mit. Etwas Schriftliches gibt es noch obendrein – von der Gemeinde zugestellt.

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