Bettina Hueske (27) ist im Einsatz für den Dialog zwischen Landwirtschaft und Verbraucher

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Wie funktioniert Landwirtschaft und warum ist das für uns alle wichtig? Bettina Hueske aus Südlohn wird nicht müde, genau über diese Frage aufzuklären. Dafür wurde sie jetzt ausgezeichnet.

von Heike Bierkämper

Südlohn

, 01.05.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Mein größter Wunsch ist es, aufzuklären, wie Landwirtschaft funktioniert. Ich möchte damit die Vorurteile, die einfach aus Unwissenheit über meinen Beruf und die Landwirtschaft im Allgemeinen bestehen, aus dem Weg räumen“, sagt Bettina Hueske. Die Jungunternehmerin und Agrarbetriebswirtin aus Südlohn ist gerade erst vor ein paar Tagen 27 Jahre alt geworden und hat in diesem Jahr die höchste Auszeichnung mit dem renommierten Gerd-Sonnleitner-Preis 2019 in Berlin für ihre engagierte Öffentlichkeitsarbeit zur modernen Landwirtschaft erhalten.

In den sozialen Medien täglich präsent

Und wer sie kennengelernt hat, weiß auch warum. Seit vielen Jahren engagiert sie sich, erhielt 2013 einen Förderpreis des Verbandes für landwirtschaftliche Fachbildung NRW und drehte 2014 einen Film „Traumberuf Bäuerin – Eine junge Landwirtin im Münsterland“, der im WDR ausgestrahlt wurde. Mittlerweile setzt sich die Agrarbetriebswirtin auch in sozialen Medien wie Facebook und Instagram souverän für den Dialog zwischen Landwirtschaft und Verbrauchern ein. Darüber hinaus öffnet die 27-Jährige regelmäßig den als „Tochter-Vater-GbR“ geführten Milchviehbetrieb für Besuchergruppen. Hueske, die sich als „Herzbäuerin“ versteht, ist im Ehrenamt unter anderem Sprecherin des Ausschusses für Öffentlichkeitsarbeit im Kreisverband Borken des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands.

Mit ihrem Engagement ist Bettina Hueske ein Vorbild für viele junge Landwirtinnen und Landwirte. Ihre Kommunikation baue Vorurteile ab, weil sie den Menschen fundiert, authentisch und sympathisch die moderne Landwirtschaft nahebringe, hieß es von der Jury. Der Gerd-Sonnleitner-Preis sei Anerkennung und Dank für Bettina Hueskes Leistungen. Gleichzeitig soll der Preis die vielen jungen Ehrenamtlichen im ländlichen Raum ermutigen, sich weiterhin zu engagieren. „Natürlich ist es mir eine riesengroße Ehre, dort als diesjährige Preisträgerin ausgezeichnet worden zu sein“ sagt Bettina Hueske stolz. „Jedoch ist das, was ich in verschiedenen Ehrenämtern und täglich auf meinen Online-Kanälen bei Facebook und Instagram tue, nichts Besonderes, sondern eine Selbstverständlichkeit, die mir noch dazu einfach nur Spaß macht“, sagt sie und lacht.

Mit Nachdruck erklärt sie weiter: „Ich nutze die öffentlichen Medien dazu, um zu berichten, wie die Welt eines Landwirtes wirklich aussieht und kann auch nur allen Interessierten raten, sich wirklich mal einen Hof von innen anzuschauen. Jeder sollte sich selbst ein Bild machen. „Ob allein, oder in der Gruppe, aber schaut es euch selbst an, dann versteht ihr was wir hier tun“, appelliert sie. „Ich möchte einfach dafür sorgen, dass der Beruf und die Landwirtschaft ins rechte Licht gerückt werden.“ Es gebe so viele negative Schlagzeilen. „Deshalb engagiere ich mich dafür und versuche alles zu tun, um meinen Traumberuf leben zu können und junge Menschen dafür zu begeistern, dass der Beruf noch lange existiert und die Landwirtschaft nicht ausstirbt und wir irgendwann in Deutschland nicht mehr selbst produzieren und nur noch aus anderen Ländern importieren“, sagt sie.

Bettina Hueske (27) ist im Einsatz für den Dialog zwischen Landwirtschaft und Verbraucher

Am liebsten ist Bettina Hueske bei den Kühen im Stall und bei den Kälbchen. © Heike Bierkämper

„Ich kann nur für mich sprechen, aber ich denke, dass jeder Landwirt das Ziel hat, gute Lebensmittel produzieren zu wollen, nur leider wird uns Landwirten das oftmals durch die Politik wie zum Beispiel aktuell durch die neuerliche Verschärfung der Dünge-Verordnung nicht gerade leicht gemacht“ sagt Bettina Hueske, als sich ein kleines Kälbchen neugierig aus der Box reckt, um von ihr liebevoll gestreichelt zu werden. Natürlich kann es sich sofort ein paar Streicheleinheiten abholen. Dann sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht – und wer sie dabei beobachtet, wie liebevoll sie mit den Tieren umgeht, hat daran sicherlich keinen Zweifel: „Das was ich am liebsten mache: Im Kuhstall bei unseren Kühen sein“.

A propos Dünge-Verordnung. „Als man mich fragte, ob ich dort sprechen möchte, habe ich nicht lange überlegt“ berichtet sie vom Protest Anfang April in Münster. Am 4. April hatten sich über 6000 Landwirte aus NRW, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Niedersachsen und Bayernmit Bus, Zug und mit unzähligen Traktoren auf den Weg zum Protest auf dem Domplatz in Münster gemacht. Der Grund war die neuerliche Verschärfung der Düngeverordnung. Hierbei gehe es ganz klar nicht um Gesetze im Allgemeinen: „Wir Landwirte sind bereit, uns an geltendes Recht zu halten“ sagt sie energisch. „Unser Problem ist vielmehr, dass in der geplanten Verschärfung mal wieder an uns Praktikern vorbeigeplant wurde.“

Verschärfungen sollten praxisnah sein

Sie spricht von „staatlich verordnetem Hunger“, von dem auch auf zahlreichen Transparenten zu lesen war. Hueske erklärt: „Die Verschärfung enthält einen Absatz, der pauschal für weite Teile Deutschlands den Nährstoffbedarf für unsere Pflanzen herabsenkt – unabhängig von der Kultur, dem Boden und dem aktuellen Klima.“ Sie finde es schade, dass die Minister den Landwirten außer finanzieller Unterstützung wenig Hilfe zusagen konnten. „Natürlich weiß ich, dass es Verschärfungen geben wird, aber die sollten praxisnah sein“, fordert sie. Dennoch fand sie es sehr gut, dass so viele Landwirte endlich Geschlossenheit und Zusammenhalt gezeigt haben in Münster, denn dieses Bild habe man in den letzten Jahren ihrer Meinung nach selten gesehen.

„Jeder kann sich informieren und ist herzlich eingeladen unseren Hof zu besuchen“ sagt sie und fordert auf: „Kommt auf die Höfe, bevor Ihr urteilt“ und freut sich jetzt erstmal auf ihr Hobby: Sie trainiert für einen bevorstehenden Marathonlauf.

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