Bischof stürzt von Redepult

Unfall bei Firmgottesdienst

Schwerer Unfall während eines Firmgottesdienstes in der Katholischen Kirchengemeinde St. Vitus im münsterländischen Südlohn: Weihbischof Dr. Christoph Hegge stürzt nach seiner Ansprache an die 77 Firmlinge vom Redepodest und bricht sich den Fuß.

SÜDLOHN

von von Bernd Schlusemann

, 13.03.2011, 09:48 Uhr / Lesedauer: 3 min
Bischof stürzt von Redepult

Weihbischof Christoph Hegge.

Nach seiner Ansprache dreht sich der Gottesmann um, will zurück zum Altar. Was die Menschen in St. Vitus dann hören, was die Blicke nach vorne reißt, ist der Klang von Metall, dass auf harten Granit schlägt.  Der Stab des Weihbischofs fällt auf die Treppenstufen, Christoph Hegge stürzt. Betroffenheit im Gotteshaus, die Menschen stehen auf, wollen sehen, was passiert ist. Der Bischof bleibt am Boden liegen – zu ihm hasten der Gemeindepfarrer, sein Pastoralreferent und weitere Helfer, darunter auch Südlohns Karnevalsprinzessin Rita Telöken, im Zivilberuf Krankenschwester.  „Einen Krankenwagen“, ruft Pastor Scho – jemand hastet in die Sakristei.  Dann werden Decken geholt, sogar ein Kissen. In der Kirche können nur die Gläubigen in den ersten Reihen sehen, was passiert ist. Für viele weiter hinten sind es gespannte Minuten in großer Besorgnis. Was ist passiert? Wie geht es dem Bischof? Auf diese Frage gibt dann Christoph Hegge nach etwas zehn Minuten Ungewissheit selber die Antwort. „Ich habe mir den Fuß gebrochen, man wird mich ins Krankenhaus bringen “. Und: „Machen Sie sich keine Sorgen, Unkraut vergeht nicht – Christus ist auch jetzt bei mir“. Die Menschen lachen, applaudieren aufmunternd. „Die Firmung wird Pastor Scho für mich übernehmen, ich haben ihn damit beauftragt“, ergänzt Hegge. Diese Frage haben sich natürlich, neben der Sorge um die Gesundheit des Geistlichen, viele in der Kirche gestellt.

Zwei Minuten später trifft ein Rettungswagen aus Borken ein. Der Knöchel wird untersucht, dann holt ein Sanitäter die Krankentrage in die Kirche. Als der Bischof darauf liegt, nimmt er noch einmal das Mikrofon. „Tschüss“, kommt gepresst von seinen Lippen und jetzt ist der Schmerz des Bischofs hörbar. Doch davon ist nichts zu spüren, als die Sanitäter Hegge durch das Mittelschiff aus der Kirche schieben. Den Kopf angehoben, ein Lächeln ist erkennbar, macht der Weihbischof Kreuzzeichen, segnet die Menschen, verlässt die Kirche so, wie er sie betreten hat. Die Südlohner hält es bei diesem Anblick nicht mehr auf ihren Plätzen, sie stehen auf, klatschen. Viele haben in diesem Augenblick ein unausgesprochenes „gute Besserung“ auf den Lippen.

Dann ist der Bischof weg. Pastor Scho übernimmt. „Lasst und alle einmal tief durchatmen“, meint er, „für mich ist das Neuland“, ergänzt der Geistliche mit unsicherer Stimme und übernimmt dann die Aufgabe des Weihbischofs, die 77 Jugendlichen zu firmen. Scho macht das mit Bravour. Am Ende des feierlichen Gottesdienstes richtet der Pfarrer Genesungswünsche an Christoph Hegge und hofft, dass „der Bischof schnell wieder auf den Beinen – auf beiden Beinen – ist“. Nach am Ende fast drei Stunden in dem Gotteshaus ist der Unfall anschließend Gesprächsthema vor der Kirche. Die Menschen sind beeindruckt von dem Weihbischof, von seiner Rede an die Jugendlichen.  Und beeindruckt von dem Kirchenmann, der nach dem schmerzhaften Unfall und auch noch mit gebrochenem Fuß auf der Krankentrage ein Gottesmann war, der die Menschen mitnehmen konnte.

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