CDU sucht Gründe für die Niederlage, WSO feiert hervorragendes Ergebnis

mlzKommunalwahl 2020

Die rundum überraschende Wahl in Südlohn ist gerade vorbei. Eine Menge wird sich im Rat bewegen. Während die einen ihr Ergebnis feiern, sind die anderen schwer enttäuscht.

Südlohn

, 14.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Maik van de Sand (WSO) weiß am Tag nach der Wahl immer noch nicht genau, wie sehr er sich freuen soll. „Es ist unglaublich, damit hätten wir nie gerechnet“, sagt er mit Blick auf die sieben Sitze, die die WSO im Südlohner Rat erreicht hat. Auch wenn es mit der Wahl zum Bürgermeister nicht geklappt habe, ist er rundum zufrieden: „Wir haben unsere Ziele erreicht“, sagt er. Aber: „Wir wissen, dass eine große Aufgabe vor uns liegt“, erklärt er. Die nehme die WSO sehr ernst.

FDP erreicht gestecktes Ziel und ist zufrieden

Ihr Ziel ebenfalls voll erreicht hat die FDP: „Wir wollten drei Sitze im Rat und die absolute Mehrheit der CDU brechen“, sagt Jörg Schlechter, der die vergangenen sechs Jahre allein als FDP-Mitglied im Rat saß. Nun könne seine Partei wieder in Fraktionsstärke arbeiten. Spannend sei, dass es nun keine Mehrheitspartei mehr gebe. „Wir sind ziemlich zufrieden, vor allem weil wir vorher keine Idee hatten, wie die Wahl ausgehen könnte“, sagt er. Vor allem Effekte aus der Bundespolitik machen es der FDP vor Ort immer wieder schwer.

Ein leichtes Minus muss die UWG verkraften. Besonders der Verlust des vormals direkt gewonnenen Bezirks 13 an die CDU schmerzt. Von der persönlichen Enttäuschung abgesehen, kommentiert Günther Bergup das Ergebnis aber nicht zu pessimistisch: „Klar, wir hatten mit mehr gerechnet, aber wir haben fünf Sitze behalten. Das ist positiv“, sagt er. Das große Ziel, die Mehrheit der CDU zu knacken, habe die Opposition erreicht. Überrascht sei er allerdings von dem hervorragenden WSO-Ergebnis. „Dazu kann man nur gratulieren“, erklärt er.

SPD-Vorsitzender hätte sich besseres Ergebnis gewünscht

Der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Jürgen Musholt – seine Partei hat bis auf wenige Bruchteile das gleiche Ergebnis wie vor sechs Jahren eingespielt – sieht die Sache zwiegespalten: „Wir sind nicht zufrieden, aber auch nicht unglücklich“, erklärt er. Er glaube, dass die SPD in Südlohn und Oeding in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet habe. „Aber gegen uns spricht der bundesweite Trend.“ Er hätte sich ein besseres Ergebnis vorstellen können.

Frank Engbers spricht von teilweise hervorragenden Ergebnissen

Des einen Freud, des anderen Leid. Entsprechend schlecht ist die Stimmung auch noch bei Frank Engbers (CDU). Nicht nur wegen der verlorenen Bürgermeisterwahl, sondern auch wegen der deutlich schlechten Ergebnisse bei der Ratswahl. Nein, verdaut habe er das Ergebnis noch nicht. „Aber eine Analyse ist im Moment noch schwierig“, erklärt er. Immerhin habe die CDU 11 der 13 Bezirke direkt geholt. „Das ist in Ordnung“, sagt er. Bei der vorherigen Wahl hatte die CDU zwölf Bezirke gewonnen. Gerade die neuen Mitglieder der CDU hätten hervorragende Ergebnisse erzielt.

Auch die liegen allerdings deutlich unter den Ergebnissen von vor sechs Jahren: In Bezirk 6 beispielsweise, dem Bezirk, den Stephan Knuth als neues Fraktionsmitglied gewann, fielen 45,28 Prozent der Stimmen auf die CDU. Dort hatte das Südlohner CDU-Urgestein Hermann-Josef Frieling vor sechs Jahren noch 59,3 Prozent der Stimmen geholt. Er war in diesem Jahr nicht mehr angetreten. Die WSO kam dort aus dem Stand auf fast 20 Prozent.

Auch Frank Engbers erreichte in seinem Bezirk 13 ein denkbar knappes Ergebnis: Mit nur 2,57 Prozentpunkten Vorsprung setzte er sich gegen den UWG-Kandidaten Günter Bergup durch, der nun nicht mehr im Rat sitzt.

Die absolute Mehrheit zu erringen, sei von vornherein schwierig gewesen. „Dennoch können wir nicht zufrieden sein“, sagt Frank Engbers. Durch die Überhangmandate relativiere sich das aber alles wieder etwas. „Die anderen Parteien haben ihr Ziel erreicht und unsere absolute Mehrheit gebrochen“, sagt er. Sie müssten nun aber auch liefern.

Bürgermeister in spe Werner Stödtke blickt nach vorn

Für den frisch gewählten Bürgermeister Werner Stödtke ist am Tag nach der Wahl schon wieder ein ganz normaler Arbeitstag in der Südlohner Verwaltung. Mit Blick auf die kommende Ratsperiode will er keine Zeit verlieren: „Da müssen wir eigentlich jetzt schon Pflöcke einschlagen, um zu klären, wo es in den kommenden Jahren hingehen soll“, erklärt er. Einhellige Meinung sei ja, dass die Ausschüsse mehr Entscheidungskompetenz bekommen sollen. „Da muss die eigentliche Fachdiskussion geführt werden“, so Werner Stödtke weiter. Das habe so aber ja auch in allen Wahlprogrammen gestanden.

Wenig Platz im Ratssaal

Er macht aber noch auf ein ganz anderes Problem aufmerksam: Der Ratssaal könnte zu klein werden. Durch die Überhangmandate ist der neue Rat auf 30 Personen angewachsen. Bisher waren es 26 Sitze. „Das ist räumlich zumindest schwierig. Da müssen wir eine gute Lösung finden“, erklärt er.

Der Rat auf einen Blick

Noch einmal auf einen Blick: Im zukünftigen Rat der Gemeinde Südlohn sitzen:

Bürgermeister: Werner Stödtke (parteilos)
CDU (11 Sitze):
Thomas Rathmer, Steffen Schültingkemper, Christian Spicker, Michael Schichel, Elisabeth Rathmer, Stephan Knuth, Frank Honerbom, Heinrich Icking, Marco Becker, Dirk Gebing, Frank Engbers;

UWG (5 Sitze): Karin Schmittmann, Dieter Valtwies, Ludger Rotz, Jörg Niehues, Stephanie Vornholt;

SPD (4 Sitze): Sabrina Späker, Andreas Bone, Barbara Seidensticker-Beining, Rudolf Terhörne;

FDP (3 Sitze): Jörg Schlechter, Josef Eiting, Heinrich Upgang-Sicking;

WSO (7 Sitze): Bernd Schüring, Thomas Wilke, Maik van de Sand, Leo Schrote, Helmut Schroer, Michael Tenk, Niklas Büning

Alle Wahlergebnisse im Detail gibt es zentral online auf der Seite der Gemeinde.
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