Christian Nagel (28) baut am Schlinge-Ufer ein neues Gästehaus für den Familienbetrieb

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13 neue Zimmer, 26 neue Betten: Das Hotel Nagel in Südlohn investiert in seinen Traditionsstandort und wird nun schon in der siebten Generation geführt.

Südlohn

, 16.02.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Das Hotel Nagel wächst. 13 neue Zimmer mit 26 Betten sollen in einem neuen Gästehaus der Drei-Sterne-Kategorie entstehen. Das wird direkt am Schlinge-Ufer auf dem bisherigen Parkplatz gebaut. Auf zwei Etagen werden sich dort die neuen Zimmer verteilen. Zwei erhalten sogar eine Terrasse mit Blick auf die Schlinge. Eine hohe sechsstellige Summe investieren die Nagels dort. Noch genauer wollen sie lieber nicht werden.

Ur-Ur-Ur-Ur-Enkel setzt auf Erweiterung

Die Richtung ist klar: „Wir wollen erweitern, damit wir den Betrieb weiter wirtschaftlich führen können“, sagt Josef Nagel (65). Denn die Ansprüche der Gäste wachsen. Mit kleinen Einzelzimmern geben sich nicht mehr viele zufrieden. Deswegen kommt nun die Erweiterung. Gleichzeitig ist das Südlohner Traditionsunternehmen auf die siebte Generation übergegangen. Mit Christian Nagel (28) zeichnet der Ur-Ur-Ur-Ur-Enkel des ersten Josef Nagel für das Unternehmen verantwortlich. Der hatte 1849 die Gaststätte Nagel eröffnet.

Hotelbetrieb seit 25 Jahren

Den Hotelbetrieb gibt es aber erst seit 1994. „Wir mussten damals einen anderen Kuchen anschneiden“, erklärt Josef Nagel. Reine Tanzveranstaltungen oder der Saalbetrieb für Familienfeiern warfen nicht mehr genug ab. Mit den ersten Gästezimmern über der ehemaligen Bäckerei Schrote stieg die Familie ins Hotelgeschäft ein. „Schon sieben Jahre später mussten wir anbauen“, erinnert sich der Seniorchef heute. Der Erfolg gibt ihnen Recht. „Hätten wir damals nicht auf die Hotellerie gesetzt, gäbe es das Unternehmen heute nicht mehr“, sagt Josef Nagel.

Und heute? Die Buchungszahlen steigen. Einerseits durch Fahrradtouristen, andererseits durch Außendienstler, Monteure oder Besucher umliegender Unternehmen. „Nur von Touristen könnten wir nicht leben“, sagt Christian Nagel. „Die machen vielleicht 25 Prozent aus“, ergänzt sein Vater. Auch das Hotel Nagel profitiert also von der florierenden Wirtschaft im Münsterland und dem Kreis Borken.

Ohne Online geht es nicht, ohne Personal auch nicht

Auch wenn in der Umgebung Hotels schließen, versprechen sich beide dadurch keinen großen Zuwachs. „Das ist nicht zähl- oder messbar“, sagt Josef Nagel bestimmt. Sie setzen lieber auf andere Argumente. „Auf eine gemütliche Atmosphäre, guten Service, gutes Personal“, so der Senior-Chef. Gutes Personal koste zwar viel Geld, ohne gehe es aber einfach nicht.

„Die Menschen sollen sich bei uns wohlfühlen und wiederkommen“, erklärt er. Und das funktioniert offenbar. Ein Großteil der Gäste ist Stammkundschaft. „So sind wir über die Jahre größer geworden.“ Und natürlich machen Online-Buchungsportale wie Booking oder HRS inzwischen einen großen Teil der Neubuchungen aus. „Dem darf man sich nicht verschließen“, erklärt Josef Nagel. Ohne gehe es heute gar nicht mehr.

Christian Nagel (28) baut am Schlinge-Ufer ein neues Gästehaus für den Familienbetrieb

So soll das neue Gästehaus am Hotel Nagel einmal aussehen. Auf zwei Etagen verteilen sich dort 13 Zimmer mit 26 Betten. © Hotel Nagel

Skeptisch sehen die beide Männer Hotellösungen ohne Personal: „Smarte Technik einzubauen, ist kein Hexenwerk mehr“, sagt Christian Nagel. Ob man Türschlösser mit dem Smartphone öffnen kann oder über Codesysteme sei nicht entscheidend. Viel wichtiger sei der Kontakt zum Gast. „Ein Hotel ohne Personal? So stellen wir uns Gastronomie nicht vor.“ Da lässt Josef Nagel nicht mit sich streiten.

Baubeginn steht im Moment noch nicht fest

Erste Arbeiten für den Neubau sind bereits abgeschlossen. In dieser Woche wurden auf dem Parkplatz die Bäume gefällt und Hecken gerodet. „Damit wir mit dem Naturschutz keine Probleme bekommen“, erklärt Christian Nagel. Bis die Bauarbeiten aber tatsächlich beginnen, wird es noch etwas dauern.

Christian Nagel schätzt, dass es im späten Frühjahr definitiv losgeht. Sein Vater wird deutlicher: „Nächstes Jahr um diese Zeit soll alles fertig sein.“ Die Planungen für die Erweiterung laufen schon seit Jahren. Wurden mehrfach verworfen und überarbeitet. „Das ist jetzt der beste Plan“, sagt Christian Nagel.

Rückkehr ins Familienunternehmen war früh klar

Er hat seine Ausbildung zum Hotelkaufmann im Sportschloss Velen gemacht. Danach ging er zum Steigenberger Hotel nach Frankfurt, um den Betriebswirt zu machen. Früh war aber klar, dass er einmal den Familienbetrieb weiterführen wird. „Hier hab ich ja schließlich schon in den Ferien und an den Wochenenden gearbeitet“, sagt er mit einem Lächeln. Spätestens da sei klar gewesen, dass er den Betrieb fortführt. 2015 stieg er in den Betrieb der Eltern ein. Jetzt steht er an der Spitze. Gerade erst wurde die Umfirmierung in eine GmbH abgeschlossen. Christian Nagel ist neuer Geschäftsführer.

Nagel senior will noch nicht aufhören

Bereitet sich Josef Nagel also so langsam darauf vor, sich aus dem Betrieb zurückzuziehen? „Nein“, die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. „Ich habe ja nicht 40 Jahre Gastronomie und Hotellerie gemacht, weil ich da keinen Spaß dran habe“, fügt er noch hinzu. Außerdem helfe er seinem Sohn gerne.

Froh sind beide über die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde. „Die sind uns bei der Planung sehr entgegengekommen“, erklärt Christian Nagel. Denn schließlich gehörte das Grundstück für das neue Gästehaus seit Jahren der Gemeinde. „Das haben wir damals eingetauscht, als wir das Hotel gebaut haben. Jetzt haben wir es zurückgekauft“, sagt Josef Nagel.

Was noch fehlt, ist die abschließende Baugenehmigung. Der Bauantrag soll jetzt in Kürze beim Kreis bearbeitet werden. „Unterlagen dafür liegen schon beim Kreis. Das ist alles in trockenen Tüchern, sonst würden wir ja nicht an die Öffentlichkeit gehen“, so Christian Nagel. Auch aus dem Rathaus gibt es positive Signale. Bürgermeister Christian Vedder will aber noch abwarten: „Natürlich müssen wir sehen, was im Bebauungsplan möglich ist. Der Bauantrag liegt ja noch nicht vor“, sagt er. Aber über die Flächen sei man sich ja schon einig geworden. Der Rest wird nun abgearbeitet. Aber: „Ich freue mich, wenn das was wird“, sagt er.

Erweiterung auf 40 Zimmer

Mit dem Neubau hat das Hotel Nagel dann 40 Zimmer mit 81 Betten. 17 Mitarbeiter sind im Unternehmen beschäftigt. Der Neubau rückt nun aber erst mal fast wieder in den Hintergrund. Die Vorbereitungen für die Hochphase des Karnevals haben auch im Hotel Nagel begonnen. Dieses Jahr nicht in Hotel und Gaststätte. Stattdessen wird auf dem Vikar-Meyer-Platz ein großes Zelt aufgestellt. Mehr Platz, einfacher zu reinigen und unter dem Strich viel weniger aufwendig.

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