Christian Vedder (55): „Hatte keine Angst vor Kandidatur ohne Partei“

mlzBürgermeisterwahl 2020

Bürgermeister Christian Vedder tritt nicht mehr an. Im Interview erklärt er seine Motive und räumt ein, dass er transparenter hätte handeln können.

Südlohn

, 07.02.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wann war der entscheidende Moment, nicht mehr zu kandidieren?

Kann ich auf den Punkt nicht mal sagen. Den Gedanken hatte ich immer mal wieder. Ich bin ja auch schon elf Jahre dabei und bin am Mittwoch 55 geworden. Ein Wechsel wäre da in fünf Jahren noch einmal deutlich schwieriger. Außerdem gehe ich lieber in einem Moment, in dem viele noch sagen, ‚Schade, dass er geht‘ statt ‚Wird auch Zeit, dass er geht.‘

Hatten Sie doch noch mit Unterstützung der CDU gerechnet?

Ich habe auch Zuspruch aus der CDU bekommen. Nicht unbedingt aus dem Ortsverein, aber die CDU ist ja nicht nur der Ortsverein. Auf Kreisebene und darüber hinaus war das sehr positiv. Auf Ortsebene hat es nicht so richtig hingehauen.

Sie sprechen von Angeboten aus der freien Wirtschaft. Hatten Sie sich parallel schon beworben?

Nein, das waren Angebote, die an mich herangetragen wurden. Von Unternehmen und von Anwälten. Da bin ich in der glücklichen Lage, auswählen zu können.

Ein politisches Amt in einer anderen Stadt scheidet aus?

Tja, ich habe elf Jahre in der Verwaltung gearbeitet und sehr positive Erfahrungen gemacht. Ich schließe das nicht aus. Im Moment liegen mir Angebote aus der freien Wirtschaft vor, die sehr interessant sind.

Gibt es Reaktionen auf Ihre Stellungnahme?

Fast nur positive. Sowohl online, als auch ganz klassisch per Telefon oder persönlich. Da kommt dann schon heraus, dass nicht alles so schlecht gewesen sein kann, wie es manchmal in den Sitzungen geäußert wurde.

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Die Reaktion der Ratsmitglieder war ja schon fast kühl. Wussten die vorher Bescheid?

Ich hatte kurz vorher an die CDU-Spitze im Kreis geschrieben und dort grundsätzlich meinen Standpunkt geteilt. Mit den Fraktionen im Südlohner Rat hatte ich das aber nicht durchgesprochen. Mein Eindruck war aber, dass die Ratsmitglieder schon einen Moment gestutzt haben.

Sie wurden zuletzt mit 75 Prozent der Stimmen gewählt. Warum sind Sie nicht als parteiloser Kandidat angetreten?

Angst vor einer Kandidatur ohne Partei hatte ich nicht. Eben auch weil ich weiß, dass die Leute es mir zutrauen. Aber es ist eben eine andere Tür aufgegangen. Dann kommt man ans Nachdenken. Ich habe mir das nicht leicht gemacht, aber da geht es eben auch um Fragen der Gesundheit, der Familie und der Arbeitszeit.

Christian Vedder (55): „Hatte keine Angst vor Kandidatur ohne Partei“

Seine Tage im Rathaus sind gezählt: Christian Vedder (55) wird zur Wahl am 13. September nicht mehr antreten. © Stephan Teine



Manchmal ist im Ort die Rede von „Fürst Vedder“ und dass von oben durchregiert wird. Können Sie Kritik an Ihrer Arbeit als Bürgermeister verstehen?
Ja, ich kann sie verstehen. Allerdings muss ich abwägen, wann ich ein Projekt in die Öffentlichkeit bringen kann. Ich kann nicht jede Idee sofort äußern, sondern brauche auch einen gewissen Planungsrahmen. Ich glaube nicht, dass ich objektiv intransparent war. Subjektiv fühlen sich natürlich viele nicht richtig informiert. Da gibt es aber auch rechtliche Hürden. Volle Transparenz habe ich immer so früh wie möglich herstellen wollen. Aber dabei bin ich eben auch an Regeln gebunden.
Christian Vedder (55): „Hatte keine Angst vor Kandidatur ohne Partei“

Alea jacta est – Majestix wird das Rathaus verlassen. © Schwarze-Blanke

Beschreiben Sie die Arbeit mit dem Rat.

Sie war überwiegend konstruktiv. Es ist manchmal holpriger gelaufen, als ich es mir gewünscht hätte. Aber mit Blick auf die Ergebnisse, sind die meisten Abstimmungen einstimmig, mal mit wenigen Enthaltungen oder Gegenstimmen gelaufen. Es ist in den letzten Jahren schwieriger geworden, eine Mehrheit zu finden. Dennoch hat sich die Politik – auch die CDU – am Ende von der Substanz der Projekte überzeugen lassen und so abgestimmt. Sicherlich ist da auch von beiden Seiten das ein oder andere schräge Wort gefallen.

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Gab es Versuche, das Verhältnis zur CDU zu kitten?

Ja. Gab es. Von meiner Seite jahrelang. Auch da kann ich sagen, dass es auch im Ortsverein verschiedene Meinungen gibt. Es gab dort nicht die totale Blockade, sondern auch immer wieder Gespräche.

Elf Jahre als Bürgermeister der Gemeinde Südlohn. Was waren die Höhepunkte?

Ein Höhepunkt war sicherlich die Flüchtlingskrise und der Umgang der Menschen im Ort damit. Das war eine riesige Aufgabe, die auch durch ehrenamtliches Engagement gelöst wurde. Die vielen Bauprojekte sind sicherlich unter dem Strich auch gut gelaufen. Meine großen Projekte waren Digitalisierung, Bildung, Infrastruktur und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Und die sind sehr gut gelungen.

Und die Tiefpunkte?

Zum Beispiel die Schließung der Hauptschule. Die Umstrukturierung war landespolitisch gewollt. Das ist uns hier vor die Füße gefallen und das bedauere ich bis heute sehr. Davon abgesehen müsste ich wirklich überlegen.

Haben Sie Fehler gemacht?

Wieder das Thema Transparenz. manchmal hätte ich Ausschüsse und Politiker früher einbinden können. Dann wäre vielleicht mehr Verständnis geweckt worden. Das hätte ja auch im nicht-öffentlichen Rahmen stattfinden können. Da ist sicherlich der ein oder andere Fehler passiert. Ich habe versucht zu lernen.

Was muss der neue Bürgermeister tun?

Es kann ja auch eine Bürgermeisterin sein... Ich glaube, wichtig ist, die Bürgerschaft einzubinden, die Mitarbeiter vertrauensvoll zu behandeln und transparent und vertrauensvoll mit dem Rat zu arbeiten. Ansonsten muss jeder seine eigenen Akzente setzen. Da will ich gar nicht reinreden. Gute neue Ideen sind das Wichtigste.

Bleiben Sie in Oeding?

Ich fühle mich hier sehr wohl und bleibe hier wohnen. Die Kommunalpolitik werde ich aber wohl weniger verfolgen. Allein schon wegen der Arbeitszeiten in der freien Wirtschaft. Ich verfolge es natürlich, aber nicht ganz aktiv. Ich finde es natürlich spannend, welche Richtung die Gemeinde in Zukunft nimmt.

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