Henricus-Stift

Corona und die Folgen: Wie das Virus die Arbeit im Pflegeheim beeinflusst

„Corona und die Folgen“, unter diesem Schlagwort beleuchtet der Caritasverband Ahaus-Vreden die Auswirkungen der Pandemie. Heute berichtet Maria Overkämping vom Henricus-Stift in Südlohn.
Maria Overkämping, Wohnbereichsleiterin im Henricus-Stift in Südlohn, erzählt, wie Corona die tägliche Arbeit beeinflusst. © Caritas

Corona, das ist in einem Seniorenheim wie dem Henricus-Stift seit Monaten Dauerthema. Das Virus beeinflusst die tägliche Arbeit, das Virus ist in Gedanken allgegenwärtig. Nicht nur im Beruf, auch im Privaten.

„Natürlich hat man immer Angst, dass man sich irgendwo anstecken könnte und das Virus dann ins Haus hineinträgt“, sagt Maria Overkämping. Die 59-Jährige aus Oeding ist Wohnbereichsleiterin im Henricus-Stift. „Das ist unsere große Sorge“, sagt sie. „Das will ja keiner.“

Als Wohnbereichsleiterin kümmert sich Maria Overkämping unter anderem um Organisatorisches. Mal geht es um Dienstpläne und den Personaleinsatz bei Krankheitsfällen. Mal geht es um die Pflegedokumentation. Die 59-Jährige ist „Kümmerin“.

Sie kümmert sich nicht nur um die Bewohner, sondern auch um deren Angehörige. In diesen schwierigen Corona-Zeiten hätten gerade die Angehörigen oftmals etwas auf dem Herzen, hat sie festgestellt. „Ich lege großen Wert darauf, dass sich alle vertrauensvoll an mich wenden können.“

Hygienemaßnahmen und Schutzkonzepte

Wie Corona den Alltag im Pflegeheim bestimmt, das wird nicht nur an Hygienemaßnahmen und Schutzkonzepten deutlich. Das zeigt sich im Henricus-Stift auch daran, was 2019 noch selbstverständlich war, doch woran 2020 überhaupt nicht zu denken ist.

„Im vergangenen Jahr gab es hier noch so viele Veranstaltungen, die wohnbereichsübergreifend liefen“, erinnert Maria Overkämping an Singkreise, gemeinsame Aktivitäten und Ausflüge. Doch die sozialen Kontakte der Bewohner mussten in der Corona-Pandemie deutlich reduziert werden.

Spürbar wurde das für die Senioren im Wohnbereich von Maria Overkämping, als es dort zu einer Infektion kam. Eine 86-jährige Bewohnerin hatte sich Anfang November mit dem Coronavirus infiziert. Bewohner aus dem betroffenen Bereich waren für zwei Wochen auf ihren Zimmern in Quarantäne.

„Eine wirklich sehr anstrengende Zeit“, sagt Maria Overkämping. Anstrengend für die Bewohner und für die in Schutzkleidung tätigen Mitarbeiter. Den Senioren fehlten zum Beispiel die Gespräche mit den Mitbewohnern und die Bewegungsmöglichkeiten. „Man merkt noch an ihren Gangbildern, dass sie wegen der Quarantäne zeitweise nicht nach draußen durften.“

Die 86-Jährige überstand die Infektion. Einen Todesfall im Zusammenhang mit Corona gab es im Henricus-Stift noch nicht. „Die Bewohner wachsen einem schon ans Herz“, sagt Maria Overkämping. „Man betreut sie, teilt eine Zeit seines Lebens mit ihnen. Man kann das nicht gut haben, wenn ein Bewohner verstirbt, egal ob im Zusammenhang mit Corona oder an einer anderen Krankheit.“

Ein Ordner voll mit Verordnungen und Verfügungen

Maria Overkämping weiß, wie gefährlich das Coronavirus ist, ebenso die allermeisten Angehörigen, die sich im Henricus-Stift an die Maskenpflicht halten. „Aber es gibt auch einige Angehörige, die ohne Maske ins Haus möchten.“ Das geht natürlich nicht.

Einen Ordner voll mit Verordnungen, Verfügungen und Vorschriften zum Schutz vor dem Coronavirus hat die Wohnbereichsleiterin immer greifbar. „Wir müssen uns immer wieder auf Änderungen einstellen.“ Angehörige rufen an und fragen, wie der aktuelle Stand der Dinge bei den Vorschriften ist, ob sie ihre Angehörigen besuchen dürfen und was dabei zu beachten ist.

Auch darum hat sich Maria Overkämping über die Feiertage gekümmert. Heiligabend sowie an den Weihnachtsfeiertagen arbeitete sie im Henricus-Stift. „Die Arbeit an Feiertagen begleitet mich schon mein ganzes Berufsleben.“ Entweder hat sie an Weihnachten gearbeitet oder an Silvester und Neujahr. „Gewohnheitssache“, sagt sie. Auch die Familie hat sich daran gewöhnt.

Den Bewohnern im Henricus-Stift haben Maria Overkämping und ihr Team auch in Corona-Zeiten ein schönes Weihnachtsfest bereitet. „Aber nicht alles war möglich.“ Das gemeinsame Singen von Weihnachtsliedern an Heiligabend entfiel. Das Krippenspiel und Kinder, die Geschenke verteilen – all das gab es in diesem Jahr nicht.

Gut möglich, dass zumindest unterm Weihnachtsbaum zu Hause die Gedanken an die schwierigen Arbeitsbedingungen in der Pandemie für kurze Zeit verblasst sind. Nicht mehr als eine Erinnerung ist für Maria Overkämping auch das „Klatschen für die Pflege“. Was in der Politik und der Gesellschaft davon geblieben ist? Nicht viel, sagt sie.

Es bleiben die Momente der Wertschätzung, die Maria Overkämping von den Bewohnern erfährt. Schöne Momente – trotz Corona, Mehrarbeit und einem Weihnachten, das ganz anders war als all die Jahre zuvor.

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