Coronavirus drückt Kraftstoffpreis an der Zapfsäule nur sehr langsam

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Wegen des Coronavirus ist der Rohölpreis fast ins Bodenlose gefallen. Klaus Dicks, Betreiber der freien Tankstelle in Oeding, merkt davon wenig. Er spricht sogar von steigenden Preisen.

Oeding

, 29.04.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist ruhig an der Tankstelle Dicks an der Jakobistraße. Nur wenige Kunden kommen an diesem Nachmittag zum Tanken. „Dabei geht es ja schon wieder“, sagt Klaus Dicks und blickt zwischen den Zapfsäulen hindurch auf die B70: Der Verkehr dort ist zwar längst noch nicht wieder so stark, wie an gewöhnlichen Tagen, hat aber dennoch wieder kräftig zugelegt. „Als die ersten Lockerungen der Vorgaben vor etwas mehr als einer Woche griffen, hat man das auch direkt am Verkehr wieder gemerkt“, sagt er.

In guten Wochen muss er sein Treibstofflager drei- bis viermal wieder füllen lassen. „Im Moment kaufe ich vielleicht einmal pro Woche neuen Sprit“, sagt er. Nach Ostern kam für ihn der große Umsatzeinbruch. „Ich rechne mit 50 bis 60 Prozent Einbußen“, sagt er. Überwiegend lebe er ja von den Niederländern, die zum Tanken über die Grenze kommen.

Kaum noch Kunden aus den Niederlanden

Und von da traute sich bis vor Kurzem anscheinend niemand mehr nach Oeding. „Am Wochenende hat die Straße hier ausgesehen wie zur Ölkrise in den 1970er-Jahren“, sagt er. Damals habe er mitten auf der Straße spielen können. „Und das wäre jetzt auch wieder möglich gewesen“, fügt er lachend hinzu.

Benzin und Diesel sind momentan deutlich günstiger als gewöhnlich. "Der fallende Ölpreis, der gerade Schlagzeilen macht, kommt aber bisher nicht beim Endverbraucher an", erklärt Klaus Dicks, Inhaber der Tankstelle an der Jakobistraße.

Benzin und Diesel sind momentan deutlich günstiger als gewöhnlich. "Der fallende Ölpreis, der gerade Schlagzeilen macht, kommt aber bisher nicht beim Endverbraucher an", erklärt Klaus Dicks, Inhaber der Tankstelle an der Jakobistraße. © Stephan Teine

Das Telefon klingelt. Ein Treibstoffhändler ist dran. Nickend notiert sich Klaus Dicks ein paar Zahlen. Er brummt zustimmend. „Ich dachte das geht weiter runter“, ruft er seinem Händler noch zu. Dann zuckt er mit den Schultern und legt auf. Wieder ist der Treibstoff im Einkauf ein paar Cent teurer geworden. „Wie gesagt, der sinkende Ölpreis kommt hier an der Tanksäule nicht an“, sagt er. Fünf oder sechs Händler hat er in der engeren Auswahl. Bei allen sei es jedoch das gleiche Bild. Steigende Preise.

Rohölpreis macht sich an der Zapfsäule kaum bemerkbar

Und das, wo der Rohölpreis zum Wochenbeginn wieder gefallen ist. „In Rotterdam stehen die Schiffe Schlange und wissen ja gar nicht mehr wohin mit dem Öl“, sagt Klaus Dicks. Kein Wunder: „Die Menschen fahren ja einfach weniger. Das merken wir auch hier“, erklärt er. Diesel beispielsweise werde nach wie vor gefragt. „Allein schon wegen der ganzen Firmenfahrzeuge“, erklärt der Tankstellenbetreiber. Die Nachfrage nach Benzin oder Super sei aber extrem eingebrochen.

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Das werde wohl noch eine ganze Weile so weitergehen. „Der ganze Reiseverkehr wird ja wegfallen“, sagt er. Auch mit den vielen Wohnmobilen, die vor dem Urlaub in Winterswijk noch zum Campingmarkt Obelink fahren und in Oeding tanken, rechnet er in diesem Jahr nicht.

Termine in der Werkstatt

Nebenan in der Werkstatt ist an diesem Nachmittag gerade nichts los. Kein Auto auf der Bühne, keins in der Warteschlange. „Die Werkstatt läuft eigentlich“, sagt Klaus Dicks. Allerdings anders als gewöhnlich. „Die Laufkundschaft fehlt“, erklärt er. Jene Kunden, die einfach vorgefahren kommen und dann dieses oder jenes gemacht haben wollen.

„Die rufen im Moment lieber dreimal vorher an und vereinbaren einen Termin“, erklärt er. Viele hätten jetzt ja auch mehr Zeit. Am Auftragsbuch will er die Corona-Krise jedenfalls noch nicht bemerkt haben. Dennoch muss auch sein Unternehmen sparen. „Wir sind ja ein Familienbetrieb“, erklärt er. Mit seiner Frau Monika teilt er sich gerade die Arbeit. Die vier Aushilfen, die er normalerweise beschäftigt, seien im Moment nur eingeschränkt im Betrieb. Auch mache er momentan früher Feierabend. „Um 18 Uhr kann man ja hier gerade den Bürgersteig hochklappen“, sagt er.

Kunden wollen mehr reden als sonst

Was sich deutlich geändert habe, seien die Kunden selbst: „Sie wollen viel mehr reden als sonst“, erzählt Klaus Dicks. „Teilweise kommen die mit dem Kanister auf dem Fahrrad vorbei, um sich Sprit für den Rasenmäher zu holen“, erzählt er. Und dann wollten sie eben noch reden. „Die sind ja auch froh, mal zuhause rauszukommen“, meint er.

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