Coronavirus: Oedinger produziert am 3D-Drucker Schutzmasken

mlzNetzwerk gegen Virus

Der Oedinger Manfred Kass produziert Schutzmasken gegen eine Infektion mit dem Coronavirus. Zuhause im Keller, am 3D-Drucker. Er ist Teil eines bundesweiten Netzwerks.

Südlohn

, 02.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Manfred Kass aus Oeding ist Teil eines bundesweiten Netzwerks: Zusammen mit tausenden sogenannten Makern produziert er Schutzmasken gegen das Coronavirus in Heimarbeit. Keine Mundschutze, sondern große Visiere auch durchsichtigem Kunststoff, die beispielsweise auf Isolierstationen über dem Mundschutz getragen werden. Auch bei diesen Masken gibt es aktuell einen Mangel.

Im Keller seines Hauses in Oeding steht ein 3D-Drucker. Und der kennt seit knapp einer Woche nur noch eine Aufgabe: Teile für Masken diese Masken drucken.

Simple Konstruktion aus dem 3D-Drucker

Die Konstruktion ist denkbar simpel: Ein Teil aus Kunststoff liegt an der Stirn und wird am Hinterkopf mit einem elastischen Gummi zusammengehalten. Auf mehreren Zapfen wird das durchsichtige Plexiglas- oder Kunststoffvisier eingespannt. Ein weiteres Kunststoffteil aus dem 3D-Drucker stabilisiert das Visier weiter unten. Fertig.

Die Maker – also die Besitzer eines 3D-Druckers – haben sich online organisiert. Es gibt mehrere Gruppen. Beispielsweise die Maker vs. Virus. Auf deren Seite werden Produzenten oder Nutzer der Masken zusammengebracht.

Online hatte Manfred Kass nach Möglichkeiten gesucht, in der Corona-Krise zu helfen. „Irgendwas muss man ja tun“, sagt der 66-Jährige. Erst wollte er Masken nähen. Per Zufall sei er dann in einem Forum auf die Druckvorlagen für die Masken gestoßen.

Drucker ursprünglich als Hobby angeschafft

Den 3D-Drucker hat er seit gut eineinhalb Jahren im Keller stehen. „Normalerweise nutze ich den für allerlei Basteleien“, erklärt der Oedinger. Beispielsweise wenn an einem Gerät im Haushalt ein Plastikbauteil kaputtgegangen ist. „Eben so Kleinigkeiten, die man immer mal braucht“, sagt er.

Kunststoffteile für ein Visier wie dieses, das ein Malteser-Helfer vorführt, laufen aktuell bundesweit aus 3D-Druckern. Manfred Kass aus Oeding beteiligt sich an der Aktion.

Kunststoffteile für ein Visier wie dieses, das ein Malteser-Helfer vorführt, laufen aktuell bundesweit aus 3D-Druckern. Manfred Kass aus Oeding beteiligt sich an der Aktion. © privat

Das Gerät habe er sich ursprünglich als Hobby angeschafft. „Man muss als Rentner ja die Birne frisch halten“, erklärt er und lacht. 40 Jahre war er im Rechenzentrum der Volksbank in Münster tätig. Hatte auch damals privat ein Faible für moderne Technik und Tüfteleien.

Dass er den Drucker einmal mit einem so ernsten Hintergrund benutzen würde, hätte er sich da im Traum noch nicht einfallen lassen.

Vorlagen gibt es online, fertige Teile werden gesammelt

Die Vorlage gab es online. „Die könnte ich auch selbst entwerfen, aber dafür bräuchte ich mehrere Tage“, sagt er. In einem Forum hatten andere Maker diese Formen zur Verfügung gestellt. „Die sind fix und fertig, so dass ich meinen Drucker eigentlich nur einzuschalten brauche“, erklärt er weiter.

Die fertigen Formen schickt er dann an einen Sammelpunkt. Ein sogenanntes Hub. Das nächste liegt in Coesfeld. Bundesweit haben sich mehrere dieser Hubs gebildet um die einzelnen Maker miteinander zu verknüpfen. Sie sammeln die produzierten Formen, setzen sie zusammen und geben die fertigen Masken weiter. „Zum Beispiel an Krankenhäuser oder die Besatzungen von Rettungswagen“, erklärt er.

Und das Material? „Das gibt es kiloweise auf Rollen“, erklärt Manfred Kass. Das koste ein paar Euro und sei nicht der Rede wert.

„Jeder kann mitmachen“

Eins betont er: Er wolle sich nicht in den Vordergrund spielen, sondern schlicht auf das Projekt aufmerksam machen. „Jeder mit so einem Drucker kann helfen“, erklärt er.

Die Produktionsmenge ist noch recht überschaubar. Der Drucker braucht mehrere Stunden, um aus dem Kunststoff die fertigen Plastikteile zu produzieren. „Eine Fuhre dauert ungefähr acht Stunden“, erklärt Manfred Kass. Schneller gehe es einfach nicht.

Allein würde es daher auch nur wenig Sinn machen, die Masken zu produzieren. „Aber man muss ja das ganze Netzwerk sehen. Das sind ja tausende Menschen allein in Deutschland.“ Hochgerechnet komme da eben schon eine Menge zusammen.

Zu der Gruppe haben sich nach eigenen Angaben schon bundesweit über 2000 Maker zusammengeschlossen. Erst am 24. März wurde sie durch eine private Initiative gegründet. Die Mitglieder schätzen, dass sie täglich rund 6000 Masken produzieren können.

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