Der Fachbereich Jugend und Familie des Kreises bietet vielfältige Unterstützung in der Gemeinde

Südlohn Meist gerät das Jugendamt in den Focus, wenn Fälle von Kindstötung oder Verwahrlosung Schlagzeilen machen. Doch wie gestaltet sich die tägliche Arbeit der Mitarbeiter in der Gemeinde? Hierüber sprach Redakteurin Katrin Herbers mit Ruth Rösing, Nebenstellenleiterin des Fachbereichs Jugend und Familie des Kreises in Stadtlohn, und Brigitte Watermeier, Ansprechpartnerin für Südlohn.

04.03.2009, 15:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Fachbereich Jugend und Familie des Kreises bietet vielfältige Unterstützung in der Gemeinde

<p>Eltern müssen heute häufig das Strengsein wieder lernen. Diese Erfahrung machen Ruth Rösing (l.) und Brigitte Watermeier vom Fachbereich Jugend und Familie häufiger.</p>

Wie erfolgt eine Kontaktaufnahme in der Regel?

Wie erfolgt eine Kontaktaufnahme in der Regel?

Watermeier: Teils über Institutionen, die eine Kindeswohlgefährdung sehen. Das ist aber nicht sehr häufig der Fall. Auch wenn wir jeden Anruf ernst nehmen. In weit größerem Teil der Fälle nehmen Eltern mit uns Kontakt auf. Auch Jugendliche melden sich, wenn Punk, also Ärger, zu Hause herrscht. In seltenen Fällen bitten sie auch um eine Inobhutnahme. In den letzten Jahren hat es aber in keiner Familie in Südlohn oder Oeding Veranlassung gegeben, Kinder aus der Familie zu nehmen.

Rösing: Die Öffentlichkeit muss sich lösen von dem vorherrschenden Bild, dass sich meist zwischen den Polen "das Jugendamt reißt Kinder aus Familien" und "das Jugendamt tut nichts" bewegt. Viel unserer Arbeit gerät dabei nicht in den Blick.

In welchen Fällen nehmen Hilfesuchende in Südlohn und Oeding Kontakt mit ihnen auf?

Watermeier: Beispielsweise bei Erziehungsfragen oder Schwierigkeiten in der Schule. Auch über die Schulsozialarbeiterin Marie-Luise Musiol, mit der wir im ständigen Austausch stehen, werden Kontakte geknüpft. Darüber hinaus existiert ein Netzwerk mit Institutionen wie Schulen und Jugendhäusern. Heute treffe ich mich zum Beispiel mit den Jugendhausleitern der Oase und des Tipi, um zu hören, was in Südlohn und Oeding los ist.

Rösing: Wir bieten nicht nur unterstützende Hilfen, sondern auch Trennungs- und Scheidungsberatung. Für manche Eltern ist es schwierig, allein zu Vereinbarungen zu kommen.

Watermeier: Gerade wenn Paarkonflikte da sind, macht es Sinn, dass ein neutraler Dritter dabei ist und hilft, schriftliche Vereinbarungen zu treffen. Schließlich sollen die Eltern schauen, was in dieser Situation für ihr Kind gut ist.

Wie können Sie sonst bei Konflikten helfen?

Watermeier: Wir setzen uns gemeinsam an einen Tisch und überlegen: Was ist los? Wie kann es weiter gehen. Das Spektrum reicht von familienunterstützenden Hilfen über therapeutische Angebote bis zu Projekten für schulmüde Jugendliche. Unser Ziel ist es grundsätzlich, Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten.

Rösing: Es gibt nicht nur ein Angebot für alle Familien. Wir gucken passgenau, was jede braucht.

Worauf sollten Außenstehende achten?

Rösing: Ein Kind hat keine eigene Lösung für Probleme. Jede Auffälligkeit wie Weinen oder Aggressivität hat einen Grund.

Wo stoßen Sie an Grenzen?

Rösing: Wünschenswert wäre, wenn alle Kinder eine optimale Förderung, Erziehung und Zuwendung erhielten. Aber letztlich entscheiden die Eltern. Erst wenn eine Kindeswohlgefährdung, also massive Vernachlässigung oder Misshandlung, vorliegt, kann das Jugendamt eingreifen. Jede Gesellschaft muss damit leben, dass Menschen bestimmte Dinge besser oder schlechter können. Unsere Aufgabe ist es, sie zu unterstützen, dass es den Kindern wieder gut geht.

Was hat sich verändert?

Watermeier: Häufig melden sich Mütter, wo Kinder übermächtig geworden sind.

Rösing: Vor 35 Jahren mussten wir Eltern vermitteln, nicht so streng zu sein. Heute ist es umgekehrt. Jetzt stärken wir die Eltern, Verantwortung für die Erziehung zu übernehmen.

Wie bei der Super-Nanny?

Rösing: Wir machen das aber nicht in eineinhalb Stunden. Das Positive an dem Format ist, dass Menschen sehen, es gibt Lösungen für unlösbar scheinende Familiensituationen.

Watermeier: Anders als bei der Super-Nanny komme ich aber nicht mit fertigen Lösungen zu den Eltern. Ich sage ihnen nicht, wie es geht, sondern suche gemeinsam nach Lösungen.

Was muss gegeben sein, damit Ihre Arbeit Erfolg hat?Rösing: Eins können wir den Familien nicht abnehmen: Die Arbeit an sich selbst. Ein Kind "passend machen", das gibt es nicht. Alle Familienmitglieder müssen bei Problemen bereit sein, sich zu verändern - und das ist harte Arbeit.

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