Diakon schleppt Holzkreuz an Autoschlange vorbei, um an Sinn von Karfreitag zu erinnern

mlzKarfreitag

Karfreitag. Der Tag, an dem Jesus am Kreuz gestorben ist. Und der Tag, an dem viele zum Einkaufen in die Niederlande fahren. Diakon Christoph Hesse wollte mit einer Aktion aufrütteln.

Südlohn

, 19.04.2019, 19:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Guck mal, da läuft Jesus!“ Eine junge Frau deutet aus dem offenen Fenster eines silberfarbenen Kleinbusses mit dem Zeigefinger auf Christoph Hesse. Der schleppt gerade auf dem Radweg zwischen der Tankstelle Dicks und der Ampelkreuzung sein Holzkreuz zur Jakobikirche. Es ist Karfreitag, kurz nach 11 Uhr, und der Fahrzeugstau Richtung Winterswijk vor der Ampelanlage am Ortseingang von Oeding reicht inzwischen bis weit hinter den Gabel-punkt mit der B70.

Christoph Hesse, den alle Einheimischen als Diakon der Kirchengemeinde St. Vitus und St. Jakobus kennen, hat sich da im wahrsten Sinne des Wortes ganz schön etwas aufgeladen: ein massives Holzkreuz, drei Meter hoch, 1,50 Meter breit und stolze 40 Kilo schwer. Und er wird dieses Kreuz irgendwie bis zur Jakobikirche bringen und dort festmachen.

Dumme Kommentare von den Autofahrern

Gerade steht er an der Fußgängerampel und wartet auf das grüne Licht, um die Baumwollstraße zu überqueren. Schweißperlen stehen auf seiner Stirn. „Geht’s einigermaßen?“ – so die Frage. „Drückt ganz schön“, erwidert Christoph Hesse tapfer. Die Autobesatzungen, die parallel unterwegs sind, verdrehen die Hälse. Manche lachen. Einer tippt sich an die Stirn, wie deutlich zu sehen ist.

„Machste einen auf Jesus?“, schreit ein Beifahrer aus dem rollenden Audi mit Recklinghäuser Kennzeichen herüber, als Hesse in Höhe des Kiosks unterwegs ist. Der kommentiert das nicht und schleppt sein Kreuz weiter. Er schleift es eher – zum Tragen ist es viel zu schwer. Sein historisch-göttliches Vorbild hätte damals wohl auch nichts dazu gesagt.

Diakon schleppt Holzkreuz an Autoschlange vorbei, um an Sinn von Karfreitag zu erinnern

Diakon Christoph Hesse wollte ein Zeichen setzen. © Georg Beining

Die Kommentare der meist aus dem Ruhrgebiet angereisten Autofahrer ähneln sich. Einmal findet tatsäch-lich so etwas wie Reflexion statt. Eine Frau auf dem Beifahrersitz meint: „Da schleppt einer ein Kreuz durch die Gegend.“ Der Mann am Steuer erwidert: „Klar, ist doch Karfreitag.“

Der Sinn von Karfreitag

Nach einer halben Stunde ist Christoph Hesse an der Jakobikirche angekommen, nassgeschwitzt aber kaum außer Atem. Er hat von den Kommentaren nicht viel mitbekommen: „Da hat jemand etwa gemurmelt.“ Ihm ist es wichtig, mit dem Kreuz ein Zeichen zu setzen: „Ich glaube, dass Gott sich nicht in die Kirche einsperren lässt. Man kann nicht nur in ihr fromm sein.“ Und Jesus, der habe nicht nur geredet. Der sei immer auch dahin gegangen, wo es am dreckigsten war, wo es wehgetan hat.

„Wir können alles haben, alles machen. Wohlstand ist okay. Aber die Menschen müssen wissen, dass das nicht selbstverständlich ist.“ Deswegen wollte er mit der Aktion die unzähligen Autofahrer, die auf dem Weg zum Einkaufen ins Nachbarland waren, an den Sinn von Karfreitag erinnern.

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