Dialog zwischen Katholiken und Juden lange Zeit gestört

Vortrag in Südlohn

Einen Blick auf den Dialog zwischen Katholiken und Juden warf Kirchenhistoriker Professor Dr. Wim Damberg im Wiegboldsaal.

SÜDLOHN

von Von Georg Beining

, 10.10.2011, 16:02 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Bochumer Kirchenhistoriker Professor Dr. Wim Damberg referierte  vor großem Publikum  im Wiegboldsaal dzum Thema "Die katholische Kirche und die Juden im Dritten Reich".

Der Bochumer Kirchenhistoriker Professor Dr. Wim Damberg referierte vor großem Publikum im Wiegboldsaal dzum Thema "Die katholische Kirche und die Juden im Dritten Reich".

Pater Elpidius Markötter wurde vor 100 Jahren in Südlohn geboren. Er starb am 28. Juni 1942 im Konzentrationslager Dachau, nachdem er am 4. Juni 1940 im Franziskanerkloster Warendorf verhaftet wurde, weil er in einer Predigt in der Klosterkirche das christliche Liebesgebot auch auf die polnischen Zwangsarbeiter und auf die Juden bezogen hatte. Ihm zu Ehren fand am Sonntag in der Vitus-Kirche ein Hochamt statt. Im Anschluss referierte auf Einladung des Heimatvereins im bis auf den letzten Platz gefüllten Wiegboldsaal von Haus Wilmers Wilhelm Damberg, Professor für Kirchengeschichte an der Ruhr-Universität Bochum und Vorsitzender der Wissenschaftlichen Kommission für Zeitgeschichte in Bonn, zum Thema „Die katholische Kirche und die Juden im Dritten Reich“. Das Leben und Sterben des Südlohner Franziskanerpaters war eng mit dem Spannungs- und Konfliktverhältnis zwischen Staat, Juden und der Katholischen Kirche verknüpft, wie Damberg ausführte. „Jesus war ein Jude!“ – dieses Urteil habe lange Zeit das Zusammenleben von Katholiken und Juden vergiftet und noch zum Ende des 19. Jahrhunderts zu einem theologisch geprägten Anti-Judaismus in der Katholischen Kirche beigetragen. Dazu kam das Vorurteil, die Juden seien Schuld am Tod Christi gewesen – mit der Konsequenz, dass man das Juden-tum für blind gegenüber der wahren Heilslehre hielt. Dieser eher traditionelle religiös geprägte Anti-Judaismus wurde zu Beginn des national-sozialistischen Einflusses in Deutschland abgelöst und verdrängt durch einen Antisemitismus, der rassistisch geprägt war und auf einer darwinistischen Haltung beruhte. Die Katholische Kirche habe sich mit diesem rassistischen Antisemitismus stets schwer getan, so Damberg, und ihn nie anerkannt. Elpidius Markötter, seinerzeit Franziskanerpater in Warendorf, hatte am 26. Mai 1940 in seiner Predigt ausdrücklich die jüdischen Mitbürger in das Liebesgebot mit eingeschlossen. Er hatte sich stets darauf verlassen, dass die Katholische Kirche den rassistischen Antisemitismus ablehnte. Dennoch wurde er denunziert, inhaftiert und verstarb schließlich im Lager Dachau bei München.

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