Diese Mehrfamilienhäuser passen nicht zum dörflichen Charakter von Südlohn – sagt der Rat

mlzHaus der Vereine

Das Haus Terhedebrügge ist abgerissen, die Bäume sind gefällt. Vier neue Wohnhäuser sollen dort entstehen. Doch im Rat kam die bisherige Planung nicht gut weg. Der Investor muss nachbessern.

Südlohn

, 14.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im vergangenen Januar hatten Investoren, Architekt und Immobilienmakler das Projekt am Haus der Vereine vorgestellt. Klare Aussage damals: Die Politik muss nicht eingebunden werden, weil sich die geplanten Häuser in die weitere Bebauung einfügen.

Das sieht der Kreis Borken als Bauordnungsbehörde anders. Ein entsprechender Bebauungsplan ist für die Gebäude sehr wohl nötig. Und darum ging es am Mittwoch im Südlohner Rat.

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Rita Penno (SPD) reagierte zunächst irriert: „Ich bin schon erstaunt über die Reihenfolge“, sagte sie. Aus der Zeitung habe sie erfahren, was dort geplant sei. Jetzt, Wochen später solle sie dennoch einen Beschluss fassen? Das hätte man anders herum regeln müssen. „Und dann hätten wir auch vielleicht ein paar der Bäume in den Bebauungsplan aufnehmen und retten können“, sagte sie.

Südlohn soll nicht aussehen wie Bottrop

Sehr deutlich wurde auch Hermann-Josef Frieling (CDU): Südlohn solle schließlich am Ende nicht aussehen wie Bottrop. Das Grundstück sei eindeutig prägend für den Ortsteil. Und daher müsse auch die Politik darüber beraten. Im Zweifel müsse sich die Gemeinde sogar noch Beratung bei der Bezirksregierung holen. Dort gebe es entsprechende Stellen, an die man sich wenden könne. Auch könne keine Rede davon sein, dass der Plan mit den Nachbarn abgestimmt sei. Auch das hatten die Investoren bei der ersten Vorstellung des Projekts anders dargestellt.

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„Die Beratung brauchen wir dringend. Wir wollen ja ein Einvernehmen im Guten mit dem Investor erzielen“, sagte Hermann-Josef Frieling.

„Klötze“ die in jeder Stadt gerade gebaut werden

Barbara Seidensticker-Beining (SPD) ließ an den geplanten Gebäuden wenig Gutes: „Das hat nichts mehr mit dörflichem Charakter zu tun.“ Sie sprach von simplen Kisten, die aktuell in vielen Städten und Gemeinden gebaut werden und einander gleichen. Davon abgesehen gehe es bei den geplanten Gebäuden wieder um hochpreisige Eigentumswohnungen. „Das ist nicht das, was wir an Wohnraum in der Gemeinde fördern wollen“, sagte sie. Für die SPD macht sie sich in der Gemeinde für bezahlbaren oder auch öffentlich geförderte Wohnungen stark.

Maik van de Sand, fraktionsloses Ratsmitglied, brachte sogar die Frage auf, warum die Gemeinde bei diesem so wichtigen Grundstück nicht sogar von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht habe. Bei diesem Gedanken wurde er aber von Bauamtsleiter Dirk Vahlmann schnell wieder eingefangen: „Die Gemeinde kann nicht willkürlich ein Vorkaufsrecht ziehen, sondern muss sich da an enge Vorgaben halten, die hier nicht vorlagen“, erklärte Vahlmann.

„Am Ende hat der Rat den Hut auf“, räumte Christian Vedder ein.

Der Investor soll seine Planung nun noch einmal überarbeiten und dem dörflichen Charakter anpassen. Dann soll er sie im Rat vorstellen. Und dann werde die Politik darüber entscheiden. Diesen Beschluss fasste der Rat einstimmig.

Neuer Anlauf für Planung ist keine Rolle rückwärts

Bürgermeister Christian Vedder sieht diese neue Planung nicht unbedingt als „Rolle rückwärts“. Auch wenn nach der ersten Einschätzung kein Bebauungsplan nötig gewesen ist, es sei ja nur eine erste Einschätzung gewesen. „Ich habe den Investoren frühzeitig gesagt, dass sie sich an den Kreis wenden sollen“, sagt er.

Die geplanten Gebäude seien mit dem bestehenden Gebäude der Caritas ja durchaus vergleichbar. „Klar ist aber auch, dass das eine andere Hausnummer ist, wenn man gleich vier Gebäude dort baut“, sagt er.

Und der Kreis Borken habe sich eben damit schwer getan, die Planung so zu akzeptieren. Bei der Entscheidung gehe es ja auch nicht um gestalterische oder optische, sondern um ganz klar juristische Fragen. Es gebe nun die Erfordernis für eine Planung und die müsse erfüllt werden.

Der Vorteil: „Die Politik kann nun mitsteuern“, so Christian Vedder.

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