Dieter Doods (53) hätte den Kampf gegen das Coronavirus fast verloren

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Familie Doods aus Südlohn hatte das Coronavirus. Mittlerweile sind vier von fünf Familienmitgliedern negativ getestet. Um das Leben von Dieter Doods (53) musste die Familie bangen.

Südlohn

, 01.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

26 Infektionen mit dem Coronavirus hat es bisher in Südlohn und Oeding gegeben, Stand Mittwoch, 0 Uhr. 18 Menschen sind inzwischen wieder gesund, eine Person ist gestorben. Was hinter diesen nüchternen Zahlen steckt, verrät die Statistik vom Kreis Borken nicht.

Familie Doods ist so ein Schicksal. Dieter und Sandra Doods sowie ihre drei Töchter Pia (23), Emily (19) und Katie (10) hatten sich mit dem Virus infiziert. Vier von ihnen haben die Erkrankung inzwischen überstanden.

„Doch das möchte ich nicht noch einmal durchmachen“, sagt Sandra Doods (49) am Mittwochmittag. Da ist nur noch die 19-jährige Tochter Emily Corona-positiv. Sie muss weiter in Quarantäne bleiben, obwohl sie so gut wie keine Symptome hat.

Vier von fünf Familienmitgliedern sind inzwischen negativ getestet

Alle anderen Familienmitglieder sind wieder gesund. Weil ihre Tests negativ sind, können sie das Virus auch nicht mehr weitergeben. Nach aktuellem Stand gehen Virologen, Gesundheits- und Ordnungsamt auch davon aus, dass sie sich nicht erneut anstecken können. Die Quarantäne der vier Familienmitglieder wurde aufgehoben.

Bei den vier Frauen verlief die Infektion fast ohne Beschwerden. „Grippesymptome höchstens“, sagt Sandra Doods. Sie berichtet von Schüttelfrost, Kopfschmerzen und ein wenig Fieber.

Dieter Doods erleidet einen schweren Verlauf

Bei Dieter Doods (53) verlief die Krankheit deutlich schwerer. Mehrere Tage lag er im Krankenhaus, wurde mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt. Die Familie bangte zwischendurch um sein Leben. „Einmal hat nachts mein Telefon geklingelt“, erzählt Sandra Doods. Da habe sie mit dem Schlimmsten gerechnet. Es war am Ende nur eine Kollegin, doch der Schock saß tief.

Dieter Doods im Ahauser Krankenhaus. Mehrere Tage wurde er dort mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt. Durch das Coronavirus hatte er sich eine schwere Lungenentzündung zugezogen. Mittlerweile sind die Tests auf das Virus bei ihm negativ.

Dieter Doods im Ahauser Krankenhaus. Mehrere Tage wurde er dort mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt. Durch das Coronavirus hatte er sich eine schwere Lungenentzündung zugezogen. Mittlerweile sind die Tests auf das Virus bei ihm negativ. © privat

Dieter Doods ist wegen eines Rückenleidens auf schwere Schmerzmedikamente angewiesen. Ob deswegen die Krankheit bei ihm schwerer als bei den anderen Familienmitgliedern verlief – Familie Doods weiß es nicht. Jedenfalls bekam er nach wenigen Tagen mit grippeähnlichen Symptomen plötzlich Luftnot. „Das war als hätte man erst einen Schalter umgelegt und mir dann plötzlich die Beine unter dem Hintern weggetreten“, erklärt Dieter Doods. Der alarmierte Rettungsdienst ging da zunächst noch von einem einfachen Infekt aus.

Zustand verschlechterte sich stündlich

Dieter Doods kam ins Stadtlohner Krankenhaus. Dort wurde er dann positiv auf das Coronavirus getestet, ins Ahauser Krankenhaus verlegt und dort mit Sauerstoff versorgt. „Dann ging es ganz schnell. Sein Zustand wurde fast stündlich schlechter“, berichtet Sandra Doods. Bei ihm wurde eine fortgeschrittene Lungenentzündung festgestellt.

Fünf Tage lang war sein Zustand extrem kritisch. „Das haben selbst die Ärzte gesagt“, erklärt Sandra Doods. In der Zwischenzeit wurden auch die anderen Familienmitglieder auf das Virus getestet. Bis auf Emily war der Test bei allen positiv. „Wir wurden unter Quarantäne gestellt“, erzählt Sandra Doods. Das Schlimmste für sie: „Ich habe mir solche Sorgen um meinen Mann gemacht, konnte aber nicht zu ihm und bei ihm sein“, sagt sie.

Nur kurze Gespräche via Whatsapp waren möglich

Der einzige Kontakt waren Nachrichten und Videoanrufe per Whatsapp. „Die dauerten aber immer nur maximal eine Minute, danach war ich so außer Atem, dass wir auflegen mussten“, sagt Dieter Doods. Mehrfach habe er im Krankenhaus bitterlich geweint. „Ich wusste ja auch nicht, wie es weiter geht“, sagt er. Ärzte hätten ihm auch gesagt, dass sein Zustand noch kritischer geworden wäre, wenn bis zu seiner Einlieferung nur ein halber Tag mehr vergangen wäre.

Zigfach habe er wegen seines Rückenleidens im Krankenhaus gelegen. 30 Mal sei er operiert worden. „Das war nie annähernd so schlimm wie diese Tage im Krankenhaus“, erklärt er.

Nach negativem Test direkt nach Hause

Während es Dieter Doods im Krankenhaus immer schlechter ging, besserte sich die Situation der Frauen der Familie. „Uns ging es schon wieder richtig gut. Das hat es aber umso schwerer gemacht“, schildert Sandra Doods. Nach fünf Tagen besserte sich auch Dieter Doods’ Zustand. Ein erneuter Test auf das Virus verlief negativ. „Dann kam er direkt nach Hause“, erzählt sie weiter.

Natürlich habe sie sich gefreut, gleichzeitig sei die Familie aber auch ein Stück geschockt gewesen: „Gerade noch lag er an der Sauerstoffversorgung und jetzt kam er plötzlich nach Hause“, sagt sie. Das ist jetzt etwas mehr als zweieinhalb Wochen her. Für Dieter Doods geht es seitdem langsam bergauf.

Schweißgebadet nach einer kurzen Runde mit dem Hund

Wirklich fit ist er zwar noch nicht. „Nach einer ganz kurzen Runde mit dem Hund bin ich schweißgebadet und völlig fertig“, sagt er. Auch während des Gesprächs im Wohnzimmer der Familie muss er sich zwischendurch hinlegen. „Man fühlt sich wie ein Hundertjähriger“, sagt er und entschuldigt sich.

Den übrigen Familienmitgliedern geht es zwar besser, aber sie spüren ebenfalls noch die Folgen der Infektion. „Treppensteigen fällt uns allen noch sehr schwer“, erklärt Sandra Doods. Erst nach einigen Atemzügen am oberen Treppenabsatz gehe es wieder etwas besser.

Aber die Testergebnisse von vier Familienmitgliedern bleiben negativ. Nur um die 19-jährige Emily machen sie sich noch Sorgen. „Etwas anders als abwarten bleibt uns nicht übrig“, erklärt Dieter Doods trotzig.

Sandra Doods sieht Lockerung skeptisch

Nach den Erlebnissen mit der tückischen Krankheit sieht Sandra Doods die Lockerung der Vorsichtsmaßnahmen in der Öffentlichkeit sehr kritisch. Bei allem Verständnis für Unternehmer oder dem Wunsch nach etwas Normalität im öffentlichen Leben: „Das ist sehr gefährlich“, erklärt sie. „Die Menschen unterschätzen die Krankheit immer noch. Und das wird dadurch, dass man jetzt wieder in die Öffentlichkeit darf, nur noch schlimmer“, sagt sie. Nicht vorstellen mag die Erzieherin sich, was passiert, wenn Schulen und Kindergärten wieder öffnen würden.

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Wie das Virus überhaupt in die Familie kam? Familie Doods kann nur raten. Besonders tückisch sind in ihren Augen die milden Verläufe der Infektion. „Wäre mein Mann nicht ins Krankenhaus gekommen, wären wir alle nicht getestet worden. Und wir hätten nie gedacht, dass wir das Virus haben“, sagt sie. Deswegen will sie eindringlich vor der Infektion warnen.

Quarantäne gut überstanden und enger zusammengerückt

Die Quarantäne habe die Familie gut überstanden. „Wir sind noch enger zusammengerückt“, sagt Sandra Doods. Man beschäftige sich eben irgendwie: mit Bastelarbeiten, Kochen oder Hundetraining im Garten. Der Lagerkoller blieb jedenfalls aus.

Inzwischen bewegen sich die Reaktionen der Südlohner zwischen Freude und Berührungsängsten. „Viele haben uns gesagt, wie froh sie sind, uns wiederzusehen“, erzählt sie. Andere, die von der Infektion wissen, würden eher zurückweichen. „Die machen sich wohl Sorgen, dass sie sich anstecken.“ Das merke sie beim Einkaufen. Doch sie bekräftigt noch einmal, dass sie laut Gesundheitsamt die Krankheit nicht mehr übertragen können.

Riesige Dankbarkeit für Hilfsbereitschaft

Die Hilfsbereitschaft während der Quarantäne sei enorm gewesen. Lebensmittel bekam die Familie durch die Eltern von Sandra Doods, die im Erdgeschoss des Hauses leben. Und von Freundinnen der Töchter. Zu Ostern gab es sogar kleine Geschenke. „Das konnte natürlich nur unten auf der Treppe abgelegt werden“, erzählt Sandra Doods. Auch Gespräche mit den Nachbarn seien nur aus dem ersten Stock möglich gewesen. „Mit meinen Eltern haben wir nur durch eine Glasscheibe gesprochen“, sagt sie. Zum Glück hätten die sich nicht infiziert. „Die sind schließlich schon über 70“, sagt sie.

Jetzt muss nur noch die mittlere Tochter negativ getestet werden.

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