Donovan aus Südlohn auf den Spuren seines Namensgebers

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Wenn ein Kind den Vornamen Donovan bekommt, wird ihm schon die Zukunft in die Wiege gelegt. Kein Wunder, dass für Donovan Wilmer van Waard (35) aus Südlohn Musik eine Lebensrolle spielt.

Südlohn

, 27.04.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vor einigen Wochen erst stand der junge Niederländer in Steinfurt bei der „Symphonic Rock Night“ auf der Bühne und wurde umjubelt. Einige unter den Hunderten von Besuchern bei den insgesamt drei (ausverkauften) Vorstellungen waren eigens wegen ihm gekommen. Auch die große Bühne hat er schon betreten, war 2012 unter den letzten 16 bei der Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“.

Von Kindheit an war Musik im Spiel

Aber der Reihe nach: Donovan, der Popbarde der 1960er-Jahre, war der musikalische Held der Flower-Power-Generation. Und der von Donovan van Waards Eltern, die einem ihrer drei Söhne den Namen ihres Idols geben. Der Vater, selbstständiger Dachdecker, die Mutter, aus Indonesien stammend, kümmerte sich um Haushalt, Kinder und half ihrem Mann im Geschäft.

„Meine Eltern lieben Musik, bei uns lief sie den ganzen Tag“, erzählt Donovan von seiner Kindheit und Jugend. Bei uns – das ist Enschede. Hier wächst Donovan auf, macht eine Ausbildung zum Friseur, nimmt verschiedene Jobs an, unter anderem in einer Autowaschstraße. Dort hätte er gerne weitergearbeitet, wäre der Betrieb nicht im vergangenen Jahr abgebrannt.

Südlohn ist seit 2013 sein Zuhause

Seitdem arbeitet er als Lagerist beim Unternehmen Bierbaum in Borken. Dort ist auch Michael Wilmer aus Stadtlohn als Disponent tätig, sein Ehemann, dessen Namen er trägt und mit dem er gemeinsam 2013 sein Zuhause in Südlohn bezogen hat. So weit das bürgerliche Leben des Donovan Wilmer van Waard.

Donovan aus Südlohn auf den Spuren seines Namensgebers

Donovan Wilmer van Waard privat auf der Terrasse seines Hauses in Südlohn. © Christiane Hildebrand-Stubbe

Daneben gibt es aber noch dieses andere, das Leben mit und für die Musik. Während sein älterer Bruder Joshua (39) als DJ Hip-Hop und sein Vater Country-Musik bevorzugt, liebt Donovan Pop-Musik wie seine Mutter. Und Musicals. „Ich konnte schon früh alle Lieder der Disney-Filme mitsingen“, erinnert er sich. Nach „positiven Reaktionen“ auf einen Auftritt in der Schule und erst recht, als er „Miss Saigon“ hört, weiß er, dass Musik zu ihm gehört: „Ich wusste sofort, das ist meine Welt.“

Erste Schritte auf der Musical-Bühne

Mit 17 bekommt er Gesangsunterricht in der Musikschule in Enschede. Irgendwann aber merkt er, dass ihm das Üben allein nicht mehr reicht: „Es musste was passieren.“ Er schließt sich einem Musical-Ensemble an, wird für die Hauptrolle in „Metropolis“ gebucht. Mitten in den Proben aber schmeißt der Regisseur hin. Aus der Traum! Aber es geht weiter.

Nächste Stationen sind Auftritte bei „De Jantjes“, einem populären holländischen Musical über Matrosen in Niederländisch-Indien. Als einer der „Theaterobers“ gehört er zum Team der singenden Kellner von Enschede, die auf Festen aller Art sowie bei Dinnershows zu erleben sind und fest zur Kulturszene der Stadt gehören.

Dem Format bleibt er auch treu, als er 2008 zur „Rock Night“ nach Nordhorn gerufen wird, weil deren Sänger erkrankt ist. Er bleibt dort fünf Jahre. 2011 folgt dann die erste Symphonic Rock Night in Steinfurt, zu deren Ensemble er bis heute gehört und bereits für die kommende Veranstaltung im nächsten Jahr fest eingeplant ist. In diesem Jahr wurde er unter anderem für seine „Bohemian Rhapsody“ in der Rolle des legendären Freddie Mercury begeistert beklatscht.

Donovan aus Südlohn auf den Spuren seines Namensgebers

Musikalisches Quartett: Donovan mit seinen Sänger-Kollegen bei der Steinfurter Symphonic Rock Night 2019. © Martin Fahlbusch

Lob vom musikalischen Leiter

Michael Gantke, musikalischer Leiter der Steinfurter Rock Nights, ist angetan vom Talent seines Ensemble-Mitglieds: „Er steht seit vielen Jahren auf der Bühne und fühlt sich in den meisten Musikgenres zu Hause. Ob Pop, Rock, Jazz oder Musical.“ Der Musikfachmann vom Kulturforum Steinfurt geht mit seinem Lob sogar noch weiter: „Mit seiner ausdrucksstarken Stimme und einer brillanten Gesangstechnik interpretiert Donovan Wilmer van Waard bekannte Welthits und begeistert die Zuhörer dabei auch durch seine Bühnenpräsenz. Ein Sänger, der die Lieder, die er singt, lebt.“ Und Donovan schwärmt von der „tollen Zusammenarbeit“, dem „Klima“ bei der Steinfurter Produktion.

Der Traum von der Karriere und Realitäten

„Ich muss mich wohlfühlen, ich mache Musik nicht wegen des Geldes“, sagt er. Dass dieser Anspruch nicht in jedem Fall mit den Realitäten des Musik-Business’ („eine schwierige Welt“) vereinbar ist, weiß er. Doch reizt es ihn immer wieder, irgendwann seinen Traum von einer großen Musical-Produktion leben zu können. Deshalb nimmt er immer wieder an Castings teil, war erfolgreicher Kandidat bei DSDS, war beim holländischen X-Faktor präsent und ringt jetzt damit, sich bei „The Voice“ zu bewerben.

Ganz ohne Instrument und Notenkenntnisse

Und das alles als Autodidakt: „Ich spiele kein Instrument und kann auch keine Noten lesen.“ Einen Gesangslehrer hat er aktuell auch nicht. Seine gesangliche „Aus- und Weiterbildung“ nimmt er selbst in die Hand. Youtube, wo er auch einen eigenen Kanal betreibt, unterstützt ihn dabei. Durch das Musical „Wicked“ zum Beispiel habe er viel für seinen eigenen Gesang gelernt und sich deutlich verbessern können.

Unterstützt wird er bei seinen musikalischen Ambitionen von Ehemann Michael. Allerdings sei das auch nicht die ganze Welt, das Familienleben habe für beide einen enormen Stellenwert. Dass er mal Songs vom „echten“ Donovan interpretieren wird, steht bislang aber nicht auf seiner Agenda.

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