Drei Studentinnen als Botschafter zwischen Welten

Missionare auf Zeit

Mitte Juli, Dunkelheit, mehrere tausend Meter über dem Meeresspiegel auf dem Weg nach São Paolo: Für die 18-Jährige Vredenerin Vicky Mümken war die Reise nach Brasilien ein großer Schritt. Ein halbes Jahr wohnt sie in einem Konvent der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen Louisa Wigbels (Alstätte) und Nina Jödden (Südlohn).

SÜDLOHN

von von Anne Rensing

, 10.12.2016, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Palmen, dicht gedrängter Verkehr, unzählige kleine, dicht aneinandergereihte Häuser und Hütten, Orangen und Bananen. Das sind ihre ersten Eindrücke von der zunächst fremden Umgebung. Vicky Mümkens neues Zuhause, die Gemeinde Leme, liegt etwa 170 Kilometer nördlich von São Paolo und damit 9445 Kilometer von daheim entfernt. "Wir verlassen für ein halbes Jahr das gewohnte Umfeld und tauchen in eine ganz neue Welt ein, in der die Not größer ist als in Deutschland", erklärt sie.

"Lasst uns Spinner, Träumer, Botschafter sein für dieses Land, für diese Welt, und glauben und hoffen, dass diese Version das Leben in die Zukunft trägt." Mit diesem Leitspruch wurden die so genannten MAZ-ler, also Missionare auf Zeit, auf ihre Arbeit in den unterschiedlichen Einsatzländern vorbereitet. "Fast jeden Tag fahren wir mit dem Fahrrad zum Stadtrand", erklärt Nina Jödden. Neben den Familienbesuchen helfen die taufrischen Missionarinnen bei einem Kinder- und Jugendtreff im Armenviertel.

Kinder- und Jugendarbeit

Außerdem gehen sie gemeinsam zum "Capoeira", einer Art brasilianischem Kampftanz. "Wir werden nicht selten durch Umarmungen und Wangenküsse begrüßt", beschreibt Louisa Wigbels die aufgeschlossene Mentalität der Brasilianer. Seit nunmehr vier Monaten ist es die Aufgabe der drei jungen Frauen, Familien am Existenzlimit zu unterstützen, insbesondere in der Kinder- und Jugendarbeit. "Der Stadtrand ist keine zehn Kilometer von der schönen Seite Lemes entfernt", schildert Nina Jödden. "Und trotzdem wissen die meisten Menschen aus dem Zentrum nicht einmal, wie es am Stadtrand aussieht. Die zwei unterschiedlichen Welten wissen zwar voneinander, treffen sich aber nicht." Jede Woche besuchen die jungen Frauen einen siebenjährigen Jungen mit Behinderung. Außerdem besuchen sie regelmäßig ein zwölfjähriges Mädchen mit Krebsdiagnose.

"Die Jugend bilden, die Armen unterstützen und nach Kräften Not lindern." Das Leitmotiv der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel versuchen die Ordensschwestern seit über 50 Jahren in Leme umzusetzen. "Das niedrige Bildungsniveau hat mich zu Anfang stutzig gemacht", sagt Vicky Mümken. "In einem Bastelkurs, den ich begleite, wissen manche Kinder nicht, wie alt sie sind. Viele von ihnen können auch ihren Namen nicht schreiben."

Niedriges Bildungsniveau

Vor vielen Jahren habe das große Arbeitsangebot auf den Orangen-, Zuckerrohr- und Baumwollplantagen viele Menschen nach Leme gelockt. Seit einiger Zeit gestalte sich der Arbeitsmarkt jedoch schwierig, unter anderem aufgrund eines Pestizidbefalls sowie mangels Regen.

Die drei jungen Frauen wollten nach ihrem Abitur verreisen, aber nicht nur Touristen sein. "Es war mir sehr wichtig, nicht einfach nur das Land kennenzulernen und zu reisen, sondern wirklich mitzubekommen, wie die Menschen hier leben", erklärt Nina Jödden.

Das Projekt kann unterstützt werden: Louisa Wigbels hat ein Spendenkonto bei der Sparkasse Westmünsterland eingerichtet, Verwendungszweck "Sozialarbeit Brasilien". Mehr Infos auch im Internet. www.brasil-vln-maz.jimdo.com

 

 

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