Durch eine neue Brücke wird niemand zusätzlich auf das Fahrrad steigen

mlzKlare Kante

Zur Planung, eine neue Brücke in Oeding über die Schlinge zu bauen, lesen Sie hier einen Kommentar

Südlohn

, 28.02.2020, 13:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Anliegen der 45 Bewohner des Neubaugebietes Burloer Straße-West kann ich verstehen. Würde ich dort bauen und hätte man mir vor Jahren versprochen, dass eine Brücke für Radfahrer kommt, ich würde dieses Versprechen auch einfordern.

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Aber – und das ist mein Vorteil: Mir wurde nichts versprochen, ich baue dort nicht und blicke auf die gesamte Situation durch die „Ahauser Brille“... also mit einigen Kilometern Abstand.

Kurz zur Faktenlage

  • Eine kurze, durchaus wünschenswerte Brücke darf neben der Jakobihalle nicht gebaut werden, weil die Fläche im Überschwemmungsgebiet liegt. Ob das dem Oberradfahrbeauftragten im Bauausschuss nun passt oder nicht.
  • Eine längere – hochwassersichere – Radwegbrücke an dieser Stelle schlägt mal eben mit „grob geschätzten“ 525.000 Euro zu Buche.
  • Die Straßenbrücke wird auf Dauer so oder so gebaut. Im Zweifel samt Fuß- und Radweg.
  • Die nächsten Brücken für Radfahrer und Fußgänger liegen im Westen rund 330 Meter im Osten rund 500 Meter von der geplanten Stelle entfernt.

Das ist sogar für den Vorsitzenden im Bauausschuss bedenklich nah. Genau so nah, dass er befürchtete, Fußgänger und Radfahrer würden die geplante neue Brücke gar nicht benutzen, wenn man sie in diese oder jene Richtung verschieben würde.

Ein Rechenspiel

Doch worüber sprechen wir? Führe ich auf meinem Fahrrad sehr langsam, sagen wir mit 12 km/h (also so, dass man beinahe umkippt), hätte ich die Strecke von der geplanten neuen Brücke nach Westen zur Schüringsbrücke in ungefähr eineinhalb Minuten hinter mich gebracht. Zur nächsten Brücke im Osten dauert es minimal länger. Zu Fuß – bitte folgen Sie mir gedanklich im Dreisatz – nehme ich drei Kilometer pro Stunde an. Auch das ein eher gemächliches Tempo. Bis zur Brücke bräuchte ich so um die sechs Minuten. Und dafür wird eine neue Brücke geplant? Ernsthaft? So leid es mir für die Anwohner südlich der Schlinge tut: Eine eigene Brücke an dieser Stelle ergibt einfach keinen Sinn.

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Die Totschlag-Argumente

  • „Autofahrer sollen öfter auf das Fahrrad umsteigen.“

    Wer bei den Entfernungen in Oeding mit dem Auto zum Supermarkt, zur Schule, zum Sportplatz oder zu Bekannten im nächsten Wohngebiet fährt, der hat entweder einen guten Grund oder ihm ist auch mit noch so angenehm geführten Radwegen nicht mehr zu helfen.
  • „Der Verkehr in Oeding ist gefährlich. Die Radfahrer müssen geschützt werden.“

    Der meiste Verkehr dreht sich rund um die Winterswyker Straße. Daran wird sich so lange nichts ändern, bis die Ortsumgehung kommt. Und die Mühlenstraße – hier kommt wieder der Blick mit Abstand ins Spiel – ist im Vergleich zu anderen Straßen doch eher ein Sträßchen.
  • „Wir beantragen Fördermittel, deswegen betrifft das unseren Haushalt ja gar nicht.“

    Auch Fördermittel sind Steuergelder. Auch bei diesen Geldern darf man schon einmal fragen, ob man das Geld wirklich auf Biegen und Brechen ausgeben muss. Nur weil man reflexartig nach Fördergeldern keschert, wird ein Projekt nicht sinnvoller.

Aber vielleicht kann man das Ganze ja aus dem Tourismus querfinanzieren: Statt „Südlohn und Oeding gemeinsam aktiv“ könnte mit entsprechendem Aufwand aus Oeding auch das „Venedig des Münsterlands“ werden. Ein toller Slogan für einen Werbeflyer. Ideen für ein paar Brücken hätte ich noch...

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