Ein Mann der Beständigkeit

Alfred Wehr

Alfred Wehr ist ein treuer Mensch. Und das lässt sich auch mit Zahlen belegen: 70 Jahre SC Südlohn, 60 Jahre Feuerwehr, 32 Jahre im Dienst der Gemeinde, 54 Jahre Ehemann. Anlass zu einem kleinen Rückblick auf die Eckpfeiler eines 84-jährigen Lebens.

SÜDLOHN

, 29.04.2016, 18:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Leben, das Alfred Wehr selbst als ein sehr erfülltes bezeichnet: "Weil meine Frau Edeltraud und ich zusammen sind, es uns gesundheitlich gut geht, und wir eine schöne Rente haben." Wehr ist ein zufriedener Mensch. Und das, obgleich er auch immer wieder schwere Zeiten und Erlebnisse verkraften musste - privat und beruflich.

Schwerer Start

Geboren 1932 erlebte er nicht nur als Kind die Kriegsjahre mit, sondern auch die Probleme danach, den Wiederaufbau, den Vater als Spätheimkehrer und die schwierige Situation im elterlichen Dachdeckerbetrieb. Zeiten, in denen er zusammen mit der Mutter und seinen Geschwistern so manchen Stein geklopft hat und viele Entbehrungen hinnehmen musste.

Gleichzeitig aber war die Nachkriegszeit auch der Start in die sportliche Karriere des Alfred Wehr: "Es gab ja sonst nichts an Freizeitaktivitäten außer Fußball." So wurde aus dem bekennenden Schalke-Fan bereits 1946 ein Aktiver auf dem Feld des SC, damals noch der Sportplatz bei der Firma Terhürne an der Ramsdorfer Straße. Hier eiferte der junge Kicker seinen Idolen Szepan, Kutzora und Co. nach. Zuerst als Kicker der A-Jugend, dann als Torwart der ersten Mannschaft auf den Spuren eines Toni Turek. Mit ihm im Tor holte der SC Südlohn 1957 die Meisterschaft in der Kreisklasse. Nach einem spektakulären Endspiel gegen Union Wessum und einem anfänglichen 0:2-Rückstand.

1964 aber zog ein ausgekugelter Arm einen Schlussstrich unter Wehrs sportliche Karriere. Er wechselte die Seiten, wurde Linienrichter, Trainer und Betreuer, Platzwart und übernahm zahlreiche Funktionen im Verein. Zuerst als "Torwart-Legende" gefeiert, war Alfred Wehr auch anschließend so etwas wie ein bunter Hund in Südlohn und Umgebung. Ihn kannten die meisten und er sie auch: "Es gab Zeiten, da kannte ich sie alle bis zum Alter von zehn Jahren etwa."

Ein "bunter Hund"

Zum Bekanntheitsgrad trug sicher auch Wehrs weiteres Aktionsfeld bei, die Feuerwehr Südlohn-Oeding. Durch das privaten Erleben eines Brands war er bereits als 23-Jähriger dazugestoßen und hatte es schließlich zum Gemeindebrandmeister gebracht. Die Arbeit in der Wehr entspricht sicher seinem Naturell, helfen zu wollen, brachte ihn aber auch an Grenzen. Allein 50 Tote hat er im Dienst erleben müssen. Bewegt erzählt er noch heute von so schlimmen Ereignissen, als ein Bauer und seine vermeintlichen Retter (Ehefrau, Sohn und Nachbarn) alle in der Güllegrube zu Tode kamen. Oder davon, dass eine Mutter und ihre zwei Kinder der Brandstiftung einer Eisdiele zum Opfer fielen. "Mit solchen Geschehnissen musste damals dann jeder alleine fertig werden", sagt Wehr. Ehefrau Edeltraud wurde zur Krisenmanagerin, mit ihr konnte er sich über solche Schrecklichkeiten austauschen.

Beruflich hatte der gelernte Dachdecker sich früh für einen Wechsel vom elterlichen Betrieb zur Gemeinde entschieden. Er erinnert sich an die Zeit der Entscheidung: "Es war der harte Winter 62/63, es gab keine Arbeit und ich saß zu Hause, sollte mit 56 Mark Stempelgeld in der Woche auskommen." Seit 1995 ist der ehemalige Bauhofleiter in Rente.

Kein Ruhestand

Arbeitslos ist er aber noch lange nicht, hilft wo er kann. Ob als Ehrenmitglied im Verein, bei der Alters- und Ehrenabteilung der Wehr oder handwerklich im Bekannten kreis. Auf dem Sportplatz aber sieht man ihn nur selten. "Meine Familie musste so lange auf mich verzichten, diese Jahre gehören jetzt ihr", sagt der Ehemann, Vater zweier Töchter und Großvater. Große Wünsche für die Zukunft hat er keine: "Dass es ein Jahr weiter geht - gesund, und das wir zusammen sind."

Und noch eine weitere Zahl charakterisiert Wehrs Beständigkeit: "Seit 34 Jahren ist Südtirol das Reiseziel".

 

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