Bis Südlohn und Oeding bin ich am Montagvormittag gefahren. Dort angekommen blickt ein Treckerfreund dem Deutz tief in die Scheinwerfer.

Südlohn

, 09.09.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Früh am Morgen war ich in Wennewick aufgestanden, hatte mein Zelt abgebaut und auf dem Traktor verstaut und mich dann in Richtung Südlohn aufgemacht.

Entlang der B70 und der Fahrradwegbaustelle wird mir der Verkehr dann doch ein wenig ungemütlich. Ich habe die Lkw, Transporter und Pkw nicht gezählt, die gefühlt nur wenige Zentimeter neben meinem linken Rad an mir vorbeidonnern.

Radfahrer und Traktor in Kolonne auf der B70

Ein Radfahrer begleitet mich ein Stück weit. Das heißt, er fährt hinter mir her. Gut 50 Meter bleiben die ganze Zeit zwischen uns. Er kommt mir nicht näher, ich komme nicht weiter von ihm weg. Er winkt kurz, als ich in Richtung Südlohn abbiege. Dort auf der Vennstraße mache ich aber erstmal einen kurzen Moment Pause.

Ein Oldtimer-Spezialist wirft einen Blick auf den Deutz und eine kleine Tank-Rechnung

Der Traktor und die Landstraße - hier noch zwischen Ammeloe und Vreden: So eine Gerade kann sich mit 15 Stundenkilometern ganz schön ziehen. © Stephan Teine

Ab hier geht es etwas ruhiger weiter. Der Verkehr auf der Vennstraße ist natürlich nicht mit dem auf der B70 zu vergleichen. Gemütlich tuckere ich in Richtung Südlohn weiter.

Besuch beim Oldtimer-Fachmann zuhause

Ich überrasche Paul Engbers zu Hause. Den hatte ich kurz vor meiner Tour im Ortskern von Südlohn getroffen. Da war er mit seinem 11er-Deutz von 1950 unterwegs. Wir hatten uns lose verabredet, dass ich bei ihm vorbeikomme, wenn ich in Südlohn bin. Als ich also an diesem Montag bei ihm klingele, hat er gerade Bratkartoffeln auf dem Herd.

„Wenn du willst, kannst du gerne mitessen“, ruft er mir durch die Küche zu. Seine Frau nickt. Dieses Mal bin ich etwas unhöflicher. Nach Mittagessen steht mir einfach noch nicht der Sinn. Ich lehne dankend ab. Aber einen Blick auf meinen Trecker will Paul Engbers dann doch noch werfen.

Ehemaliger Landmaschinenschlosser findet ein paar Macken

„Mensch, an denen hab ich früher immer geschraubt“, sagt er. Früher, als der gelernte Schmied noch bei Bürger in Südlohn als Landmaschinenschlosser gearbeitet hat. Das war von 1969 bis 1979. „Ich glaube, dass ich diesen Deutz auch mal in den Fingern hatte“, sagt er, als er auf meinen D15 zeigt. Ganz sicher ist er sich dann aber doch nicht. „Obwohl mir das alles sehr bekannt vorkommt“, fügt er hinzu.

An dem Deutz kennt er jede Schraube. Prüfend fährt er mit der Fingerspitze hier und dort entlang. Fasst da an, rüttelt hier. „Alles soweit gut in Schuss“, erklärt er. Nur bei den Reifen... „Also das kann gut sein, dass das noch die ersten Reifen sind, die der Traktor hatte“, erklärt er und deutet auf einige tiefe Risse im Profil. „Die sind porös“, sagt er.

TÜV ist mit dem Zustand noch bis 2020 einverstanden

Dem TÜV haben sie offenbar noch genügt. Der wird nämlich erst im Juni 2020 wieder fällig. „Oh, hier passt aber was nicht“, tadelt er: Die Motorhaube schließt nicht bündig mit den Seitenblechen ab. Auch der linke Scheinwerfer hängt etwas weiter hinten als er sollte. „Da hat er wohl mal einen abgekriegt“, sagt der Fachmann. Zwei kräftige Schläge mit dem Handballen gegen die Scheinwerferaufhängung, dann ist er zufrieden. „So, jetzt passt es wieder“, sagt er. Insgesamt sei so ein Deutz aber praktisch unkaputtbar.

Ein Oldtimer-Spezialist wirft einen Blick auf den Deutz und eine kleine Tank-Rechnung

Start am frühen Morgen in Wennewick. Gegen 9 Uhr bin ich dort losgetuckert. © Stephan Teine

Sein eigener Oldtimer, der besagte 11er-Deutz, steht an diesem Tag in der Garage. Abgedeckt mit einem Tuch. „Den habe ich mir geholt, als ich noch in der Lehre war“, sagt Paul Engbers. 1963 war das. „Da sollte der verschrottet werden“, fügt er hinzu. In mühevoller Kleinarbeit hat er ihn wieder aufbereitet und zuckelt heute an Feiertagen oder am Wochenende damit durch den Ort.

Ich verabschiede mich von den Engbers. Schließlich sollen die Bratkartoffeln ja nicht anbrennen.

Sicherheitshalber erst noch einmal tanken

Erst mal lenke ich den Trecker weiter in Richtung Oeding. Dort, bei der Tankstelle Dicks, werfe ich einen Blick in den Tank. Der Traktorbesitzer Josef Leuker hatte mir zwar gesagt, dass der kleine Deutz praktisch nichts verbraucht, aber ich will auf Nummer sicher gehen.

Etwas weniger als zehn Liter bekomme ich in den Tank. Tatsächlich: Dafür, dass der Deutz ja schon von Ahaus über Ellewick nach Wennewick und jetzt bis Oeding gefahren ist, ein sehr überschaubarer Verbrauch.

Auf eine Tasse Kaffee in der Tankstelle

Monika Dicks sitzt hinter der Kasse in der Tankstelle erkennt mich und lädt mich erst mal auf eine Tasse Kaffee ein. Die Tour verfolgt sie natürlich und findet sie klasse. Während sie einen Kunden nach dem nächsten abkassiert, kommen wir ins Gespräch.

Wann wohl die Umgehungsstraße für Oeding gebaut wird? „Das dauert noch Jahre“, da ist sie sich sicher. Allein die Bauarbeiten an der Straße vor ihrem Betrieb habe ja schon Ewigkeiten gedauert. Und jetzt ein kompletter Neubau... Ihr Mann Klaus Dicks kommt in den kleinen Verkaufsraum. „Hab ich mir doch gedacht, dass Sie das sind“, ruft er mir von der Werkstatttür aus zu. Mit ihm spreche ich noch einen Moment über alte und neue Landmaschinen, den geringen Verbrauch der alten und die enorme Leistung der modernen Technik.

„180 PS ist ja bei modernen Traktoren schon längst Standard“, sagt er. „Aber dafür saufen die auch ohne Ende Treibstoff“, fügt er schmunzelnd hinzu. Für einen Tankstellenbesitzer ja durchaus eine positive Entwicklung.

Der Kaffee hat geschmeckt, der Durst des Deutz ist gestillt, ich kann mich wieder auf die Reise machen. Ein paar Verabredungen hab ich in Südlohn noch, aber erst am Abend. Mal sehen, was bis dahin noch passiert.

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