Eine Frau in der Prinzenrolle

KKG hat keinen Prinzen

Wer sie ist, ist noch ein Geheimnis. Doch eines ist schon jetzt klar: Diese Frau hat Nerven und eine gehörige Portion Mut. Die noch unbekannte Oedingerin regiert in der kommenden Session die Narren der Kappenball-Karnevals-Gesellschaft (KKG) nämlich im Alleingang - ganz ohne Prinzen.

OEDING

, 01.11.2016, 16:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Prinzenwagen der KKG beim Umzug des KFK Rot-Weiß in Südlohn. Dieses Jahr gibt es einen Prinzessinnenwagen.

Der Prinzenwagen der KKG beim Umzug des KFK Rot-Weiß in Südlohn. Dieses Jahr gibt es einen Prinzessinnenwagen.

Für die KKG Oeding ist dieser Fall eine absolute Premiere. In der 62-jährigen Geschichte des Vereins hat es das noch nicht gegeben. "Wir hatten schon mal den Fall, dass wir keine Prinzessin hatten", erinnert sich Präsident Christoph Steinberg. In den Jahren 1965/66 regierte Karl Wienken die Jecken ohne weibliche Verstärkung, weil sich seinerzeit keine Prinzessin finden ließ.

Diesmal ist es umgekehrt. Trotz intensiver Bemühungen, die darin gipfelten, dass die Karnevalisten sogar eine Stellenanzeige schalteten (Münsterland Zeitung berichtete) wollte sich kein männlicher Thronanwärter finden.

Vorstand ist Glücklich

Dafür ist der KKG-Vorstand mit der Prinzessin umso glücklicher. "Die hat knallhart sofort gesagt: Ich ziehe das auch alleine durch", erklärt Steinberg. Und schweigt zum Namen der mutigen Solo-Tollität, der erst am Samstag, 12. November, ab 20 Uhr im Vereinslokal Sickings Wirtshaus, Jakobistraße 6 in Oeding, verkündet wird. Nur so viel sei verraten: "Sie ist eine Frau aus dem Volke und hat mit Karneval eher weniger zu tun gehabt bis jetzt", sagt der Präsident. Außerdem sei sie gebürtige Südlohnerin, habe einen kleinen Sohn und wohne im Hook Moate. Mit diesen Anhaltspunkten müssen sich die Oedinger Jecken wohl erst einmal zufrieden geben, bis das Geheimnis bei der Prinzessinnenproklamation gelüftet wird.

Das Vorstandsteam der KKG muss sich nun auf die neue, ungewohnte Situation vorbereiten. "Das Komitee muss noch überlegen, was die Details angeht", gibt Steinberg zu. So wird aus dem Prinzenwagen, der in der Session 2016/17 im Südlohner Zug mitfährt, dieses Jahr wohl ein Prinzessinnenwagen.

Kappenball verläuft anders

Auch der Kappenball wird wohl ein bisschen anders verlaufen, wenn neben der Prinzessin ein Stuhl leer bleibt. Darum machen die KKGler sich aber nicht allzuviele Sorgen. Im Gegenteil sogar: Sie begreifen die neue Situation als Chance. "Es ist schon ein bisschen komisch, wenn man beim Kappenball da ohne Prinz sitzt, aber es könnte auch ganz cool werden, wenn man daraus so eine reine Ladies-Night macht", überlegt Christoph Steinberg. Er ist zuversichtlich, dass die Details, die es zu bedenken gibt, geklärt sein werden, bis die Session so richtig losgeht.

Da die Prinzessin den Elferrat stellt, schart sie damit schon einmal viele Befürworter um sich und der Party kann nichts mehr im Wege stehen. Selbst männliche Funkenmariechen seien denkbar. "Wir sind ein Karnevalsverein und wir nehmen, was kommt", meint der Präsident optimistisch.

Amt hat an Prestige verloren

Doch trotz aller Freude über die neue Prinzessin bleibt Steinberg realistisch. "Wir bereiten uns darauf vor, dass wir irgendwann vielleicht gar kein Prinzenpaar mehr finden", fügt er nachdenklich hinzu. Das Amt des Karnevalsregenten habe heutzutage viel an Prestige vergangener Tage eingebüßt.

Eine Stellenanzeige würden der Karnevalist und sein Verein trotzdem jederzeit wieder schalten. "Das hat ja hohe Wellen geschlagen. Die ‚Roten Socken' aus Gescher haben uns das dieses Jahr nachgemacht", meint Christoph Steinberg mit Stolz in der Stimme. Auch wenn die meisten Ideen schlussendlich mündlich kamen und nicht per schriftlicher Bewerbung. Nun bleibt erst einmal abzuwarten, was die kommenden tollen Tage für die rot-weißen Jecken noch bringen werden.

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