Papiertasche, Burgerkarton aus Pappe, Gabeln aus Holz: Michael Knuf hat in seinem Imbissbetrieb bereits frühzeitig umgestellt und sieht den Zeitpunkt bald gekommen, dass dieser zur plastikfreien Zone wird. © Michael Schley
Umweltschutz

Einwegplastik-Verbot: Südlohner wappnen sich für plastikfreie Zukunft

Seit dem 3. Juli greift das Verbot von Einwegplastikprodukten. In Südlohn ist man auf diese Entwicklung vorbereitet. Lebensmittelmärkte müssen parallel einer Kennzeichnungspflicht nachkommen.

Gerade in Zeiten des Lockdowns wurde das Außer-Haus-Geschäft für Gastronomen immer wichtiger, die Menschen konsumierten mehr Essen zu Hause. Womöglich noch mit Plastikgeschirr und aus Styroporbehältern. Damit ist nun Schluss: In Deutschland und allen anderen EU-Mitgliedstaaten sollen seit dem 3. Juli sämtliche Einwegplastikprodukte aus dem Handel verschwinden.

Michael Knuf vom Imbiss „Knuf’s Garpunkt“ an der Bahnhofstraße muss nun nicht groß umplanen. „Wir stellen schon kontinuierlich um“, so Knuf. Soeben wurden die Kartons mit den Papiertüten geliefert, die die Plastiktragetaschen ablösen. Pappschälchen, Bagasse-Menüteller, Burger-Boxen aus Karton oder auch Holz- statt Plastikgabeln sind oder werden zum Standard. Was an Einweg-Plastik noch auf Lager ist, wird verbraucht. Alles andere wäre auch nicht im Sinne der Nachhaltigkeit.

Lagerbestände dürfen aufgebracht werden

Genauso agiert auch das Eiscafé „San Remo“. Auch dort werden die Restbestände aus Plastik aufgebraucht, dann wird man Alternativen anbieten, heißt es auf Nachfrage. Papier und Holz könnten diese sein. In der Bäckerei Tenk-Bomkamp sind Papierbecher für den To-Go-Kaffee schon Usus, als besondere Alternative können hochwertige Mehrwegbecher zum Nachfüllen genutzt werden.

Das Verbot betrifft Wegwerfprodukte wie Einmalbesteck und -teller, Trinkhalme, Rührstäbchen, Wattestäbchen und Luftballonstäbe aus Plastik. Auch To-Go-Behälter sowie Getränkebecher aus Styropor dürfen nicht mehr neu auf den Markt kommen. Anlass für das Verbot ist, dass zehn Plastikprodukte zusammen mit Fischfanggeräten wie alten Fischernetzen rund 70 Prozent des gesamten Meeresmülls in der EU ausmachen.

In der Bäckerei Tenk-Bomkamp kann neben einem Pappbecher auch ein Mehrweg-To-Go-Becher gewählt werden.
In der Bäckerei Tenk-Bomkamp kann neben einem Pappbecher auch ein Mehrweg-To-Go-Becher gewählt werden. © Michael Schley © Michael Schley

Auch Lebensmittelmarktketten müssen auf die neuen Regeln reagieren. Auf Nachfrage bei den in Südlohn und Oeding beheimateten Anbietern wurde vielfach bereits vorgearbeitet. Aldi Nord führe schon seit Anfang 2019 keine Einwegprodukte aus Kunststoff wie Geschirr, Becher und Trinkhalme, erklärt Joachim Wehner von der Unternehmenskommunikation. Produkte aus Einwegplastik, für die es noch keine Alternativen gebe, seien dabei vom Gesetz ausgenommen.

Hierzu zählten etwa Damenbinden, Zigaretten mit Filtern aus Kunststoff oder To-Go-Becher aus oder mit Plastik. Für diese Artikel greife nun die sogenannte Einwegkunststoff-Kennzeichnungsverordnung.

Lebensmittelketten hatten bereits frühzeitig reagiert

Rita Thebelt aus der Abteilung Einkauf bei K+K berichtet, dass „wir bereits vor über einem Jahr auf dieses Verbot hingearbeitet haben“. Weiter: „Die betreffenden Sortimente wurden nicht mehr bestellt, sodass unsere Märkte die vorhandenen Bestände ausverkaufen konnten.“

„Die Kennzeichnung – eine Schildkröte sowie ein Piktogramm für das entsprechende Produkt – soll die Verbraucherinnen und Verbraucher darauf hinweisen, dass die genannten Produkte Kunststoff enthalten, welcher Entsorgungsweg zu vermeiden ist und welche Umweltfolgen eine unsachgemäße Entsorgung hat“, so Thebelt. Die K+K-Märkte seien über die Vorgehensweise zum „Verbot von Einweg-Plastikgeschirr“ gleichlautend informiert worden.

Die Entwicklung geht weiter: Ab 2023 kommt für Gastronomen mit einer Ladenfläche von über 80 Quadratmeter die Pflicht, Mehrwegbehälter anzubieten. Spätestens dann wird sich auch die Frage der Kalkulation stellen. Dieser müssen sich Unternehmer wie Michael Knuf auch jetzt schon widmen. So sind einige der Alternativprodukte spürbar kostenintensiver in der Beschaffung. Und teilweise aktuell nicht einfach zu bekommen.

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