Erster Schultag: In Südlohn ist Fotografieren verboten, in Oeding nicht

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Die i-Dötze setzen in Südlohn und Oeding am Donnerstag zum ersten Mal ihre Tornister auf. (Groß-)Eltern und Verwandte greifen verzückt zum Fotoapparat. Doch das dürfen sie nicht überall.

Südlohn

, 28.08.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bilder von Fremden ohne deren Einverständnis zu veröffentlichen, ist schon immer verboten gewesen. Doch seit im Mai 2018 die Datenschutz-Grundverordnung in Kraft getreten ist, herrscht immer noch große Unsicherheit.

Grundschule St. Vitus verbietet Fotografieren während der Einschulungsfeier

An der St.-Vitus-Grundschule in Südlohn sind während der offiziellen Einschulungsfeier keine Fotos erlaubt. „Natürlich ist es den Eltern freigestellt, ihr eigenes Kind zu fotografieren“, erklärt die Schulleiterin Friederike Voß.

Nur sobald andere Kinder mit auf dem Bild zu sehen sind, würde es juristisch kritisch. „Die Schule ist ein öffentlicher Raum“, erklärt Friederike Voß weiter. Daher müssten dort eben auch die geltenden Gesetze umgesetzt werden. „Das ist natürlich sehr schade, aber eben nicht zu ändern“, sagt sie.

Termin für Fotografien im Klassenraum

Damit Eltern dennoch ihre Kinder am ersten Schultag auch in der Klasse fotografieren können, erhalten sie die Möglichkeit, nach dem offiziellen Unterricht noch einen Moment in den Klassenräumen zu bleiben. Dort können sie dann ihre eigenen Kinder fotografieren.

Während die Kinder ihre ersten Schulstunden hinter sich bringen und die Eltern draußen warten, macht sich die Schulleiterin dann auf die Jagd nach Unterschriften: „Für die offiziellen Klassenbilder holen wir uns die schriftliche Zustimmung der Eltern“, sagt sie. Bleibt die aus, dürfen die betroffenen Kinder nicht auf den Klassenbildern abgebildet werden.

Aushänge und Elternunterschriften in Oeding

In Oeding geht Hildegard Köppen, Leiterin der von-Galen-Grundschule, einen anderen Weg. „Das Fotografieren ganz zu verbieten, fände ich sehr schade“, erklärt sie. Über große Aushänge werden die Eltern am Einschulungstag darüber informiert, dass Fotos gemacht werden. Nur für den privaten Gebrauch natürlich. Parallel sammle auch sie Unterschriften ein, um sich so das Einverständnis der Eltern für weitere Fotografien im Schulalltag einzuholen. „Damit bin ich ja auch auf der sicheren Seite“, erklärt sie.

Bezirksregierung Münster sensibilisiert mit klaren Regeln für das Thema

Die Bezirksregierung Münster hat bereits im vergangenen Jahr Eltern und Schulen für das Thema Datenschutz-Grundverordnung sensibilisert. Mit sechs kurzen Regeln versucht sie zu erklären, was erlaubt ist und was nicht:

  • Vorher fragen, ob derjenige, der fotografiert wird, einverstanden ist.
  • Die Schulleitung entscheidet, ob Fotografieren und Filmen auf dem Schulgelände erlaubt ist oder nicht.
  • Wer fotografiert, ist verantwortlich: Wird jemand ungefragt fotografiert, stellt das einen Eingriff in sein Persönlichkeitsrecht dar. Das haben verschiedene Gerichte bis hin zum Bundesverfassungsgericht so festgestellt.
  • Durch die Datenschutzgrundverordnung ändert sich an den bisherigen Regeln nichts: Auch früher war das ungefragte Fotografieren nicht erlaubt. Die DSGVO erlaubt auch die Verarbeitung von Daten zur Ausübung privater oder familiärer Tätigkeiten. Die Fotografie fürs private Familienalbum stellt also kein Problem dar.
  • Soziale Medien wie Facebook, Instagram, Twitter und Co. gelten in keiner Weise als privates Umfeld. Wer dort Fotos oder Videos veröffentlichen möchte, braucht in jedem Fall die Zustimmung der abgebildeten Personen.
  • Schon seit 1907 ist im Kunsturhebergesetz geregelt, dass Fotos nicht gegen den Willen der Abgebildeten veröffentlicht werden dürfen.
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