Fürstliches Essen in mittelalterlichem Gemäuer. Gibt‘s nicht? Doch in Oeding. Im Burghotel Pass macht Essen einfach Spaß – und zwar nicht nur wegen der gut sortierten Speisekarte.

Oeding

, 23.03.2019 / Lesedauer: 5 min

Mitten in Oeding steht seit Jahrhunderten der Turm der alten Burg. Seit 1979 empfängt Familie Pass dort ihre Gäste. Das Burghotel Pass hält hinter seinen Mauern so manche Leckerbissen bereit.

Ich wollte auf Nummer sicher gehen und hatte den Tisch reserviert. Unter der Woche hatte ich dazu keine Chance. „Wir sind restlos ausgebucht“, lautete die Antwort. Kein Problem, meine Freundin und ich essen auch sonntagsabends gerne gut. Also machen wir uns auf den Weg von Ahaus nach Oeding.

Es ist kurz vor halb Sieben. Burgherr Theodor Pass empfängt uns erst am Tresen bittet uns dann aber schnell an einen Tisch im historischen Gewölbekeller. Drei andere Tische sind besetzt. Wir haben nicht viel Zeit, um uns umzusehen, denn sofort steht eine Bedienung parat und fragt uns nach unseren Wünschen.

Die Getränke

Eine umfangreiche Weinkarte mit verschiedenen europäischen Flaschenweinen zwischen 20 und 40 Euro gibt es zwar, aber heute Abend steht uns die Nase nicht danach. Ich bleibe bei alkoholfreiem Weizenbier, meinen Freundin nimmt Apérol Spritz. Später steigt sie auf Wasser um. Die Preise sind in Ordnung: Alkoholfreies Weizen für vier Euro, Apérol Spritz sechs Euro, das Wasser gibt es für zwei Euro und ein paar Zerquetschte.

Das Ambiente

Es schmeckt einfach noch mal so gut in einem mittelalterlichen Gewölbekeller

Der Blick in den historischen Gewölbekeller des Burghotels Pass. © Markus Gehring

Jetzt haben wir doch noch die Gelegenheit für einen Blick in die Runde: Welches Restaurant kann schon mit einem historischen Gewölbekeller aus dem 14. Jahrhundert punkten? Das Burghotel kann es. In dem kleinen Raum im Tiefpaterre stehen fünf Tische. Die Wände sind mit allerlei Ritterlichem dekoriert. Schon am Eingang hatte uns eine alte Ritterrüstung empfangen. Wappen, Schwerter, alte Krüge komplettieren das Ensemble. Das warme, gedämpfte Licht von vielen kleinen Leuchtern passt dazu perfekt. Die weiteren Tische stehen im oberen Gastraum. Dem fehlt natürlich das mittelalterliche Flair. Er ist zweckmäßig aber nicht ungemütlich eingerichtet.

Zum Ambiente gehören natürlich auch die Gastgeber: Und die sind mit der Familie Pass etwas ganz besonderes. Maria Pass, gute Seele und Seniorchefin des Hauses, sieht überall nach dem Rechten, spricht mit Gästen, hält noch einen kleinen Schwatz und verabschiedet sich wieder. Theo Pass, aktueller Betreiber und die sechste Generation der Familie Pass, wirbelt zwischen Theke, Restaurant, Hotel und Küche, scherzt mit Hotel- und Restaurantgästen und ist eben einfach Theo Pass – ganz klar ein Unikum. Muss man erlebt haben, kann man nicht wiedergeben. Das Ganze wirkt aber zu keiner Zeit aufdringlich, sondern passt ganz einfach zum Haus.

Die Speisekarte

Sie punktet mit der deutlichen Auswahl. Weniger ist hier definitiv mehr: Sechs Vorspeisen, acht Hauptgerichte, eine Auswahl für den kleinen Hunger, fünf Desserts: Das Burghotel Pass beschränkt sich auf das, was es kann: „Ehrliche deutsche Küche mit einer modernen Note“, so formuliert es zumindest Inhaber Theodor Pass (44) nach dem Check auf Nachfrage.

Die Vorspeise

Es schmeckt einfach noch mal so gut in einem mittelalterlichen Gewölbekeller

Carpaccio vom Rinderfilet © Stephan Teine

Die Auswahl macht es schwierig. Wir stehen kurz davor, das Los entscheiden zu lassen. Am Ende werden wir uns doch noch einig: Meine Freundin wählt das Rindercarpaccio. Und der Teller hält, was er optisch verspricht: Mit der Gabelspitze darf ich einmal probieren und bin begeistert. Das Fleisch ist hauchdünn geschnitten und sehr saftig. Mein gegrillter Ziegenkäse im Speckmantel ist ebenfalls sehr schmackhaft. Für meinen Geschmack ist der Salat an dem er angerichtet wird aber einfach eine Spur zu viel. Keine Frage, er schmeckt gut, das Dressing ist frisch – es ist eben einfach etwas zu viel Grünzeug auf dem Teller. Aber auch das ist Klagen auf sehr hohem Niveau.

Es schmeckt einfach noch mal so gut in einem mittelalterlichen Gewölbekeller

Gebackener Ziegenkäse im Baconmantel an buntem Blattsalat mit Hausdressing © Stephan Teine

Die Hauptgerichte

Es schmeckt einfach noch mal so gut in einem mittelalterlichen Gewölbekeller

Kasslersteak mit Senfsauce, Sauerkraut und Kartoffelschnee © Stephan Teine

Meine Freundin hätte gerne die Entenkeule mit Orangensauce probiert. Damit ist sie an diesem Abend nicht alleine. Gleich mehrfach hören wir von Nebentischen dieselbe Bestellung. Leider ist sie an diesem Abend aus. Die Freundin wählt neu und entscheidet sich für Kasslersteak mit Senfsauce, Sauerkraut und Kartoffelschnee. Fleisch, Sauce und Sauerkraut sind genau richtig. Der Kartoffelschnee ist allerdings in der Karte etwas sehr blumig beschrieben. Es handelt sich schlicht um durchgedrückte Kartoffeln. Dazu meine Freundin: „Der Koch ist definitiv nicht verliebt.“ Eine etwas größere Prise Salz hätte den Kartoffeln sicherlich gut getan. Mein Kalbsschnitzel auf Pilzragoût mit Röstis und Salat schmeckt dafür sehr gut. Beide Portionen sind reichlich.

Es schmeckt einfach noch mal so gut in einem mittelalterlichen Gewölbekeller

Kalbsteak auf Pilzragoût, Röstis und Salat © Stephan Teine

Das Dessert

Es schmeckt einfach noch mal so gut in einem mittelalterlichen Gewölbekeller

Kaiserschmarrn mit Waldfrüchten © Stephan Teine

Eigentlich sind wir beide an diesem Punkt längst satt. Aber erstens ist der Restaurant-Check ja auch keine Vergnügungsfahrt und zweitens geht Nachtisch ja noch einmal in einen ganz separaten Magen. Also lassen wir uns noch einmal die Karte bringen und bestellen etwas für den süßen Zahn. Meine Freundin wählt – ohne an den vollen Bauch zu denken – den Kaiserschmarrn mit Waldfrüchten. Der kommt appetitlich angerichtet rund um ein Glas mit Waldfrucht-Mus. Ich probiere einmal: Wirklich lecker, aber nach den bisherigen Gerichten, wäre mir das eindeutig zu viel. Ich bestelle das hausgemachte Herrencrèmeparfait. Kalorientechnisch wahrscheinlich nicht viel vorteilhafter, aber auf jeden Fall genauso schmackhaft.

Es schmeckt einfach noch mal so gut in einem mittelalterlichen Gewölbekeller

Hausgemachtes Herrencrèmeparfait mit Eierlikör und Sahne © Stephan Teine

Der Service

Genau richtig: Freundlich, aufgeschlossen, nicht zu aufdringlich, aber immer zur Stelle, in dem Moment kurz bevor etwas fehlt.

Die Preise

Vorspeisen kosten zwischen 4,50 und 14,50 Euro, Zwischengerichte liegen bei 7 bis 11,50 Euro, Hauptgänge zwischen 17 und 24,50 Euro, Desserts zwischen 4,50 und 6 Euro. Für den kleinen Hunger gibt es Gerichte zwischen 6,90 und 10,60 Euro. Ein dreigängiges Burgherren-Menü (Rindfleischsuppe, Schweineschnitzel, Herrencrème) kostet 24,50 Euro. Unser Abend schlägt insgesamt mit 96 Euro zu Buche. Nicht unbedingt günstig, aber auf jeden Fall jeden Euro wert.

Kinderfreundlichkeit

Kinder sind im Restaurant gerne gesehen: Eine separate Karte mit Gerichten für Kinder gibt es auf Anfrage. Außerdem erfüllt die Küche auch Sonderwünsche.

Barrierefreiheit

Der Zugang zum Burghotel ist ebenerdig. Behindertengerechte Toiletten sind vorhanden. Der Gewölbekeller – eindeutig das Schmuckstück des Restaurants – ist allerdings nur über mehrere Treppenstufen zu erreichen.

An- und Abfahrt / Parkplatzsituation

Das Burghotel Pass liegt mitten im Ortsteil Oeding. Parkplätze gibt es einmal direkt vor der Tür auf dem Burgplatz und noch einmal rund 50 Meter entfernt an der Burloer Straße.

Das sagt das Netz

Die Bewertungen für das Burghotel Pass sind im Internet durchweg positiv. Natürlich fällt es schwer zu trennen, wo die Restaurant-Bewertung aufhört und die Hotel-Bewertung anfängt. Dennoch gibt es bis auf einige wenige Ausnahmen nur positive Bewertungen: Google (4,5 von 5 Sternen), Booking.com (8,5 von 10 Punkten), Trip-Advisor (4,5 von 5 Punkten) und yelp (4,5 von 5 Sternen) geben Bestnoten.

Restaurant-Infos

Burghotel Pass, Burgplatz 1, 46354 Südlohn, Tel. (02862) 5830; geöffnet täglich von 18 bis 21 Uhr (sonntags bis 20 Uhr); Mittagstisch auf Anfrage.

WIE FUNKTIONIERT DER RESTAURANT-CHECK?

Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale, zahlende Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freunden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich.
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