Familie nimmt Asylsuchende auf

Alle Zimmer belegt

Mit der Sprache haben sie noch große Schwierigkeiten. Und auch das Schreiben fällt ihnen schwer. Schließlich schreibt man in Afghanistan von rechts nach links und nicht von links nach rechts, wie bei uns. Ihre Namen können Mohamad Jafarg, Rezar Lashkari, Sana Ulla Nasiri und Bashir Mohammdi aber schon in lateinischer Schrift mitteilen.

SÜDLOHN

, 25.01.2016, 18:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Elke Terhörne (M.) hat (v.l.) Mohamad Jafarg, Rezar Lashkari, Sana Ulla Nasiri und Bashir Mohammdi bei sich zu Hause privat aufgenommen, die ohne ihre Familien aus Afghanistan geflohen sind und sich vorher untereinander nicht kannten.

Elke Terhörne (M.) hat (v.l.) Mohamad Jafarg, Rezar Lashkari, Sana Ulla Nasiri und Bashir Mohammdi bei sich zu Hause privat aufgenommen, die ohne ihre Familien aus Afghanistan geflohen sind und sich vorher untereinander nicht kannten.

Die vier Asylsuchenden aus Afghanistan leben zurzeit bei der Familie Terhörne in Südlohn. Elke und Rudolf Terhörne haben die vier jungen Männer bei sich zu Hause privat aufgenommen. Laut der Alterseinschätzung, die bei der Einreise in die Bundesrepublik von den deutschen Jugendämtern vorgenommen wird, gelten die vier Afghanen als volljährig. Sie selbst sagen, dass sie 16 und 17 Jahre alt sind.

Dokumente hätten sie nicht bei sich gehabt. Elke Terhörne bemüht sich, den Vieren bei ihrer richtigen Alterseinstufung zu helfen. Das ist wichtig, damit Mohamad Jafarg (16), Rezar Lashkari (16), Sana Ullah Nasiri (16) und Bashir Mohammdi (17) irgendwann mal eine Schule besuchen dürfen. "Sie gelten als 18, weil sie gar keine Papiere hatten, nur alte Zeugnisse aus Afghanistan", sagte Elke Terhörne.

Gewaltvorfälle

Aufmerksam auf die vier Jugendlichen wurde Elke Terhörne bei ihrer Arbeit zusammen mit und für Flüchtlinge. Bereits seit dem vergangenen Jahr betreut die Helferin Flüchtlinge, engagiert sich für den Arbeitskreis gegen Rechts und ist im Stübchen aktiv. Die Jugendlichen aus Afghanistan, die nicht miteinander verwandt sind, seien in einer Wohnung in Südlohn untergebracht gewesen. Dort sei es zu Gewaltvorfällen gekommen. Elke Terhörne wollte helfen. "Die Jungs sind mir ans Herz gewachsen", sagt die Ehrenamtliche, die selbst eine 22-jährige Tochter hat. Ihre Tochter Bianca studiert in Münster, ist aber auch oft zu Hause in Südlohn.

Grundsätzlich sei es begrüßenswert, wenn Bürger Asylsuchende bei sich zuhause aufnähmen. "Es ist super wenn Menschen sagen, wir haben Platz, wir können uns das vorstellen", sagte Bürgermeister Christian Vedder. Das gehe grundsätzlich aber erst nach der Registrierung der Flüchtlinge und wenn sie für den Zeitraum des Asylverfahrens kommunal bereits zugewiesen sind.

Deutschkurse

Die vier jungen Männer aus Afghanistan besuchen zurzeit zweimal in der Woche Deutschkurse. Zudem gehen sie einer Arbeit nach: Vier Stunden pro Tag helfen sie auf dem Bauhof im Rahmen eines Ein-Euro-Jobs.

Bei der Familie Terhörne bewohnen die vier Jungen insgesamt zwei Zimmer, die sie sich zu zweit teilen. Elke Terhörne dreht die Heizung jetzt immer ein bisschen mehr auf: "Die Jungs mögen es gerne warm." Auch beim Essen stellt sich die Familie auf die Gewohnheiten der Asylsuchenden ein. Schweinefleisch kommt nicht mehr auf den Tisch. Die vier jungen Männer mögen das Essen ihrer "Gastmutter" gerne. "Deutsches Essen ist gut", versucht Mohamad mit seinen für ihn neuen Worten zu erklären.

Für die Zukunft wünschen sich die jungen Männer, dass sie anerkannt werden und bleiben dürfen. Ihre Asylanträge haben sie gestellt, das persönliche Interview habe jedoch noch nicht stattgefunden.

Die Chancen, ob sie bleiben dürfen, oder nicht, seien schwankend. Elke Terhörne will sich weiter um die Asylsuchenden kümmern. "Ich bin bereit, dass sie so lange, wie es geht, bei mir bleiben können", sagt die Helferin. Einige von ihnen haben sogar Verwandtschaft in Deutschland: Einer habe einen Cousin in Bremen, einer von ihnen einen Bruder in Neukirchen.

Aus Afghanistan seien sie geflohen, weil es Bedrohungen durch die Taliban gegeben habe. Ihre Familien sind noch dort. Kontakt gibt es nur über das Internet. Bei Familie Terhörne haben die jungen Männer W-Lan zur Verfügung, Kleidung können sie sich von ihren finanziellen Leistungen kaufen, 330 Euro bekommen sie laut Terhörne, oder sie können im Stübchen Kleidung umsonst bekommen.

Bezuschussungen

Für Gas und Warmwasser wolle die Familie Anträge auf Bezuschussung stellen. Durch die Gemeinde Südlohn gibt es im Rahmen des Asylbewerberleistungsgesetzes eine angemessene Beteiligung an den laufenden Kosten. Dazu zählen Miet- und Nebenkosten. Die Höhe der jeweiligen finanziellen Zuwendung sei individuell und fallbezogen, teilte Bürgermeister Christian Vedder mit.

Wenn Elke Terhörne könnte, würde sie noch mehr Menschen helfen. "Mehr Platz haben wir aber nicht, das Haus ist voll."

 

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