Feuer hat die Existenz des Südlohners Josef Ingenhorst vernichtet

mlzNach dem Großbrand

Das Großfeuer am Sonntag hat Josef Ingenhorsts Unternehmen bis auf die Grundmauern vernichtet. Ob er es wieder aufbauen kann, mag er noch nicht abschätzen. Nur Galgenhumor ist ihm geblieben.

Südlohn

, 12.05.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Josef Ingenhorst ist geschockt. Der Inhaber von Verpackungsservice Ingenhorst steht am Dienstagmorgen vor den ausgebrannten Resten seiner Existenz. Noch immer liegt der Brandgeruch in der Luft. Am Sonntag ist die Produktions- und Lagerhalle seines Unternehmens an der Straße Haus Volmering plötzlich in Flammen aufgegangen.

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„Mein Nachbar ist bei der Feuerwehr“, sagt der 62-jährige Südlohner. Als dessen Melder am Sonntag anschlug, habe der noch zu ihm herüber gerufen „Josef, deine Halle brennt“. Sofort sei er dorthin geeilt. „Da schlugen die Flammen schon aus dem Dach und allen Öffnungen“, erzählt er. Die tiefschwarze Rauchsäule war kilometerweit zu sehen.

Feuerwehrleute mussten Josef Ingenhorst aufhalten

Nur Augenblicke später sei die Feuerwehr eingetroffen. „Ich wollte noch in die Halle laufen, um zu retten, was zu retten ist“, erklärt Josef Ingenhorst. Den Schlüssel habe er schon in der Hand gehabt. Keinen Moment habe er gezögert. „Erst ein Feuerwehrmann hat mich dann zurückgerufen“, sagt er. „Hätte ich die Tür geöffnet, wären mir wohl die Flammen direkt entgegen geschlagen, dann wäre ich heute nicht mehr hier.“

Für ihn besonders dramatisch: Lager und Auftragsbücher waren zum Bersten gefüllt. „Wir haben aktuell Desinfektionsmittel abgefüllt“, erklärt er. Die Nachfrage sei so groß gewesen, dass das Unternehmen sogar Kundenanfragen habe ablehnen müssen. „Das Material war da, aber wir haben keine Flaschen bekommen, um es abzufüllen“, sagt er und blickt in die Trümmer.

Eine fertig gepackte Lieferung sollte Anfang dieser Woche an einen Kunden in Russland geschickt werden. „Jetzt ist alles weg“, sagt Josef Ingenhorst. Ein Satz, der ihm an diesem Morgen gleich mehrfach entfährt.

Unternehmen seit 20 Jahren aufgebaut

Seit 20 Jahren hat sein Unternehmen aufgebaut. 15 Mitarbeiter beschäftigt er. Verpackung und Abfüllung sind sein Spezialgebiet. Vor allem Zubehörteile für Parkett- und Laminatböden. Kleine Kunststoffteile, die bei einem befreundeten Unternehmen in Meschede im Spritzgussverfahren hergestellt und dann in Südlohn verpackt, etikettiert und verschickt werden. „Man baut etwas auf, ist jeden Tag von früh bis spät im Betrieb und plötzlich ist alles einfach weg.“ Als er das sagt, muss der 62-Jährige mit den Tränen kämpfen.

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Großbrand in Südlohn

Neben den Lagerbeständen sind vor allem die Spezialmaschinen der größte Verlust. „Die Maschinen sind nicht so von der Stange zu bekommen“, sagt er. Selbst wenn: Wo sollte er sie hinstellen? „Eine neue Maschine soll in den nächsten Tagen noch geliefert werden. Die kann ich unter freiem Himmel hinstellen. Open-Air-Produktion sozusagen“, sagt er mit bitterem Lächeln. Galgenhumor ist es, was ihm in diesen Tagen geblieben ist.

Ein kräftiger Windstoß hatte Teile des Dachs von dem brennenden Gebäude gerissen. Sie waren genau dort gelandet, wo kurz zuvor noch Feuerwehrleute gestanden hatten.

Ein kräftiger Windstoß hatte Teile des Dachs von dem brennenden Gebäude gerissen. Sie waren genau dort gelandet, wo kurz zuvor noch Feuerwehrleute gestanden hatten. © Stephan Teine

Gleichzeitig hätten ihm etliche Unternehmen Hilfe angeboten. Sei es durch Produktionskapazitäten oder Büroflächen. Dafür sei er sehr dankbar. Ob und wie es ihm hilft, weiß er jetzt noch nicht.

Inhaber kann sich Brandursache nicht vorstellen

Josef Ingenhorst kann sich nicht vorstellen, wie das Feuer ausgebrochen sein soll. „Ich war am Sonntagvormittag noch in den Hallen und habe wie jeden Tag nach dem Rechten gesehen“, erklärt er. Alle Maschinen seien abgeschaltet gewesen. Er habe sogar noch eine Brandschutztür geschlossen. „Sonst wäre die andere Halle auch noch abgebrannt“, ergänzt er. Dann fällt sein Blick auf den Hof zwischen den beiden Hallen. „Das Unwichtige haben wir gerettet“, seufzt er kopfschüttelnd. Dort stehen einige Müllcontainer mit Verpackungsresten. Im Schock hatte er die am Sonntag einige Meter vom Brand weggezogen.

Erneuter Feueralarm am Dienstagmorgen

Am Dienstagmorgen ging der Feueralarm noch einmal los. Ein Autofahrer hatte erneut Qualm aus der abgebrannten Halle aufsteigen sehen und die Feuerwehr alarmiert. Glutnester hatten sich noch einmal entzündet und mussten gelöscht werden. „Als die Sirene losging, habe ich direkt senkrecht im Bett gestanden“, erklärt der Südlohner.

Wie es nun weiter geht, mag er noch nicht abschätzen. „Das müssen wir in der Familie und mit den Angestellten entscheiden“, sagt er.

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Brandsachverständige von Versicherung und Kriminalpolizei werden sich die abgebrannte Halle im Laufe dieser Woche noch einmal genau ansehen. „Dann geht es ans Entsorgen“, sagt Josef Ingenhorst. Auf rund 600.000 Euro Schaden hatte die Polizei die Folgen des Feuers geschätzt. Wie groß der Schaden tatsächlich ist, mag Josef Ingenhorst noch nicht ermessen. „Da standen ja auch etliche Werte unserer Kunden in der Halle“, sagt er. All das müsse nun aufgearbeitet werden.

Nur durch einen Zufall wurde niemand verletzt

Josef Ingenhorst hofft nun, dass wenigstens die Server des Unternehmens mit sämtlichen Daten von den Folgen des Feuers verschont geblieben sind. Ein Spezialunternehmen ist schon dabei, die Daten zu retten. Ob das klappt – Josef Ingenhorst weiß es noch nicht.

Sein einziger Trost: Bei dem Feuer wurde niemand verletzt. In seinen Augen reine Glückssache: „Durch einen plötzlichen, kräftigen Windstoß wurde das Dach heruntergerissen“, sagt er. Es landete genau da, wo kurz zuvor noch eine Gruppe von Feuerwehrleuten gestanden hatte.

Am Dienstagmorgen haben die Aufräumarbeiten auf einem benachbarten Acker begonnen. Dort waren Wasser und Löschmittel versickert. Der Boden wird nun großflächig ausgekoffert.

Am Dienstagmorgen haben die Aufräumarbeiten auf einem benachbarten Acker begonnen. Dort waren Wasser und Löschmittel versickert. Der Boden wird nun großflächig ausgekoffert. © Stephan Teine

Auf dem benachbarten Acker haben die Aufräumarbeiten am Dienstagmorgen schon begonnen. Der Boden dort wird großflächig ausgekoffert: Das mit Schadstoffen versetzte Löschwasser war dort versickert.

150 Feuerwehrleute, Kräfte vom Deutschen Roten Kreuz, Polizei und Rettungsdienst hatten am frühen Sonntagabend gegen die Flammen gekämpft. Um eine Gefahr für die Bevölkerung auszuschließen war auch ein Messwagen der Feuerwehr vor Ort, der die Luft auf mögliche Giftstoffe untersuchte.

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