Frage um die Gelbe Tonne sorgt für Ärger zwischen Recycling-Unternehmen und Gemeinde

mlzVerpackungsmüll

Die Gelben Tonnen kommen. Was mit Verpackungsmüll passiert, der dort nicht mehr hinein passt, sorgt für einige Fragezeichen. Ein Südlohner Entsorger reagiert genervt.

Südlohn

, 04.01.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In Südlohn und Oeding werden in den kommenden Wochen die Gelben Tonnen ausgeliefert. Für Verpackungsmüll, der in diese Tonnen nicht mehr hereinpasst, wird das Entsorgungsunternehmen Geuking in Südlohn als mögliche Anlieferungsstelle genannt.

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Das sagt zumindest die Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland (EGW) und stützt sich dabei auf die Systemfestlegung, die sie unter anderem mit der Gemeinde Südlohn getroffen hat. Problem dabei: Das Entsorgungsunternehmen Geuking weiß von nichts.

Unternehmer erfährt erst durch Kunden von der angeblichen Vereinbarung

„Ich habe erst durch einen Kunden, der bei mir Verpackungsmüll abgeben wollte, davon erfahren, dass mein Unternehmen da irgendwo genannt ist“, sagt Stefan Geuking, Inhaber von Geuking Recycling. Von der Gemeinde habe aktuell niemand mit ihm gesprochen. Aktuell sei die Annahme von Verpackungsmüll bei ihm nicht möglich und auch nicht gewollt. „Mit uns ist da nichts abgestimmt“, erklärt er.

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Für ihn besonders ärgerlich ist, dass er sich mit dem Problem allein gelassen fühlt. Im Rathaus werde entschieden und umgesetzt. „Am Ende stehen die Leute bei mir vor dem Tor und ich habe den Ärger“, sagt Stefan Geuking. Denn für die Menschen, die ihren Müll entsorgen wollen, sei er eben der erste Ansprechpartner.

EGW trifft Systemfestlegungen mit 17 Kommunen

Simone Werk, Pressesprecherin der EGW, hat schon von dem Problem gehört. „Wir haben die Systemfestlegungen mit den 17 Kommunen im Kreis Borken zum Jahresbeginn gesammelt verhandelt“, erklärt sie. Auch mit der Gemeinde Südlohn. Zigfach seien die Dokumente hin- und hergeschickt und abgestimmt worden. Darin ganz klar genannt: Die Firma Geuking als Anlieferstelle für Mehrmengen, die nicht mehr in die Tonnen passen. „Deswegen haben wir das ja auch so veröffentlicht“, erklärt sie. Eigenmächtig habe die EGW den Namen auf keinen Fall in die Vereinbarung übernommen.

Bürgermeister kann Hergang der Diskussion nicht mehr klären

Wie der Name letztendlich in diese Dokumente geraten ist, mag auch Bürgermeister Christian Vedder am Freitagvormittag nicht abschließend beurteilen. „Wer, wann, was gesagt hat, weiß ich nicht genau“, erklärt er. Klar sei nur, dass die Gemeinde zusammen mit der EGW und dem Unternehmen Geuking in verschiedenen Gesprächen stehe. Spruchreif sei davon aber noch nichts.

Natürlich sei das Unternehmen Geuking der einzige Entsorgungsbetrieb in der Gemeinde. „Vielleicht hat die EGW da gedacht...“, stellt er in den Raum. Am Ende sei aber auch das Duale System Deutschland als Entsorger für Verpackungsmüll zuständig.

Frage um die Gelbe Tonne sorgt für Ärger zwischen Recycling-Unternehmen und Gemeinde

Bilder wie dieses an der Winterswyker Straße soll es in Zukunft in Südlohn und Oeding nicht mehr geben. Die Gelbe Tonne wird ab Jahresbeginn in der Gemeinde eingeführt. © Stephan Teine

„Gespräche hat es gegeben“, erklärt auch Stefan Geuking. Die reichen zum Teil auch schon Jahre zurück. Bestenfalls seien diese Planungen als sehr zukunftsorientiert zu bezeichnen.

Unstimmigkeiten zwischen Gemeinde und Geuking sind kein Einzelfall

Nicht das erste Mal, dass es zwischen seinem Unternehmen und der Gemeinde zu Unstimmigkeiten komme. „Wir haben hier keinen kommunalen Wertstoffhof. Ich habe ein rein privates Entsorgungsunternehmen“, erklärt er eindringlich. Natürlich nehme er auch von Privatleuten Müll zur Entsorgung an. „Das müssen sie aber bezahlen“, sagt er. Dabei gebe es auch keine Pauschalen oder andere Vereinbarungen, wie sie an kommunalen Wertstoffhöfen gelten. „Ich muss genau das abrechnen, was die Leute mir anliefern“, sagt Stefan Geuking.

Unternehmen muss Müllmengen genau berechnen

Allein den Begriff „Sperrmüll“ gebe es schon in der privaten Abfallentsorgung nicht. „Ich muss das genau sortieren, nach Holz, Metall oder Restmüll. Und genau das müssen die Anlieferer auch bezahlen“, sagt er. Die einzelnen Müllsorten würden exakt bemessen und berechnet. „Nach dem aktuell gültigen Tagespreis am Markt“, sagt Stefan Geuking.

Im Gegensatz zu einem kommunalen Entsorger kalkuliere er täglich die aktuellen Preise. Ein kommunaler Entsorger berechne die Preise langfristig und plane dabei auch große Puffer mit ein. Allein diese Unterschiede sorgten oft für Missverständnisse bei Menschen, die in Südlohn Müll anliefern.

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Nun einfach Container für Verpackungsmüll aufzustellen, sei so schlicht nicht möglich. „Dafür fehlt mir schon allein die Fläche“, sagt er. Jeder Quadratmeter auf seinem Grundstück koste ihn schließlich bares Geld. Und auch der weitere Abtransport müsse ja geklärt werden. Auch dazu gebe es noch keinerlei Absprachen.

Anlieferung von Verpackungsmüll in Gescher möglich

EGW-Pressesprecherin Simone Werk versucht derweil, die Wogen zu glätten – zumindest für die Verbraucher in Südlohn und Oeding: In der Regel würde eine 240-Liter-Tonne bei monatlicher Leerung für einen Vier-Personen-Haushalt ausreichen. Für den Fall, dass die Tonnen im Einzelfall nicht ausreichen sollten, hat sie für die Menschen in Südlohn und Oeding nur einen Rat: Verpackungsmüll müssten sie dann zum EGW-Wertstoffhof in Gescher bringen. Der ist für alle Gemeinden im Kreis Borken zuständig.

Auch sei es möglich, sich eine zusätzliche Gelbe Tonne zu bestellen. Das komme aber nur dann in Frage, wenn in einem Haushalt oder Betrieb dauerhaft mehr Verpackungsmüll entstehe. Eigentlich eine absolute Ausnahme.

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