Franz-Josef Rickers (64) bekommt von der Gemeinde Südlohn den Ehrenamtspreis 2021 verliehen. Hier reinigt er mit Kindern und Jugendlichen die Südlohner Stolpersteine. © Foto: Georg Beining
Ehrenamtspreis 2021

Franz-Josef Rickers: „Wollte immer was gegen Rechtsextremismus tun“

Franz-Josef Rickers (64) bekommt den Ehrenamtspreis 2021 der Gemeinde Südlohn verliehen. Ausgezeichnet wird damit sein Engagement in einem Themenbereich, das ein ganz düsteres Kapitel birgt.

Wenn der Südlohner Franz-Josef Rickers (64) in wenigen Tagen den Ehrenamtspreis 2021 der Gemeinde im Rathaus überreicht bekommen wird, ist es für ihn fast so etwas wie ein Heimspiel.

Schließlich ist der 64-Jährige seit Jahrzehnten politisch aktiv und sitzt für die WSO als sachkundiger Bürger im Bauschuss. Und doch: Es wird ein besonderer Moment sein. Ein Moment, der so nicht geplant war.

„Über die Auszeichnung bin ich schon überrascht, damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet“, sagt Franz-Josef Rickers im Gespräch mit der Redaktion. Verliehen bekommt er den Preis für seinen Kampf gegen das Vergessen.

Jüdisches Leben in Südlohn nicht vergessen

Das Vergessen darüber, was den Juden aus Südlohn während der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten einst Grausames widerfahren ist. 20 jüdische Bürgerinnen und Bürger – darunter auch Kinder – wurden im zweiten Weltkrieg deportiert und ermordet.

Darum organisiert Rickers jedes Jahr die Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht und die Reinigung der Südlohner „Stolpersteine“ in Zusammenarbeit mit dem Jugendwerk. Auch im 2001 gegründeten „Arbeitskreis für Toleranz gegen Rechtsextremismus und Gewalt“ setzt er sich gegen Ausländerfeindlichkeit und für Toleranz gegenüber allen Menschen ein.

Aufhören? Noch undenkbar

„Ich wollte schon immer was gegen Rechtsextremismus tun – auch gegen aktuelle Formen“, stellt der 64-Jährige klar. Und hört man Franz-Josef Rickers nur wenige Minuten zu, dann wird klar, dass hinter diesen Worten jede Menge Tatendrang steckt. Auch deswegen hat der Steinmetzmeister bisher noch keinen Gedanken ans Aufhören verschwendet, wie er sagt.

Eine seiner vielen Ideen ist es etwa, das Buch „Nie gehört“ von Ernst Brunzel, der bis zu seinem Tod 2014 den Südlohner Arbeitskreis wie kaum ein anderer mitprägte, als kostenloses E-Book aufzulegen. Denn aktuell gibt das Werk nur noch als PDF auf der Internetseite des Arbeitskreises. Digitalisiert in vielen, vielen Stunden Arbeit – von Franz-Josef Rickers.

Preisverleihung in einem besonderem Jahr

Übrigens hat die Preisverleihung für Rickers und sein ehrenamtliches Wirken auch eine starke symbolische Wirkung. Denn 2021 ist das Jubiläumsjahr für 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Doch letztlich zählt für den Preisträger etwas anderes: „Die jüngeren Generationen müssen einfach wissen, was da Abscheuliches passiert ist. So etwas darf nicht vergessen werden und nie wieder passieren.“

Genau deshalb ist das Preisgeld über 1500 Euro auch schon fest verplant. Natürlich für den Einsatz gegen das Vergessen. Ausbesserungen am jüdischen Friedhof in Südlohn, eine Lesung mit Zeitzeugen oder aber die angedachte E-Book-Version – überall kann das Geld gut gebraucht werden. „Es geht komplett in die Projektarbeit“, so der 64-Jährige.

Viele verdienen den Respekt des Preises

Und auch wenn er es ist, der den Ehrenamtspreis erhält, verdient haben viel mehr die damit verbundene Anerkennung, wie Rickers deutlich macht. „Die Ehre gebührt mir natürlich nicht alleine, sondern dem gesamten Arbeitskreis.“

Knapp ein Dutzend Südlohner engagieren sich in diesem. Und zusammen haben sie noch viel vor im Kampf gegen das Vergessen. Einzig und allein der „Nachwuchs“, wie es Rickert formuliert, mache etwas Sorgen. Darum sei man über jeden, der sich engagieren wolle, sehr froh. Schließlich müsse die Arbeit gegen das Vergessen immer weitergehen.

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