Für Familie Trovato wird die Ausgangssperre fast zur Routine

mlzCoronavirus

Mit ihrer Familie wurde Valeria Trovato aus Südlohn in ihrer Heimat Sizilien vom Coronavirus überrascht. Wann die Eisdielenbetreiberin wieder nach Südlohn kommt, ist völlig offen.

Südlohn

, 19.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Valeria Trovato harrt weiter in Sizilien aus. Vor vier Wochen hatte unsere Redaktion die Eisdielenbetreiberin aus Südlohn in ihrem italienischen Heimatort Valguarnera Caropepe erreicht. Das war Mitte März. Die Kontaktsperre in Deutschland war da noch nicht ausgerufen. In Italien galt schon eine strikte Ausgangssperre. Sie wurde inzwischen bis zum 3. Mai verlängert. Ob es dabei bleibt, kann im Moment niemand sagen.

„Man hat sich ja fast ein bisschen daran gewöhnt“, sagt Valeria Trovato seufzend. Vieles ist zur Routine geworden. Die Polizeikontrollen auf der Straße, die strikten Zugangsbeschränkungen vor den Supermärkten, die geschlossenen Geschäfte. Irgendwie versuche sie sich zu beschäftigen und sich mit ihrer Familie gegenseitig zu trösten. Das klappe natürlich mal besser, mal schlechter. Dennoch sei die Laune gut: „Man wird aber auch einfach ein bisschen ruhiger“, sagt sie. Der Horror der Anfangszeit sei etwas verflogen.

In Deutschland kann man wenigstens spazieren gehen

Dennoch blickt sie fast neidisch nach Deutschland. Den Kontakt zu vielen Südlohnern hält sie per Smartphone. „Ihr dürft wenigstens spazieren gehen“, sagt sie. In Italien bleibt selbst das verboten. Nur auf direktem Weg zwischen Wohnort, Arbeit, Supermarkt oder Apotheke dürfen sich die Menschen bewegen. Und auch nur einzeln. Die übrigen Familienmitglieder sollen zuhause bleiben.

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Gerade über die vergangenen Osterfeiertage sei es ihr und ihrer Familie besonders schwer gefallen, im Haus zu bleiben. „Am 3. Mai werden wir zwei Monate nur in unseren eigenen vier Wänden gewesen sein“, schildert sie. Erst jetzt bemerke man, wie groß die Freiheiten zuvor waren.

Kein Mittelmeer-Feeling trotz 25 Grad

Gerade seien es auf Sizilien 25 Grad. Ein herrlicher Frühlingstag. „Doch wir sitzen hier in unserer Wohnung“, berichtet Valeria Trovato. Einen Garten hat die Familie dort nicht. „Wir wohnen im Zentrum. Wir haben nur einen kleinen Balkon“, erklärt sie. Ein Ausflug ins Grüne oder gar ans Meer ist im Moment schlicht nicht möglich.

„Manchmal, wenn wir fernsehen, kommt dieser Gedanke hoch: ‚Guck mal, wie es noch vor wenigen Wochen war. Wie das Leben war‘“, schildert sie. Es komme ihr wie eine völlig andere Welt vor.

Coronavirus grassiert vor allem im Norden Italiens

Gleichzeitig zeigt sie aber auch viel Verständnis für die strikten Maßnahmen: „Es ist ja sogar noch unser Glück gewesen, dass relativ schnell alles geschlossen wurde“, sagt sie. Schließlich würden die Zahlen der Toten durch das Coronavirus ja weiter steigen.

Zwar hauptsächlich in Norditalien und damit ein Stück von Sizilien entfernt. Erschreckend seien die Zahlen trotzdem. „Wir müssen auch hier weiter vorsichtig sein, die Krankheit kann ja jederzeit wieder ausbrechen“, fügt sie hinzu.

Menschen machen sich Sorgen um wirtschaftliche Zukunft

Allerdings werde dabei die wirtschaftliche Situation natürlich nicht besser. „Die Menschen hier fragen sich, wie sie ihre Familien ernähren sollen, wenn sie nicht arbeiten können“, erklärt sie. Deswegen plane die Regierung in Italien wohl gerade daran, wie einzelne Industriezweige oder Betriebe nach und nach wieder in die Produktion gehen können. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. „Im Moment hängt alles vom 3. Mai ab. Dann müssen wir weitersehen“, so Valeria Trovato.

Wann sie zurück nach Südlohn kommt, bleibt offen

Was das für das Eiscafé Florenz in Südlohn bedeutet? So weit mag sie im Moment noch nicht denken. „Das Haus ist unser Eigentum“, erklärt sie noch. Wenigstens Miet- oder Pachtzahlungen fallen so weg. Wann sie aber wieder nach Deutschland kommen kann, geschweige denn wann und wie sie das Eiscafé Florenz wieder eröffnet – für Valeria Trovato sind das noch offene Fragen.

Ihr Wunsch und ihre Grüße nach Südlohn: „Dass wir alle gesund bleiben und uns bald auf ein Eis wiedersehen.“ Darauf freue sie sich.

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