Gemeinde hat (noch) keine belastbaren Zahlen zu fehlendem Wohnraum

mlzWohnraumkonzept

Mangelt es in Südlohn und Oeding an bezahlbarem Wohnraum? Das Gefühl sagt ja. Doch belastbare Zahlen fehlen. Daran könnte sich dieses Jahr noch etwas ändern.

Südlohn

, 12.02.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die SPD-Fraktion im Südlohner Rat würde gerne überzählige Flüchtlingsunterkünfte in der Gemeinde in sozialverträglichen Wohnungsbau umwidmen. Einen entsprechenden Antrag hat die Fraktion in der vergangenen Ratssitzung vorgelegt. Weit kam sie damit nicht. Die Ausschüsse der Gemeinde sollen zunächst darüber beraten. Ein Problem: Es gibt kein verlässliches Zahlenmaterial.

Zunächst aber zum konkreten Antrag: Die Verwaltung machte der SPD da nicht viel Hoffnung. Bei den vorhandenen Gebäuden der Gemeinde sei eine Umwidmung nur schwer umzusetzen. „In erster Linie handelt es sich dabei ja um alte Einfamilienhäuser“, erklärte Bauamtsleiter Dirk Vahlmann. Die in einzelne Wohnungen umzubauen, sei ja so nicht möglich. Bestenfalls in Einzelfällen könne das möglich sein. Die Verwaltung will das nun prüfen.

Vages Gefühl oder Wirklichkeit

Jörg Schlechter (FDP) wollte es in der Ratssitzung genauer wissen: „Woher kommt denn überhaupt die Information, dass in Südlohn und Oeding so dringend Wohnungen gesucht werden?“ Es sei zwar immer wieder die Rede von einem großen Bedarf, belastbare Zahlen kenne er aber nicht. Die gibt es so auch nicht.

Einen belastbaren Mietspiegel gibt es für die Gemeinde Südlohn nicht. Die Gemeinde behilft sich mit eigenen Aufzeichnungen: „Wir analysieren die Mietpreise, um Vergleichsmieten angeben zu können“, erklärt Bürgermeister Christian Vedder auf Nachfrage. Schließlich sei die Gemeinde in der Nachweispflicht, wenn es beispielsweise um die Übernahme der Mietkosten für Hartz-IV-Empfänger gehe. Eine Einschätzung zum Wohnungsmarkt mag er indes auch nur ungefähr abgeben: „Der Bedarf für kleine Wohnungen scheint da zu sein“, erklärt er gegenüber unserer Redaktion. Schließlich seien Wohnungen in neu gebauten Mehrfamilienhäusern in beiden Ortsteilen schnell vergriffen gewesen. Dabei beruht sein Urteil aber auch nur auf einer ungefähren Beobachtung.

Starke Nachfrage in allen Märkten

Exaktere Zahlen kann auch Uwe Schramm, Vorsitzender der Genossenschaft Wohnbau Münsterland, auf Anfrage am Montag noch nicht nennen. Die Genossenschaft hat im ganzen Münsterland über 1.600 Wohnungen – in unterschiedlichen Lagen und Kategorien. Freie Wohnungen in Südlohn oder Oeding kann aber auch sie gerade nicht anbieten. Für Uwe Schramm ist klar, dass es keinen Standort gebe, an dem kleine, barrierefreie und bezahlbare Wohnungen aktuell nicht enorm nachgefragt würden. „Wir stellen die starke Nachfrage teilmarktübergreifend fest“, erklärt er. Aber natürlich stelle sich die Situationn in Südlohn und Oeding grundlegend anders dar, als etwa in Bocholt oder gar Münster.

Genossenschaft kennt keine Wohnungsnot

„Man kann sagen, dass es in Südlohn und Oeding keine Wohnungsnot gibt. Der Markt ist hier vergleichsweise ausgeglichen“, erklärt er. Die qualifizierte Nachfrage nach diesen Objekten sei aber auf jeden Fall da. Genauere Untersuchungen werden in der ersten Jahreshälfte 2019 veröffentlicht: „Wir haben eine umfangreiche Münsterland-Studie in Auftrag gegeben“, so Uwe Schramm. Im Mai soll die veröffentlicht werden. „Dort werden wir den Wohnungsmarkt bis auf den Teilmarkt scharf herunterbrechen“, erklärt er.

Weitere verlässliche Zahlen sollen aber auch für Südlohn und Oeding erarbeitet werden: Ein umfassendes Wohnraumversorgungskonzept ist ein Baustein des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK). Die Entscheidung darüber hatte der Rat zuletzt nochmal verschoben – weil es noch offene Fragen zum Bau des Kulturbürgerhauses gab. Im März soll dazu eine Entscheidung gefällt werden.

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