Geplante Fahrradbrücke über die Schlinge könnte am Hochwasserschutz scheitern

mlzBurloer Straße-West

Eine einfache Brücke für Fußgänger und Radfahrer über die Schlinge sollte es werden. Doch es gibt ein Problem: den Hochwasserschutz. Wenige Meter Brücke könnten in die Hundertausende gehen.

Südlohn

, 27.02.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es sind nur wenige Meter Wasser, die die Bewohner des Neubaugebiets Burloer Straße-West vom Oedinger Ortskern trennen. Genauer gesagt, stellt das Flüsschen Schlinge für die Bewohner eine unüberwindbare Grenze zum Rest des Ortes dar.

45 Anwohner hatten sich deswegen mit einem Bürgerantrag an die Verwaltung gewandt. Sie forderten darin den zügigen Bau einer Brücke, um eine sichere Verbindung aus dem Süden von Oeding in den Rest des Dorfes zu ermöglichen.

Auch der Bau- und Planungsausschuss bekam das Thema auf den Tisch. Das Problem: Im Bereich der Jakobihalle – dort war die relativ kleine Brücke für Fußgänger und Radfahrer geplant – liegt das Überschwemmunggebiet der Schlinge. Vor diesem Hintergrund hatte die Verwaltung Alternativen prüfen lassen. Eine kleine und günstige Brücke, wie sie die Schlinge beispielsweise an der evangelischen Kirche überspannt, werde vom Kreis nicht genehmigt.

Brücke im Überschwemmungsgebiet darf Fluss nicht einschränken

Das erläuterte so auch Stefan Straukamp, Diplom-Ingenieur vom W+B-Ingenieure, im Ausschuss: „Die geplante Brücke liegt mitten im Überschwemmungsgebiet“, sagte er. Eine Brücke mit rund zehn Metern Spannweite würde den Durchflussquerschnitt deutlich einschränken. „Von der Unteren Wasserbehörde haben wir schon gehört, dass so eine Brücke an der Stelle nicht möglich wäre“, erklärte er den Politikern. Schon diese Brücke veranschlagte er allerdings mit rund 118.000 Euro Baukosten. „Das ist natürlich sehr grob geschätzt“, erklärte er. Allerdings seien die Baukosten gerade im Brückenbau in den vergangenen Monaten förmlich explodiert.

Eine weitere Variante stellte er im Ausschuss vor: Die Radwegbrücke würde deutlich länger angelegt und so auch einen Teil der Überflutungsfläche neben der Jakobihalle überspannen. Diese rund 60 Meter lange Brücke würde rund 525.000 Euro kosten.

Verwaltung schlägt Straßenbrücke als Lösung vor

Direkt daneben ist auf lange Sicht allerdings auch die Straßenbrücke für den Anschluss an die Ortsumgehung Oeding geplant. Deswegen hatte die Verwaltung vorgeschlagen, nur diese große Brücke zu bauen und den Rad- und Fußweg dort entlang zu führen. Kostenpunkt der großen Brücke: 2,23 Millionen Euro. Wann die jedoch gebaut wird, ist noch nicht abzusehen.

Doch das wollte Alois Kahmen (CDU) so nicht durchwinken. Ausgangspunkt aller Planungen sei immer gewesen, den Radverkehr zu stärken und das Radwegenetz auszubauen. „Wir sind nach wie vor der Meinung, dass eine Brücke dort möglich sein muss“, sagte er. Das würde im Zweifel auch die Untere Wasserbehörde sicherlich so akzeptieren. „Da muss man vielleicht auch einmal andere Stellen beim Kreis ansprechen“, schlug er vor.

Alois Kahmen schlägt Klappbrücke vor

Auch in angrenzenden Gemeinden gebe es ja vergleichbar kleine Brücken, die bei Hochwasser überschwemmt werden. Alternativ könne man ja eine Art Klappbrücke bauen, die bei Hochwassergefahr hochgeklappt oder abgebaut würde. „Wenn es eben irgendwie möglich wäre, sind wir dafür“, sagte er. Mit der Empfehlung der Verwaltung könne er jedenfalls nicht leben. „Da würden wir die schwächsten Verkehrsteilnehmer für 10 bis 15 Jahre hängen lassen“, sagte er.

Bürgermeister Christian Vedder startete einen Vermittlungsversuch: „Dinge, die früher genehmigungsfähig waren, sind es heute nicht mehr unbedingt“, machte er deutlich. Deswegen greife der Vergleich mit den alten Brücken zu kurz. Auch sei es am Ende ja nicht von Vorteil, wenn eine kleine Brücke direkt neben der ohnehin geplanten Straßenbrücke die Schlinge überspannen würde.

Brücke wird erst einmal noch nicht gebaut

So wechselten die Argumente hin und her. Kurz wurde sogar beraten, die große Straßenbrücke zu bauen, bevor es mit dem Bau der Ortsumgehung weitergeht. Doch auch das fand keine Zustimmung.

Am Ende – nach gut einer Stunde Diskussion – wurde die Verwaltung beauftragt, nach Fördermitteln für eine Brücke zu suchen. Gleichzeitig soll das Anliegen noch einmal mit dem Kreis Borken besprochen werden, um mögliche Alternativen zu finden. Etwa die Brücke etwas zu verschieben, um einen schmaleren Bereich des Überschwemmungsgebietes zu treffen.

Wilhelm Hövel traf es in seinem Schlusswort: „Die Brücke müsste ja schon da gebaut werden, wo wir sie angedacht haben. Verschiebt man sie um 150 Meter, könnten die Radfahrer ja auch eine der bestehenden Brücken nehmen.“

Eine neue Brücke über die Schlinge jedenfalls gibt es vorläufig noch nicht.

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