Mit Video: Über das Gerüst an der St.-Jakobus-Kirche über 14 Etagen hinauf bis zum Dach

mlzSanierung der Kirche

14 Etagen sind es bis zum luftigsten Arbeitsplatz in Oeding. Gerüstbauer Matthias Pohl freut sich über die Baustelle an der Oedinger Kirche. Den Ausblick genießt er aber nur selten.

Südlohn

, 29.02.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Turm der St.-Jakobus-Kirche ist seit Anfang der Woche komplett verkleidet. Das Gerüst für die Sanierung reicht bis zur Dachkante des Turms. 14 Etagen hoch.

Außen am Gerüst führen schmale Treppen in die Höhe. Matthias Pohl, Geschäftsführer des Gerüstbauunternehmens Pohl und Söhne aus Bottrop, läuft an diesem Freitag zügig die 140 Stufen hoch.

Aus Sicht des Gerüstbauers sind die beiden Einzelgerüste – das schon wieder abgebaute am Kirchenschiff und das jetzige Gerüst am Turm – gar nicht so unterschiedlich. „Bei beiden Gerüsten haben wir ungefähr 1000 Quadratmeter Gerüstfläche aufgebaut“, erklärt Matthias Pohl, während er ganz gemütlich die steile Stiege an der Außenseite des Gerüsts emporsteigt.

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Auch bei diesem Gerüst war die eigentliche Schwierigkeit, die Lasten richtig zu verteilen. So kann beispielsweise das Gerüst natürlich nicht auf dem Dach der Kirche abgestützt werden. Das würde der Dachstuhl des Gotteshauses nicht aushalten. Doch dafür gibt es ja die zig verschiedenen Stahlrohre, Traversen und Anker und Verschraubungen: Auf zwei Etagen des Gerüsts führen unzählige Versteifungen rund um den Kirchturm.

Zwei Stahlkränze fangen das Gewicht auf

„Das sind sogenannte Kränze“, sagt Matthias Pohl und deutet auf ein Gewirr aus Stangen, das sich zwischen zwei Etagen verzweigt. Handwerker sind dort gerade dabei, die Fugen freizuschneiden. Sie können sich nur gebeugt und krabbelnd bewegen. Kein angenehmer Arbeitsplatz, doch nur so ist der Gerüstaufbau möglich: „Durch die Kränze fangen wir das Gewicht des Gerüsts weiter oben am Turm auf und leiten es zu einer Seite“, erklärt Matthias Pohl.

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Gerüst an der St.-Jakobus-Kirche streckt sich fast 30 Meter in die Höhe

14 Etagen hoch reicht das Baugerüst an der St.-Jakobus-Kirche in Oeding. Bis in fast 30 Meter Höhe wird dort die Fassade saniert. Matthias Pohl vom Gerüstbauunternehmen Pohl und Söhne freut sich über die besondere Baustelle.
28.02.2020
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Das Gerüst am Turm der St.-Jakobus-Kirche.© Stephan Teine
Matthias Pohl, Geschäftsführer des Gerüstbauunternehmens Pohl und Söhne aus Bottrop, freut sich über die besondere Baustelle. "Ich bin ja sonst meist im Büro, umso schöner ist es, wenn ich mal wieder auf ein Gerüst komme – und dann gleich so hoch", freut er sich.© Stephan Teine
Der Blick vom Turm in Richtung Westen entlang der Jakobi- und Winterswyker Straße. © Stephan Teine
Matthias Pohl sieht sich die Kirchturmuhr aus nächster Nähe an. Die Zifferblätter sind recht simpel konstruiert: "Einfach dünnes Blech mit ein paar Nieten", sagt der Gerüstbauer. © Stephan Teine
Der Blick von oben auf die – ausnahmsweise einmal nur schwach befahrene – Jakobistraße.© Stephan Teine
Vom Kirchturm in Richtung Süden: Rechts im Hintergrund das Neubaugebiet Burloer-Straße West. Mittig der Turm vom Burghotel Pass.© Stephan Teine
Das Dach des Kirchturms soll vorerst nicht eingerüstet werden. © Stephan Teine
Der Blick in Richtung der Wohngebiete nördlich der Winterswyker Straße. © Stephan Teine
Ein luftiger Arbeitsplatz: In der 14. Etage, fast 30 Meter über dem Boden, endet das Gerüst.© Stephan Teine
Das Gerüst am Turm der St.-Jakobus-Kirche. Hoch über der Jakobistraße wird gerade die Fassade der Kirche saniert.© Stephan Teine
Genau berechnetes Puzzle: Ein Statiker hat vor dem Aufbau berechnet, wo welche Verschraubung sitzen muss und wie das hohe Gewicht des Gerüsts verteilt werden kann.© Stephan Teine
Der Blick vom Kirchturm in Richtung Gewerbegebiet am Woorteweg. Gut zu erkennen vorne links: Die Gebäude von Bruno Kleine.© Stephan Teine
Fast 30 meter bis zum Boden: Der Arbeitsplatz an der Spitze des Gerüsts ist nichts für schwache Nerven.© Stephan Teine
Fast 30 meter bis zum Boden: Der Arbeitsplatz an der Spitze des Gerüsts ist nichts für schwache Nerven.© Stephan Teine
Mit diesem Stahlgewirr wird das Gewicht des gesamten Gerüsts um den Turm verteilt und auf mehrere Stützen bis zum Boden abgeleitet.© Stephan Teine
Mit diesem Stahlgewirr wird das Gewicht des gesamten Gerüsts um den Turm verteilt und auf mehrere Stützen bis zum Boden abgeleitet. Die Handwerker müssen sich zwischen den Streben einen Platz zum Arbeiten suchen.© Stephan Teine
Schon vom Boden aus macht das Baugerüst ziemlichen Eindruck. Was sich alles hinter der Plane verbirgt ist von unten aber kaum zu sehen.© Stephan Teine
Schon vom Boden aus macht das Baugerüst ziemlichen Eindruck. Was sich alles hinter der Plane verbirgt ist von unten aber kaum zu sehen.© Stephan Teine

Dann deutet er auf mehrere Stahlrohre, die senkrecht nach unten führen. Gleich mehrere sind nebeneinander verschraubt und führen so die Last in Richtung Erdboden. Sorgen um die Standfestigkeit macht er sich nicht. „Das alles hat ja ein Statiker ganz genau berechnet“, sagt er und wippt ein paar Mal in der Hüfte, um sein Argument noch einmal zu untermauern.

Aussicht aus fast 30 Metern Höhe

Es geht weiter nach oben. 14 Ebenen hat das Gerüst aktuell. Es reicht genau bis zur Traufkante des Turmdachs. Dort oben in fast 30 Metern Höhe hat dann selbst Matthias Pohl für einen Moment keinen Blick für das Gerüst: „Was für eine Aussicht“, freut er sich an diesem sonnigen Freitagmorgen. „So eine Höhe haben wir auch nicht jeden Tag.“ Er selbst sitze ja mittlerweile meist nur noch im Büro. Umso schöner seien für ihn dann die Gelegenheiten, selbst einmal wieder ganz nach oben zu steigen.

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Auch seine Mitarbeiter hätten ihm von der Baustelle vorgeschwärmt. „Das hier oben ist natürlich schon etwas anderes als unsere normalen Aufträge“, sagt er. Besonders, als die Gerüstplane noch nicht hing. „Da steht man hier bei der Arbeit ja komplett im Wind.

Nach einem Moment auf der obersten Ebene reißt er sich dann aber doch von der Aussicht los. Die nächsten Projekte warten. Über die schmalen Treppen geht es wieder nach unten.

Gerüst am Kirchturm wird rund acht Wochen stehen

Matthias Pohl rechnet damit, dass das Gerüst am Turm noch rund acht Wochen stehen wird. „Die Handwerker haben ja schon ein Wahnsinnstempo vorgelegt“, sagt er und deutet auf die Schutthaufen, die sich in den verschiedenen Etagen des Gerüsts bereits angesammelt haben.

Die Sanierung der Außenhülle der St.-Jakobus-Kirche läuft seit Frühsommer 2019. Bistum und Kirchengemeinde investieren dort gerade rund 540.000 Euro. Sind die Arbeiten abgeschlossen, sollen der Umbau des Kirchenraums und der Neubau eines Gemeindezentrums beginnen. Vorher muss jedoch der Bewilligungsausschuss im Bistum über die Pläne entscheiden. Der Gemeinde wurden die Planungen im vergangenen Dezember vorgestellt.

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