Globale Geschichten

"Was liest Du? - International"

Es ist mucksmäuschenstill am Freitagabend im Jugendhaus Tipi an der Lindenstraße. 30 Zuhörer, viele von ihnen Jugendliche, lauschen aufmerksam und offensichtlich eingefangen von diesem besonderen Moment einer Sprache, von der sie kein Wort verstehen.

OEDING

von Georg Beining

, 23.11.2015, 18:24 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gespannt hörten die Besucher im Tipi den internationalen Vorlesern zu.

Gespannt hörten die Besucher im Tipi den internationalen Vorlesern zu.

Vor ihnen an einem kleinen Tisch mit einer Leselampe sitzt entspannt Issam Bagdadi und liest die Geschichte des Fastenmonats Ramadan - auf Arabisch.

Im Tipi heißt es seit etwa einer Stunde "Was liest Du?" - die neue Folge aus der Veranstaltungsreihe des Arbeitskreises gegen Rechtsextremismus und Gewalt für Toleranz (AK). In diesem Jahr haben sich die Mitglieder des AK eine "internationale" Version dieses Vorlese-Klassikers einfallen lassen, der stets am bundesweiten Tag des Vorlesens stattfindet.

Besondere Texte

Barbara Seidensticker-Beining, die Moderatorin des Abends, nannte für die Zuhörer die Motive: "Unsere Gemeinde hat sich verändert und ist bunter geworden." Daher habe man seitens des Arbeitskreises einige ausländische Mitbürger gebeten, ins Tipi zu kommen und für "Was liest Du?" jeweils einen besonderen Text vorzulesen.

Issam Bagdadi stammt aus Ägypten. Er lebt und arbeitet seit drei Jahren in Südlohn. Deutsch lernt er derzeit. Italienisch, Französisch und Englisch beherrscht er bereits. "Sprachen sind mein Hobby", erklärt er.

Natik Gasanov liest aus dem Briefwechsel eines indischen und farsischen Königs. Darin geht es um die Folgen von Fanatismus für Personen und ganze Länder. Natik ist verheiratet. Er und seine Frau stammen aus Aserbeidschan und haben zwei Kinder im Alter von zwei Jahren und zwei Wochen.

Die Familie lebt seit zehn Monaten in Südlohn. "Wir sind glücklich hier", betont er.

Texte übersetzen

Jana Adjmurzaeva stammt aus Dagestan, einer russischen Republik am Kaspischen Meer. Sie ist mit ihrer Tochter Rosi gekommen. Sie übersetzt den Text über Freundschaft, den ihre Mutter auf Russisch vorliest, ins Deutsche. Er beginnt mit den Worten: "Wir leben alle in einer Welt - und alle wollen glücklich sein."

Drei Wochen haben Jana, ihr Mann und die drei Töchter in Lagern verbracht, bevor sie nach Südlohn gekommen sind.

Am Ende liest Ninke Kamphuis. Sie ist in zwei Welten zu Hause: Bis zu ihrem neunten Lebensjahr lebte sie in Deutschland. Seither ist sie Winterswijkerin.

Ninke macht derzeit ein Praktikum im Tipi und studiert in Enschede. Sie hat ein Gedicht über den Frieden mitgebracht, das sie auf Niederländisch und Deutsch vorträgt. Es war ein ganz spezielles "Was liest Du?" im Jugendhaus Tipi. 

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