Grundschüler lernen "NEIN" zu sagen

Präventionsprogramm

SÜDLOHN Laut pöbelnd und mit Lederkappe und Cappie verkleidet, kommt Stefan Goronzi hinter der gelben Wand hervor und lässt sich auf den Stuhl neben Jasmin Schliek fallen. Die Schülerinnen und Schüler der vierten Klasse der St. Vitus-Schule Südlohn lachen laut los.

von Von Melanie Steur

, 30.10.2009, 19:27 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jasmin wird im Bus belästigt.

Jasmin wird im Bus belästigt.

„Wir stellen unser Programm zunächst den Eltern vor, damit sie wissen, was ihre Kinder über dieses Thema lernen“, erklärt Stefan Goronzi. Gerade im ländlichen Raum, hätten Eltern oft Berührungsängste bei diesem Thema, da die Kinder noch sehr behütet aufwachsen. „Das Argument, sie seien doch erst zehn Jahre alt, zieht nicht“, so Goronzi weiter. Überall werden die Kinder mit sexueller Gewalt konfrontiert. In drei Schulstunden lernen sie nun, wann sie „Nein“ sagen dürfen und müssen und wie sie sich in solch einer Situation richtig verhalten. Nach einer kurzen Begrüßung geht es los mit der ersten Szene: Jasmin hat eine neue Bürste bekommen und möchte Friseur spielen. Stefan lässt sich zunächst ganz entspannt verschönern. Als sie aber immer grober bürstet, verzieht er gequält das Gesicht. „Warum hast Du denn nicht gesagt, dass es Dir nicht gefällt?“, fragt Jasmin. Ein Nein-Gefühl zu haben sei richtig und wichtig, erklären die Theaterpädagogen den Kindern. „Nur Du kannst wissen, wie Du Dich fühlst und was Dein Körper mag“, sagt Jasmin. Bei der nächsten Szene sollen die Kinder aufzeigen, sobald sie glauben, dass sich Jasmin unwohl fühlt. Diese sitzt im Bus und plötzlich setzt sich ein Jugendlicher neben sie – die ersten Finger gehen in die Luft. Der Jugendliche berührt sie hin und wieder „zufällig“ – alle zeigen auf. „Jeder hat eine persönliche Grenze, die niemand überschreiten darf“, erklärt Stefan. Wo diese liegt, müsse jeder selbst für sich herausfinden.

Hiltrud Averkamp vom Förderverein der St. Vitus-Schule ist froh, dass das Präventionsprogramm auch in diesem Jahr wieder stattfindet. „Die VR-Bank Westmünsterland hat uns finanziell unterstützt, so dass die Teilnahme an ,Mein Körper gehört mir’ kostenlos für die Klassen ist. “Ihre Tochter wird die Szenen nachher zum ersten Mal sehen. „Ich bin gespannt, was für sie zuhause für Fragen stellen wird.“

Lesen Sie jetzt