Die Kleinbauern in Togo haben große Hoffnungen in die Arbeit und in das Projekt von Hermann Schulze Herking gesetzt. Dieser hofft nun auf viele Unterstützer. © privat
Entwicklungsprojekt

Hermann Schulze Herking: „Bauern in Togo setzen große Hoffnungen in mich“

Eine Landmaschinenstation will Hermann Schulze Herking in Togo aufbauen. Und damit Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Aktuell ist der Südlohner auf Heimatbesuch – und hofft auf Unterstützung.

Man spürt förmlich, wie er in der Sache aufgeht: Während Hermann Schulze Herking seine Fotosammlung mit Impressionen von seinem Einsatz in Togo präsentiert, sprudelt es nur so aus ihm heraus. Bunte Bilder vom Gewürzmarkt, von ungewöhnlichen Transportmethoden, von der Fußballbegeisterung der Menschen und natürlich von der Landwirtschaft, die dort überwiegend noch Handarbeit ist. Der Wunsch, so schnell wie möglich wieder vor Ort Hilfe zur Selbsthilfe leisten zu können, ist offensichtlich.

Die Resonanz seitens der Kleinbauern sei überwältigend, berichtet der Südlohner Landwirt.
Die Resonanz seitens der Kleinbauern sei überwältigend, berichtet der Südlohner Landwirt. © privat © privat

Einige Landmaschinen hat er bereits gesammelt, ebenso eine Werkstattausrüstung. Nun ist er auf der Suche nach einem gebrauchten Container für den Transport – und dabei hofft er auf Unterstützung. „Gerade Container wie auch die Frachtkosten sind in jüngster Zeit enorm teuer geworden“, erklärt der Südlohner.

Grundstück ist bereits erworben

Über ein Projekt einer Organisation aus Nottuln – „Ein Lächeln für Togo“ – hatte Hermann Schulze Herking eine neue Berufung für seinen Ruhestand gefunden (wir berichteten). Dabei hatte er Togolesen in gespendete Landmaschinen und in die Landwirtschaft eingewiesen. Diesen Weg will er fortentwickeln. Seine kommenden Jahre wird der Südlohner dem Vorhaben der Caritas der Diözese Kpalimé widmen, für die Kleinbauern der Region eine Landmaschinenstation aufzubauen.

„Das passende Grundstück in Gadjagan habe ich schon kaufen können“, berichtet der pensionierte Landwirt. Und Geräte stehen auch schon parat bei der Organisation in Nottuln. „Fräse, Scheibenegge, Hackmaschine, dazu ein Generator.“ Hermann Schulze Herking freut sich über die Unterstützung.

Die Landwirte vor Ort zeigten sich sehr aufgeschlossen und lernwillig.
Die Landwirte vor Ort zeigten sich sehr aufgeschlossen und lernwillig. © privat © privat

Nach der Rückkehr in Togo soll zunächst das Grundstück eingefriedet werden. „Die Menschen sind sehr arm, da ist Diebstahl schon ein Problem“, berichtet der Südlohner. Später will er die Kleinbauern vor Ort weiter in den Umgang und in die Pflege von Landmaschinen einweisen. „Zum einen können sich die Landwirte dort Maschinen nicht leisten, zum anderen muss man ihnen die Technik beibringen“, so der Südlohner.

Bei seinem Projekt in einem Waisenkinderdorf 2020 habe er mit ansehen müssen, wie ein nur zwei Jahre alter Traktor den Geist aufgab. „Sie wussten einfach nicht, was ein Ölwechsel ist. Und eine Fettpresse hatten sie noch nie gesehen“, berichtet Schulze Herking.

Landwirtschaftsministerium ist aufmerksam geworden

In einem weiteren Schritt geht es dann an den Ackerbau, speziell im Maisanbau. „Mais ist die Hauptpflanze dort, neben Wurzelpflanzen wie Maniok und Yams sowie Bohnen. Wenn er genug Wasser bekommt, dann gibt es dreimal im Jahr Mais“, berichtet er.

Wachstum gibt es dort ganzjährig. Das führe mitunter auch zu viel Wildwuchs. „Das Abmähen dieses mit Mulchmähern ist eine wichtige Aufgabe, zum anderen ist es das Einarbeiten zur Humusbildung als natürlicher Dünger“, zählt Schulze Herking die Schwerpunkte auf. „Sonst verbrennen sie es einfach“, ergänzt er.

Der pensionierte Landwirt trifft in Togo auf große Gastfreundschaft.
Der pensionierte Landwirt trifft in Togo auf große Gastfreundschaft. © privat © privat

Besonders freut es ihn, dass das Landwirtschaftsministerium in Togo seine Unterstützung bekundet hat. „Auf ein solches Projekt hat man lange gewartet“, so der Tenor. Auch sonst gebe es positive Entwicklungen in einem Land, in dem 40 Jahre eine Diktatur herrschte. Nun sind Anzeichen von Reformen erkennbar. „Der letzte Präsident hat viel Energie in den Aufbau der Infrastruktur investiert“, berichtet Hermann Schule Herking. Straßenbau, Stromversorgung, Brunnenbau – viele wichtige Schritte einem der ärmsten Länder der Welt.

50, 70, vielleicht 100 Jahre – so schätzt Hermann Schulze Herking den Rückstand der Landwirtschaft in Togo gegenüber seiner Heimat ein. Eine Mammutaufgabe, die er gerne annimmt. Die Resonanz motiviere ihn. „Die Bauern bekommen leuchtende Augen, wenn ich vom Traktor springe“, berichtet der Entwicklungshelfer. Die Wissbegierde sei enorm, auch der Lernwille. „Dort läuft vieles über Mund-zu-Mund-Propaganda“, könne sich Schulze Herking über Zulauf nicht beklagen. Auch der Zusammenhalt in den Familien fördere dies.

Südlohner hat schon viele Freunde gewonnen

Nun sehnt Hermann Schulze Herking die Rückkehr nach Togo herbei. Für ihn kein großer Schritt. „Ich bin gesund, habe vor Ort in den sieben Monaten schon viele Freunde und Bekannte gewonnen, habe eine Wohnung zur Miete“, sagt er. Er helfe einfach gerne. Und er weiß eines: „In Togo kann ich mit wenigen Mitteln viel erreichen!“ Um sich an das Klima mit bis zu 40 Grad im Sommer zu gewöhnen, brauche er „eins, zwei Wochen“.

Er muss sich dann dem Tagesrhythmus anpassen. „In der Mittagssonne ist die Einstrahlung zu groß, dann wird nicht gearbeitet“, erklärt der staatlich geprüfte Landwirt mit Ausbildereignung. Etwas schwieriger gestalte sich die Kommunikation. „Das Französisch hat schon einen besonderen Akzent.“

Nicht nur die Maschineneinweisung, auch der Ackerbau steht im Zentrum des Projekts.
Nicht nur die Maschineneinweisung, auch der Ackerbau steht im Zentrum des Projekts. © privat © privat

Bis dahin hofft der Südlohner nun auf weitere Unterstützung in der Heimat – finanziell wie materiell. „Man hat mir mitgegeben, dass unter anderem auch gebrauchte Arbeitsschuhe ab Größe 40 oder auch Freischneider gewünscht sind“, so Hermann Schulze Herking. Sollte ein Container gefunden und finanziert sein, so sei dieser noch nicht ausgelastet. Er hab auch schon erste positive Rückmeldungen aus der Landmaschinenindustrie erhalten, das wäre „ein enormer Schritt“: „Es tut sich was.“ Und er schiebt nach: „Die Bauern in Togo haben große Hoffnungen in mich gesetzt.“

Spenden können an gemeinnützigen Verein geleistet werden

Spenden können an den gemeinnützigen Verein Africatrack Deutschland (Infos auf: www.africatrack.de) seiner Freundes Werner Schmeing geleistet werden – „natürlich auf Wunsch gegen Spendenquittung“, erklärt Schulze Herking. Wer sich weiter über dieses nachhaltige Projekt informieren wolle, der könne dieses über die eigens erstellte Homepage tun (www.landmaschinen-fuer-togo.com).

Für Hermann Schulze Herking wäre es eine besondere Erfüllung, wenn auf seinem Grundstück irgendwann einmal die Landmaschinenstation stehen wird. „Das Grundstück liegt schon etwas außerhalb. Viellicht bau ich mir dort dann auch ein kleines Heim“, so der Südlohner.

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