Hobbyangler machen aus einem Regenrückhaltebecken ein echtes Biotop

Fischereiverein

Mitglieder des Fischereivereins haben das Regenrückhaltebecken an der Daimlerstraße in Oeding renaturiert. Direkt am Industriegebiet tummeln sich jetzt Insekten, Vögel und Fische.

Oeding

, 15.07.2018, 19:27 Uhr / Lesedauer: 3 min
Hobbyangler machen aus einem Regenrückhaltebecken ein echtes Biotop

Jugendleiter Jürgen Gesing mit „seinem“ Projekt: Das Regenrückhaltebecken hat er zusammen mit Jugendlichen des Fischereivereins Gemen-Burlo-Gelsenkirchen zu einem echten Biotop umgestaltet. © Stephan Teine

Hinter den Gewerbehallen an der Daimlerstraße versteckt sich ein echtes Kleinod: Am Regenrückhaltebecken hat der Fischereiverein Gemen-Burlo-Gelsenkirchen ein Biotop geschaffen. Wildblumen statt kahler Betonufer, Nisthilfen und Insektenhotels statt eines toten Gewässers.

Im hinteren Teil des Geländes hat der Verein ungefähr 300 Kubikmeter Erde ausgekoffert. Dort ist eine Flachwasserzone entstanden. „Wir hoffen, dass sich hier Eisvögel ansiedeln. Passende Nisthilfen haben wir schon aufgestellt“, sagt Jürgen Gesing. Er ist Jugendleiter des Vereins und treibende Kraft für die Umgestaltung des Gewässers.

Der Oedinger hatte vor einigen Jahren die Idee und hat sie mit viel Elan und noch mehr Durchhaltewillen umgesetzt. „Allein die Genehmigungen zu bekommen, hat schon Jahre gedauert“, sagt er. So war das Becken ursprünglich nur eine abwassertechnische Anlage. Sie sammelt das Regenwasser aus den umliegenden Straßen und gibt es nach und nach in Richtung Schlinge ab.

Kleines Gewässer für den großen Erfolg

Doch warum der Aufwand? „Wir brauchten ein kleines Gewässer“, erzählt Jürgen Gesing. Um die Jugendlichen für die Fischerei zu begeistern und ihnen einen leichten Einstieg zu ermöglichen. „Kinder brauchen einen Erfolg, um bei Laune zu bleiben“, sagt er. Deswegen sei das Gewässer am Oedinger Ortsrand ideal für die Jugendförderung im Verein. 30 der ungefähr 150 Mitglieder sind zwischen zehn und 16 Jahren alt und machen im Verein die ersten Erfahrungen mit der Fischerei. „Es geht um Natur, um heimische Fischarten und ein ganzheitliches Biotop“, sagt Gesing.

Hobbyangler machen aus einem Regenrückhaltebecken ein echtes Biotop

Die schwere körperliche Arbeit hat sich für alle Beteiligten mehr als gelohnt. © Stephan Teine

Die Insekten, die sich durch die vielen Pflanzen dort aufhalten, seien ideales Futter für die Fische. Und auch die Vögel, die dort einmal nisten sollen, werden sich – wenn es nach Jürgen Gesing geht – in das Biotop einfügen. Mit Sport möchte er die Fischerei nicht verbunden wissen, auch wenn viele Angelvereine den Sport noch mit im Namen führen. So werden die Fische, die der Verein in Oeding angelt, auf jeden Fall verwertet. „Zuletzt haben wir zum Beispiel direkt hier am Wasser den Fisch ausgenommen und gebraten“, erzählt er. Dabei achtet er darauf, dass sich nur heimische Arten dort ansiedeln können: zum Beispiel Karpfen, Schleien oder Rotaugen.

„Ein Träumchen für unsere Jugendarbeit“

Mit Kindern und Jugendlichen zusammen arbeitet Gesing seit rund zwei Jahren regelmäßig am Regenrückhaltebecken. „Wobei man es ja so eigentlich nicht mehr nennen dürfte“, sagt er, während er auf Wildwiese, Nisthilfen, und die Fischschwärme im Gewässer weist. Auch wenn es lange gedauert hat, bis die Arbeit anfangen konnte: „Als wir endlich grünes Licht hatten, war das schon ein Träumchen für unsere Jugendarbeit“, erinnert sich der Jugendleiter mit einem Strahlen im Gesicht. Ohne das enorme ehrenamtliche Engagement und viele Sponsoren und Förderer wäre das Projekt nie möglich gewesen.

Und die harte Arbeit kommt gut an: So war jetzt gerade der WDR mit einem Kamerateam vor Ort. Für eine Kindersendung hat es Aufnahmen rund um die Themen Naturschutz und Angeln gemacht. Eine Auszeichnung, wie Jürgen Gesing findet. Der Kontakt kam über den Landesfischereiverband Westfalen-Lippe zustande. „Man kennt sich unter Anglern eben“, sagt er lächelnd. Und bei besonderen Projekten würden die Nachrichten eben umso schneller verbreitet.

Hobbyangler machen aus einem Regenrückhaltebecken ein echtes Biotop

Früher war das Regenrückhaltebecken eine reine abwassertechnische Anlage, jetzt tummeln sich dort Insekten und Schmetterlinge. © Stephan Teine

Auf dem Areal bereitet er gerade noch ein großes Geländespiel vor: Zwischen Bienenhotel, Obstbäumen, Flachwasser, Totholz und heimischen Fischen sollen junge Spieler Fragen beantworten und so spielerisch etwas über die Natur lernen.

Exkursionen, Lehrpfad und Nisthilfen für Störche

Das kleine Biotop im Oedinger Gewerbegebiet soll den Großteil des Jahres sich selbst überlassen bleiben. Vor allem der hintere Bereich, dort wo der Verein die Flachwasserzone angelegt hat, soll wieder fast komplett zuwuchern. Zäune und Tore hindern Neugierige am Zutritt. Die stammen noch von der Gemeinde. Auch Angler werden wohl eher selten an dem Gewässer fischen. „Mit den Jugendlichen werden wir vielleicht zwei oder dreimal im Jahr hier sein – dann aber für einen ganzen Tag“, sagt der Jugendleiter.

Ein paar große Ideen hat er noch: Zum Beispiel Exkursionen mit Kindergärten oder Grundschulen, ein kompletter Lehrpfad oder die Ansiedlung von Eidechsen, eine Nisthilfe für Störche oder, oder, oder. Bis es soweit ist, braucht Jürgen Gesing aber noch etwas Zeit. „Und vielleicht noch ein paar Fördermittel“, fügt er grinsend hinzu.

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