Bürgermeister Werner Stödtke hat eine Fensterbank voller Erinnerungen. Wie das alte Bewerbungsfoto, das ihm die Kollegen in den Bürgermeister-Notfallkoffer gepackt hatten. © Christiane Hildebrand-Stubbe
Neues Rathaus-Büro

Im Dienstzimmer von Bürgermeister Stödtke lebt die Erinnerung

Manchmal vertut er sich. Zuerst will er die Stechuhr bedienen, dann das falsche Büro aufschließen. Dabei hat das Amtszimmer von Bürgermeister Werner Stödtke schon seine persönliche Note.

Werner Stödtke, 53, Diplom-Verwaltungswirt, ist so etwas wie ein Urgestein der Südlohner Gemeindeverwaltung, ist schon 35 Jahre lang hier tätig. Zuletzt in der Funktion des Fachbereichsleiters Zentrale Dienste. Bis zur Bürgermeisterwahl am 13. September. Und ja, da ist es auch nach rund drei Monaten für ihn noch keine Selbstverständlichkeit geworden, automatisch die Treppen bis in den obersten Stock hinaufzusteigen. Dort, wo sich das offizielle Dienstzimmer von Südlohns Erstem Bürger befindet.

Bürgermeister Werner Stödtke an dem Stehpult neben seinem Schreibtisch. An der Wand dahinter das Lenkrad-Bild, daneben die Kinderwünsche.
Bürgermeister Werner Stödtke an dem Stehpult neben seinem Schreibtisch. An der Wand dahinter das Lenkrad-Bild, daneben die Kinderwünsche. © Christiane Hildebrand-Stubbe © Christiane Hildebrand-Stubbe

Auf den ersten Blick ein schlichter Funktionsraum mit Wandschränken aus Metall, Schreibtisch und Besprechungsecke. Schalldicht für diskrete Gespräche. Auf den zweiten erkennt man aber, dass der neue Nutzer hier schon seine Handschrift hinterlassen hat. Stödtkes Wunsch: „Trotz nüchterner Sachlichkeit soll man sich hier auch wohlfühlen.“ Das ist nicht nur auf die eigene Person gemünzt, sondern vor allem auf die Besucher. Die Zeiten, in denen man im „Chefzimmer“ einem „Büro-Bollwerk“ gegenüber saß, sind schließlich längst passé.

Keine Neuanschaffungen

Allerdings hat die persönliche Einflussnahme auf das Design seines Arbeitsplatzes auch klare Grenzen. Vor allem die selbst gesetzten. Für eine Umgestaltung hätte der neue Bürgermeister nämlich sogar Geld einsetzen können, hat aber bewusst darauf verzichtet: „Das Mobiliar stammt größtenteils von meinem Vorgänger Christian Vedder: der Schreibtisch, die Sitzecke.“

Hochzeitsgeschenk des Schwagers, der sich am ersten Werner-Film orientierte.
Hochzeitsgeschenk des Schwagers, der sich am ersten Werner-Film orientierte. © Christiane Hildebrand-Stubbe © Christiane Hildebrand-Stubbe

Die Bilder aber sind schon die Entscheidung Werner Stödtkes. An der Wand hinter seinem Schreibtisch hängt das markanteste: In der Mitte eines auf zwei Platten zusammengefügten „Strudels“ in Gelb-Rot-Orangetönen befindet sich das Lenkrad eines alten amerikanischen Straßenkreuzers. „Der Lenker – ein vielsagendes Geschenk meines Amtsvorgängers bei meinem Start als Fachbereichsleiter“, erklärt er. Viel persönlicher ist aber das Drumherum. Eine reine Familienangelegenheit. Ehefrau und Hobbymalerin Claudia hat für die Kunst gesorgt, Ehemann Werner das Ganze montiert.

Kinderwünsche als Erinnerung

Direkt daneben hat der Bürgermeister Zukunftswünsche der Kinder festgehalten, die ihn im Zusammenhang mit der Planung des Baugebietes Scharperloh erreicht haben. Sozusagen als Reminder, dass sie bei künftigen Planungen im Ort nicht in Vergessenheit geraten.

Ein Wunschzettel von Kindern hängt auch an der Wand in Werner Stödtkes Dienstzimmer. Damit der Bürgermeister die Wünsche nicht vergisst.
Ein Wunschzettel von Kindern hängt auch an der Wand in Werner Stödtkes Dienstzimmer. Damit der Bürgermeister die Wünsche nicht vergisst. © Christiane Hildebrand-Stubbe © Christiane Hildebrand-Stubbe

Ebenfalls von Ehefrau Claudia stammt das Bild an der gegenüberliegenden Wand: von Grüntönen eingerahmt ist die Gemeindekarte. Allerdings noch in alter Größe ohne den aktuellen Verkauf. Einen Platz auf dem quadratischen Bild hat auch ein Konterfei Stödtkes, der die Entscheidung für die Auswahl der Kunst so kommentiert: „Ich habe ein Faible für Kunst, die in irgendeiner Weise nachvollziehbar ist.“ Und die intensive Farbigkeit der Bilder war ihm auch ein Anliegen. „Die Farbakzente als Kontrast zur nüchternen Umgebung.“ Das eine oder andere Bild fehle noch, er sei aber noch für Zuwachs offen.

Begleiter aus früheren Zeiten

Eigentlich hat er fast alle Dinge, die ihn jetzt auch als Bürgermeister begleiten, von seinem alten Arbeitsplatz mitgebracht. Wie das alte Stehpult, an dem er nach wie vor einige Arbeiten erledigt. „Ja, ich bin durchaus etwas sentimental“, gibt er zu. Nirgendwo wird das deutlicher als bei den Sammelstücken auf der Fensterbank. Allesamt sehr persönliche Erinnerungsstücke. Da ist die hölzerne Nachbildung der Comic-Figur Werner plus Gefährt. Ein Eigenbau seines Schwagers und Geschenk zur Hochzeit von Claudia und Werner Stödtke.

Moderne Kunst und alte Gemeindegrenzen
Moderne Kunst und alte Gemeindegrenzen © Christiane Hildebrand-Stubbe © Christiane Hildebrand-Stubbe

Oder der Bürgermeister-Notfallkoffer mit Fusselrolle und Rescue-Tropfen und anderen wichtigen Utensilien für den Ernstfall, den ihm Kollegen zur Wahl mit auf den Weg gaben. Auf der Fensterbank haben auch Fotos von Ehefrau und Kindern ihren Platz. Neben Bastelarbeiten der Tochter aus Kindergartenzeiten oder anderen familiären Geschenken.

Am Fenster daneben fristet klassisches Büro-Grün ein eher freudloses Dasein, das der Bürgermeister durch andere Pflanzen gerne noch aufhübschen möchte. Ebenso klassisch wie nüchtern ist das Licht, das aus Leuchten an der Decke den Raum erhellt. „Die entsprechen der Arbeitsstättenverordnung, das ist ja auch kein Wohnzimmer“, betont Stödtke.

Mehr am Herzen liegt ihm aber ohnehin das technische Equipment rund um den Schreibtisch – zwei Bildschirme, ein neuer Scanner. Er versuche, möglichst digital zu arbeiten, und mache den Mitarbeitern klar: „Ich möchte keine Zettel.“

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