Im Henricus-Stift ist die Krätze ausgebrochen

Seniorenheim

Ein Wohnbereich des Hauses steht quasi unter Quarantäne, die Mitarbeiter betreten den Trakt nur noch in besonderer Schutzkleidung: Im Seniorenheim Henricus-Stift ist die Krätze ausgebrochen. Es herrscht Ausnahmezustand.

SÜDLOHN

, 02.09.2014, 18:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das muss vor etwa zwei Wochen passiert sein, schätzt Albers. Als die Krankheit in einem ersten Fall auftrat, sei sie aber zunächst noch nicht als Krätze, lateinisch Skabies, erkannt worden. „Das ist sehr schwierig zu diagnostizieren“, sagt Albers. Ärztliche Hilfe sei umgehend hinzugezogen worden. Schließlich habe sich das Auftreten der Scabies als Ursache für die Symptome erwiesen. Jochen Albers ist froh, dass er in der akuten Situation eine externe Hygienebeauftragte im Hause hat, die das Team des Henricus-Stifts unterstützt. Auch das Gesundheitsamt des Kreises Borken sei vor Ort gewesen, um sich ein Bild von der Lage zu machen und um Informationen zu geben.

Die wichtigste Maßnahme, die umgehend umgesetzt worden ist: Der betroffene Wohnbereich wurde isoliert. Dennoch sind die 21 Bewohner dort nicht sich selbst überlassen. „Die Pflege muss ja weitergehen“, unterstreicht Albers, dass das Team die Verantwortung für die Betroffenen aktiv wahrnimmt. Die Pflegekräfte tragen Schutzkittel und entsprechende Handschuhe, wenn sie nun den isolierten Wohnbereich des Seniorenheims betreten. Das gilt auch für Besucher, die nach wie vor zu den Bewohnern in dem betroffenen Bereichkönnen: „Sie müssen allerdings die Verhaltens- und Schutzmaßnahmen beachten“, so Albers. Veranstaltungen des Hauses sind abgesagt worden.

Da der Befall sich durch Körperkontakt überträgt, sind auch einige Pflegerinnen und Pfleger betroffen: Sie hatten Bewohner mit Krätze berührt, bevor dieser Umstand klar geworden war. Albers: „Die betroffenen Mitarbeiter, etwa eine Handvoll, sind sofort krankgeschrieben worden.“ Der Verwaltungsleiter betont, dass sofort alle Maßnahmen ergriffen worden sind, um eine weitere Verbreitung zu verhindern. Die Behandlung an sich sei eigentlich recht einfach – sie bestehe im Normalfall im Auftragen einer Salbe. Darüber hinaus gibt es viel zu tun: Die Bettwäsche in dem Wohnbereich werde täglich gewechselt und chemisch gereinigt, ebenso die Kleidung. Die Haustextilien würden durch einen besonders starken Spezialsauger gereinigt.

„Das ist die schlimmste Situation, die ich in meinen bislang elf Jahren als Leiter des Henricus-Stifts hatte“, bekennt Albers ganz offen. Aber er steckt den Kopf nicht in den Sand, sondern zeigt sich zuversichtlich: „Das bekommen wir in den Griff.“ Daher freut sich Albers, von allen Seiten viel Unterstützung zu erfahren. Ein dickes Lob hat er für die befreundeten Krankenhäuser und Altenheime: Ganz unbürokratisch haben diese geholfen, als es zunächst darum ging, überhaupt Einmal-Kittel und Handschuhe in ausreichender Zahl zur Verfügung zu haben: „Das war richtig kameradschaftlich.“

Ganz wichtig sei aber auch die Unterstützung der Mediziner in der Frage der Information gewesen. Dr. Gerhard Ettlinger vom Kreis Borken habe im Hause einen Vortrag zum Thema gehalten, auch die örtlichen Mediziner waren zugegen: „Das hat die Aufregung, die verständlicherweise entstanden war, wieder zurückgehen lassen. Inzwischen sei so etwas wie Routine in der Krisenbewältigung entstanden. Und zu diesem Krisenmanagement gehörte nun auch der bewusste Schritt in die Öffentlichkeit. Albers: „Transparenz ist in einer solchen Lage das Beste, um Gerüchte zu verhindern.“

  • Krätze (Scabies) wird durch eine Milbe übertragen.
  • Hautreaktionen treten erst Wochen nach der Infektion auf. Sie sind das Zeichen für eine Immunreaktion des Körpers.
  • Die Therapie erfolgt durch Auftragen einer speziellen Salbe oder einer Emulsion.
  • Um Übertragungen zu vermeiden, sind gründliche hygienische Vorkehrungen wichtig.
  • Maßnahmen in Gemeinschaftseinrichtungen werden durch das Infektionsschutzgesetz geregelt.
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