In Südlohn und Oeding müssen bis 2025 jährlich 55 Wohnungen gebaut werden

mlzPestel-Studie

Auch in Südlohn und Oeding werden bezahlbare Wohnungen knapp. Die Politik muss vor Ort eine Lösung für das Problem finden. Theoretische Betrachtungen von außen sind nur eine kleine Hilfe.

Südlohn

, 11.02.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die gute Nachricht vorweg: Auch wenn in Südlohn Wohnungen fehlen, zumindest was die Preise angeht, soll die Welt in der Gemeinde noch in Ordnung sein. Das hat Matthias Günther, Diplom-Ökonom und Leiter des Pestel-Instituts, am Mittwochabend im Rat der Gemeinde gesagt.

Dort stellte er den Südlohner Politikern die sogenannte Pestel-Studie vor. Darin wurde der Wohnungsmarkt im Münsterland untersucht – bis in die einzelnen Kommunen hinein.

55 Wohnungen müssen pro Jahr gebaut werden

Einer der Kernpunkte der Untersuchung: Um den aktuellen Bedarf an Wohnungen in der Gemeinde zu decken, müssen in Südlohn jedes Jahr etwa 55 Wohnungen gebaut werden. „Das entspricht ja schon der langjährigen Bautätigkeit im Ort“, sagte er. Bis ins Jahr 2025 sei das nötig. Danach werde die Zahl an Erwachsenen im Ort nicht weiter steigen. Auch hohe Zuwanderung aus der Umgebung könne daran kaum etwas ändern. Weil die Bevölkerung immer älter werde, steige auch die Zahl der Sterbefälle. Gleichzeitig wachse aber die Zahl der Geburten langsamer an.

Das bedeutet vor allem auch für die bestehenden Wohngebäude eine große Änderung: „In immer mehr Einfamilienhäusern wohnen alte Menschen alleine“, erklärte Matthias Günther. Sie seien förmlich an die Häuser gebunden, weil sie sich die Miete einer kleineren Wohnung gar nicht leisten könnten.

Mehr Beratung für ältere Menschen in Einfamilienhäusern

Deswegen müsse es als erstes mehr Beratung für den Umbau dieser Einfamilienhäuser geben. „In den meisten Fällen wäre es kein Problem, dass in diesen Häusern bis zu drei Personen wohnen würden“, so Matthias Günther weiter. Das Problem sei allerdings, dass es noch zu wenig Standards und zu viele Einzellösungen gebe. „Das ist dann meist wieder mit enormen Kosten verbunden“, machte er deutlich.

Allerdings betonte er auch, dass die Vorausberechnungen der Bevölkerung alles andere als verlässlich sind. „Dabei handelt es sich immer nur um die Fortschreibung der jüngsten Vergangenheit“, sagte er. Schon kurze Zeit nach so einer Berechnung könne die Realität wieder völlig anders aussehen.

Südlohn braucht in Zukunft mehr Zuwanderung

Aufgrund der aktuellen Bevölkerung sei aber sicher, dass Südlohn in Zukunft mehr Zuwanderung von außen braucht. „Wenn die geburtenstarken Jahrgänge das Ruhestandsalter erreichen“, erklärte er. Nur so könnten dann die Arbeitsplätze in der Gemeinde besetzt werden.

Das alles müsse jedoch von der Politik gesteuert werden. Sei es beim Thema seniorengerechtes Wohnen, bei zukünftigen Sozialwohnungen oder auch bei der Verhinderung von Grundstücksspekulationen: „Gegen die Bodenspekulation hilft nur eine langfristig angelegte Bodenpolitik.“ Etwa durch eine Vorkaufssatzung könnte die lokale Politik neue Flächen erwerben und so langfristig nur noch kommunale Flächen überplanen.

Flächen nur noch im Tausch zu bekommen

Viele Gemeinden würden schon heute jede Fläche kaufen, die sie bekommen können. „Gar nicht mal, um dort überall Baugebiete auszuweisen, sondern um Tauschflächen in der Hand zu haben“, erklärte der Ökonom. Denn andere Flächen aus der Landwirtschaft seien heute nur noch durch diese Tauschflächen zu bekommen.

Politik muss den Weg in die Zukunft gestalten

Zahlen hin oder her, am Ende müssen die Politiker entscheiden, was sie mit dem Ergebnis der Untersuchung machen. Das erklärte auch Matthias Günther: „Ich kann eine Menge rechnen, aber ich bin kein Orakel. Sie müssen wissen, was Sie wollen“, sagte er den Politikern ganz deutlich.

Die Erkenntnisse aus der Untersuchung wollen sie in das beschlossene Wohnraumkonzept für die Gemeinde einfließen lassen.

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