Jakobskreuzkraut: Auch in Südlohn und Oeding lauert die gelbe Gefahr

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Es sieht wunderschön aus, wenn es zurzeit so goldgelb leuchtet auf Wegen und Weiden. Eine trügerische Schönheit! In dem Gelb lauern große Gefahren. Durch das giftige Jakobskreuzkraut.

Südlohn

, 21.07.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man sieht es auch in Südlohn und Oeding gerade wieder an vielen Stellen: Das hochgiftige Jakobskreuzkraut oder Jakobs-Greiskraut erobert seit Jahren auch das Münsterland. Man trifft es am Weges- und Straßenrand, auf Brachflächen, Baugrundstücken und gerne auf Weiden, auf denen Pferde, Rinder und Schafe grasen und selbst in privaten Gärten.

Massenhafte Ausbreitung seit 2004

Für die Landwirtschaftskammer NRW stellt das Jakobskreuzkraut ein großes Problem dar, mit dem sie schon seit 2004 zu tun hat. Seitdem nämlich breitet sich die Pflanze, die übrigens schon lange hier beheimatet ist, geradezu massenhaft aus. Eine ernste Gefahr für Tiere, aber auch für den Menschen.

Für Südlohns Bürgermeister Christian Vedder ist daher klar, wie wichtig es ist, immer wieder auf die Gefährlichkeit der Pflanze hinzuweisen. Im öffentlichen wie im privaten Bereich: „Die Mitarbeiter des Bauhofs haben ein wachsames Auge darauf, Jakobskreuzkraut bei Bedarf zu beseitigen.“ Vedder, selbst Pferdehalter, weiß ganz genau um die giftige Wirkung des Jakobskreuzkrautes und wirbt dafür, dass in der Bevölkerung ein Bewusstsein für die Gefahr entwickelt wird, dass auch im privaten Umfeld etwas gegen die Ausbreitung unternommen wird. Allerdings weist er daraufhin, dass die Pflanzen keinesfalls über die Biotonne entsorgt werden sollten.

Giftig in allen Teilen

Das Jakobskreuzkraut, dessen Namen von Jacobi (25. Juli) abgeleitet ist, der Zeitpunkt, in dem es seine Blütezeit hat, ist nämlich in allen Teilen giftig. Auslöser sind so genannte Pyrrolizidin-Alkaloide, die zu schweren Leberschäden bei Mensch und Tier führen können. Das Tückische: Sollte zum Beispiel ein Pferd die Pflanze häufiger fressen, kommt es zu einem chronischen Verlauf der Lebervergiftung. Die schwerwiegenden Symptome treten erst verzögert, manchmal erst nach Monaten auf. Immer wieder kommt es sogar zu Todesfällen bei Tieren.

Während Rinder und Schafe weniger wählerisch sind und die frische Pflanze beim Grasen mitfressen, wird sie für Pferde erst bei Heu oder Silage zum Problem. Anders als andere Giftpflanzen behält es seine Giftigkeit nämlich auch nach dem Trocknen.

Gefährlich auch für den Menschen

Und wie gefährlich ist der Kontakt mit Jakobskreuzkraut für den Menschen? Durch den kurzfristigen Kontakt werde es kaum zu gravierenden gesundheitlichen Störungen kommen, da sind sich Experten einig. Gefährdet sind allerdings besonders Kinder, die die Giftigkeit der „Blume“ nicht kennen und es über längere Zeit zu einer Berührung kommt. Und viele Menschen bewundern die Blütenpracht der Pflanze und wissen gar nicht, wie giftig sie ist.

Denn auch über die Nahrungskette können die giftigen Alkaloide dem Menschen gefährlich werden. Sie wurden in Milch und Honig bereits nachgewiesen. Ottmar Rosworra, Imker in Südlohn, ist das bekannt und erinnert sich an einen Fall in Norddeutschland, als eine ganze Ernte betroffen war und vernichtet werden musste. „Hier bei uns ist mir allerdings kein Fall bekannt, dass Honig stark belastet war.“ Der Imker verweist auch darauf, dass das angesichts einer Reihe an Kontrollwegen sofort auffallen würde und dann die Tracht sofort aus dem Verkehr gezogen werden müsste.

Als Imker wisse man zudem, wo die Pflanzen stehen, zu denen die Bienen fliegen könnten. Bei einzelnen Pflanzen sieht er kein großes Problem: „Honigbienen zieht es vor allem in große Pflanzen-Bestände.“

Was also tun, um eine weitere Vermehrung – die erfolgt über die riesige Anzahl an Samen pro Pflanze – zu verhindern? Die Landwirtschaftskammer rät zum Ausstechen oder Abmähen der Pflanzen vor der Blüte, im schlimmsten Fall sogar zum Einsatz chemischer Mittel.

Was das Gift der Pflanze bewirkt

Das Jakobskreuzkraut wird bis zu einem Meter hoch. Blütezeit ist von Juni bis September. Auffällig sind 13 Blütenblätter im Unterschied zum Johanniskraut mit exakt fünf Kronblättern. Alle Pflanzenteile sind giftig. Die WHO hat das Jakobskreuzkraut als stark leberschädigend, embryonen-, erbgutschädigend und krebserregend eingestuft. In der deutschen Giftpflanzen-Datenbank taucht es allerdings nicht auf.
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