Joachim Musholt legt sich mit dem Pfarrer an und macht ein Buch daraus

mlzSüdlohner Autor

Viele Konflikte hat er als Jugendlicher in Südlohn ausgefochten. Einige davon hat Dr. Joachim Musholt (65) nun in seinem vierten Buch veröffentlicht. Eine Abrechnung soll es aber nicht sein.

Südlohn

, 03.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Pastor, der einen Jugendlichen aus dem Pfarrgemeinderat drängt, weil ihm dessen Initiativen nicht gefallen. Ein Vereinsvorstand, der keine Mädchen im Verein spielen lassen möchte. Ein Auszubildender, der eigenmächtig für mehrere tausend Mark ein teures Kopiergerät bestellt. Das Aufbegehren gegen eine veraltete Sicht auf die Welt.

Es sind Geschichten wie diese, die Dr. Joachim Musholt (65) aus einem münsterländischen Dorf erzählt. Dabei nennt er nie den Ort, hat Namen verfremdet oder spricht nur in der dritten Person vom Hauptdarsteller der Handlung.

Autobiografie soll nicht im Zentrum stehen

Doch natürlich ist sein viertes Buch „So nicht, Herr Pfarrer“ zu großen Teilen autobiografisch. Es spielt zum Großteil in Südlohn und der nahen Umgebung und erzählt eben genau die Geschichte des jungen Joachim Musholt, der die Dinge anders machen möchte, als sie damals im Münsterland eben üblich sind.

Es wird wohl sein letztes Buch bleiben, glaubt der Autor. Die Augen des 65-Jährigen spielen nicht mehr mit. Dieses Buch habe ihn schon eine enorme Anstrengung gekostet. „Noch eines schaffe ich glaube ich nicht", sagt er.

Es wird wohl sein letztes Buch bleiben, glaubt der Autor. Die Augen des 65-Jährigen spielen nicht mehr mit. Dieses Buch habe ihn schon eine enorme Anstrengung gekostet. "Noch eines schaffe ich glaube ich nicht", sagt er. © Stephan Teine

„Aber darauf habe ich es nicht angelegt“, sagt Joachim Musholt. Vielmehr habe er ein Bild der Gesellschaft damals zeichnen wollen. Von einer Jugend, die sich Ende der 1960er-Jahre in Deutschland Freiheiten erkämpfen will. Von einer Welt im Umbruch und von einem Landleben, dass sich nur langsam ändert. „Aber das kann ich nicht von mir lösen“, fügt er hinzu.

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„Hier im Münsterland und bei uns im Dorf war diese Veränderung natürlich viel langsamer“, sagt er. Die gesellschaftlichen Strukturen waren stärker zementiert. Einige Akteure, wie eben der angesprochene Pfarrer, seien nie in Frage gestellt worden und konnten vor Ort ihren Willen durchdrücken.

Leser soll sich selbst ein Bild machen

Dabei möchte er gleichzeitig nicht zu viel Interpretation vorweg greifen. „Der Leser soll selbst begreifen, was ich sagen möchte, ohne dass ich es erklären muss“, erklärt er. Wichtig ist ihm nur, dass sein Buch nicht als große Abrechnung oder gar Nachtreten verstanden wird: „Das liegt mir fern“, erklärt er.

Auch mit dem Pastor habe er sich schließlich wieder versöhnt. „Auf einer öffentlichen Feier hat der sich damals sogar bei mir entschuldigt“, erinnert Joachim Musholt sich. Da seien ihm tatsächlich Tränen in die Augen gestiegen. Nur diese Konflikte und diese Art, sich an einem Gegenüber abzuarbeiten, hätten ihn zu dem Mann gemacht, der er heute sei.

Methode zieht sich durch inzwischen vier Bücher

Auch in seinen früheren Büchern hatte er die eigene Vergangenheit mit den großen Entwicklungen verwoben. Hatte aus der Kindheit im Dorf und späteren Entwicklungsprojekten in aller Welt verknüpft. Doch anders als in den vorherigen Werken sei es ihm dieses Mal deutlich schwerer gefallen, die passenden Worte zu finden. „Ich habe vier oder fünf Jahre daran herumgedoktert“, gibt der Südlohner zu.

  • Joachim Musholt: „So nicht, Herr Pfarrer!“
    • Novum-Pocket-Verlag
    • ISBN: 978-399010907-6
    • 16,80 Euro, erhältlich in jedem Buchhandel
  • Achtung, Verwechslungsgefahr: Ein Buch mit gleichlautendem Titel des Autors Jens Mothschmann ist bereits 1991 im Verlag Ullstein erschienen. Es hat mit dem Buch des Südlohner Autors nichts zu tun.

Seinen Kampf gegen die verkrusteten Strukturen damals sieht er heute mit anderen Augen. „Würde heute eine Gruppe Jugendlicher etwas ändern wollen, wäre ich sicher toleranter, als es viele damals waren“, sagt er. Gleichzeitig würde er aber auch ihnen Grenzen aufzeigen. „Ich habe damals sicherlich an einigen Stellen überzogen“, gibt er heute zu.

Es wird wohl das letzte Buch sein

Auch wenn die erzählte Zeit irgendwann Anfang der 1970er-Jahre endet und er noch viel erzählen könnte, wird es wahrscheinlich sein letztes Buch bleiben. Die Gesundheit spielt nicht mehr mit. „Meine Augen werden schlechter und es war eine große Anstrengung, dieses Buch fertigzustellen“, sagt er. „Ein neues Buch schaffe ich, glaube ich, nicht mehr.“

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Ob sein neues Buch ein Erfolg wird? Joachim Musholt weiß es nicht und mag es auch nicht abschätzen. „Ich musste mir das einfach von der Seele schreiben“, erklärt er. Die Resonanzen auf die vergangenen Bücher waren durchaus unterschiedlich. „Einige fanden sie gut, andere haben kritisiert“, sagt er. Aber auch das gehöre eben dazu.

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