Kampf gegen Bon-Pflicht: Bäcker Michael Tenk bekommt Unterstützung von Bundespolitikerin

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Der Südlohner Bäcker Michael Tenk sorgt mit seinem Kampf gegen die Bon-Pflicht bundesweit für Aufsehen. Einer Bundespolitikerin hat er erklärt, wo genau er die Probleme sieht.

Südlohn

, 04.12.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Egal ob Berlin, Baden-Württemberg oder Bayern, ob Stern, Focus oder Bild. Ein Foto aus Südlohn sorgt gerade in ganz Deutschland für Aufsehen. Gemacht hat es Bäckermeister Michael Tenk. Es zeigt einen Berg von Kassenbons auf dem Boden seiner Bäckerei. Gedruckt wurden sie an zwei Tagen, zu jedem einzelnen Einkauf gibt es einen.

Das soll ab 2020 Pflicht werden, nicht nur für Bäcker. Mit dem Foto will der Südlohner Bäcker Michael Tenk, deutlich machen, was er von der Bon-Pflicht hält: gar nichts. „Wir werden unter Generalverdacht gestellt. Plötzlich sind wir alle Steuerhinterzieher. Das ist einfach unfair“, macht Michael Tenk deutlich.

Deutsche Presseagentur verbreitet das Foto aus Südlohn

Dass das Foto solche Kreise zieht, damit hat aber auch er nicht gerechnet. Er postet es an einem Sonntag auf seiner Facebook-Seite und schickt es an die lokalen Medien. „Am Montag hat sich Sat1 NRW gemeldet, am Dienstag der Stern und Focus Online. Am Donnerstag hat die Deutsche Presseagentur sich gemeldet, danach wurde es zum Glück wieder etwas ruhiger“, erzählt Michael Tenk.

Die DPA stellt das Foto und die Geschichte dazu Medien bundesweit zur Verfügung, die beides fleißig veröffentlichen. Sogar der Kurier in Österreich berichtet über den Südlohner Bäckermeister und seinen Frust über die Bon-Pflicht.

Befreiung von der Bon-Pflicht nicht so einfach

Diesen Frust zeigt Michael Tenk auch am Dienstag bei einem Termin mit Ursula Schulte, SPD-Bundestagsabgeordnete aus Alstätte, ganz deutlich. Die Politikerin hat auf ein Schreiben des Bäckers reagiert, genau wie vor ihr schon Karlheinz Busen von der FDP.

Kampf gegen Bon-Pflicht: Bäcker Michael Tenk bekommt Unterstützung von Bundespolitikerin

Der Südlohner Bäcker Michael Tenk bekommt bei seinem Kampf gegen die Bon-Pflicht Unterstützung von SPD-Bundestagsabgeordneter Ursula Schulte – und viel Aufmerksamkeit in den Medien. © Victoria Garwer

„Aber Sie wissen, dass Sie sich von der Bon-Pflicht befreien lassen können?“, fragt Ursula Schulte bei ihrem Besuch in der Bäckerei. „Ja. Aber Sie wissen, dass 95 Prozent der Anträge nicht genehmigt werden?“, entgegnet Michael Tenk. „Ja, die Finanzämter machen das nicht so gerne...“, muss die Politikerin zugeben.

Bürokratie nervt Bäckermeister Michael Tenk

Theoretisch können sich Händler, die nachweisen können, dass ihr Kassensystem jede Buchung auch ohne das Drucken eines Kassenbons speichert, befreien lassen. Das Paradoxe: Laut dem neuen Gesetz muss sowieso jeder Händler bald so eine Kasse haben. Die kostet laut Michael Tenk zwischen 4000 und 8000 Euro.

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Und trotzdem muss der Bäcker einen Antrag stellen, um keine Kassenbons ausdrucken zu müssen. „Diese viele Bürokratie ist grausam. Das geht gar nicht“, findet er. Jeden Abend brauche er schon jetzt eine halbe Stunde länger, um all die neuen Auflagen zu erfüllen: Verfahrensdokumentation, Nährwertkennzeichen, Allergene-Ausweisung und so weiter. „Das macht keinen Spaß mehr“, wird Michael Tenk deutlich.

Digitale Belege sind für Michael Tenk keine Alternative

Doch zurück zur Bon-Pflicht: Das neue Gesetz sieht vor, dass bei jedem Kauf – egal ob Brötchen, Lolli oder ein Glas Cola – ein Beleg übergeben werden muss. Ob das digital per App oder als ausgedruckter Bon passiert, ist egal.

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Michael Tenk ist jedoch strikt gegen digitale Belege. Er sieht vor allem zwei Probleme: „Ich habe viele ältere Kunden in der Bäckerei.“ Mit einer App hätten die wohl ihre Probleme. Und: „Wer weiß, was mit den Daten passiert. Wollen wir wirklich so gläsern sein? Wollen wir wirklich, dass jeder Einkauf, jede noch so kleine Kleinigkeit digital gespeichert wird?“

Umweltfreundliche Alternative zum klassischen Bon testen

Alle Kassenbons ausgedruckt hat er übrigens nur an einem Wochenende – fürs Foto. Jetzt hat er damit wieder aufgehört, der Umwelt zuliebe. Die Bons bestehen aus umweltschädlichem Thermo-Papier. Bald möchte Michael Tenk eine angeblich klimafreundlichere Papierart testen. „Aber ich habe noch keine Ahnung, ob das wirklich besser ist und was das kostet.“

Kampf gegen Bon-Pflicht: Bäcker Michael Tenk bekommt Unterstützung von Bundespolitikerin

Für jeden Einkauf soll Bäcker Michael Tenk bald einen Kassenbon drucken. Haben wollen den die Kunden aber nicht. © Victoria Garwer

Auf normalem Papier könne man die Bons nicht so einfach drucken. Denn die Drucker dafür sind langsamer und wartungsanfälliger, kommen zum Beispiel mit Brotkrümeln nicht so gut klar.

Ursula Schulte nimmt Auftrag mit nach Berlin

Auch SPD-Politkerin Ursula Schulte kann all diese Probleme gut nachvollziehen. „Wir wollen Steuergerechtigkeit. Kontrolle muss sein, aber vielleicht übertreiben wir es manchmal ein bisschen“, sagt sie nach den Ausführungen des Bäckers.

Für sie kann es für das aktuelle Problem nur eine Lösung geben: „Die Finanzämter brauchen die Anweisung, dass sie die Anträge auf Befreiung von der Bon-Pflicht auch genehmigen müssen.“ Diesen Auftrag nimmt sie nun mit nach Berlin. In der kommenden Woche möchte sie mit den Fachpolitikern darüber diskutieren.

Nach dem Gespräch mit Michael Tenk kauft Ursula Schulte in der Südlohner Bäckerei noch ein paar Brötchen für das Abendessen. Den Kassenbon will sie nicht mitnehmen.

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Ursula Schulte hat zum Abschluss ihres Besuches in der Bäckerei ein paar Brötchen gekauft. Den Kassenbon wollte sie nicht haben. © Victoria Garwer

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