Referentin Bianka Ehlscheid (r.) und die Puppen Tim und Tula, die als Protagonisten in einzelnen Episoden verschiedene Gefühle kindgerecht und spielerisch umschreiben. © Michael Schley
Kindergarten-Projekt

„Kinder müssen lernen, mit Gefühlen umzugehen“ – gerade in Corona-Zeiten

Die Rahmenbedingungen in der Corona-Krise sind belastend gerade für Kinder. Umso wichtiger ist es, dass sie über Gefühle sprechen dürfen. So wie in einem Kindergarten-Schwerpunktprojekt.

Was macht Corona mit den Kindern? Diese Frage stellen sich derzeit nicht nur Eltern. Gerade Erzieherinnen und Erzieher in Kindertageseinrichtungen müssen sich Herausforderungen stellen. Das spüren gerade besonders die Teilnehmer am Projekt Kindergarten plus, das im Familienzentrum im katholischen Verbund mit fünf Kitas in Südlohn und Oeding derzeit durchgeführt wird. Nach der Basisfortbildung wurde die Umsetzung in der Praxis nun reflektiert – unter den besonderen Bedingungen in der Pandemie.

Für Kinder ist es schon anstrengend, ihre Freunde nicht treffen zu dürfen. Referentin Bianka Ehlscheid leitete den Austausch unter den sogenannten Trainern mit einem praktischen Beispiel aus der Coronakrise ein. Den Kindern fehlten Rituale, Kontinuität – dabei seien diese enorm wichtig. Ebenso bedeutend seien Strategien, Gefühle zu verarbeiten. Einen „roten Faden“ in den Kindergärten zu halten in Zeiten, in denen vieles nicht erlaubt ist, sei eine besondere Herausforderung.

Kinder brauchen Kontinuität und Rituale

Anstrengend sei entsprechend auch die Vorbereitung auf die Umsetzung der Seminarinhalte in der Praxis gewesen, bestätigte zum Beispiel Simon Heimann (St. Vitus). Dass die Kinder letztlich mit großer Freude bei der Sache gewesen seien und viel mitgenommen hätten, habe dafür entschädigt.

Kindergarten plus ist ein Bildungsprogramm zur Stärkung der Persönlichkeit. Es besteht aus verschiedenen Bausteinen und wurde von der „Deutschen Liga für das Kind“ entwickelt. Es richtet sich an vier- und fünfjährige Kinder. Das Programm setzt beim Gefühlserleben der Kinder an. Freude, Überraschung, Neugier, aber auch Angst, Wut oder Trauer sind wiederkehrende Emotionen im kindlichen Alltag.

Verbundleiter Dieter Bonhoff betont die enorme Bedeutung der Seminarinhalte für die Entwicklung der Kinder.
Verbundleiter Dieter Bonhoff betont die enorme Bedeutung der Seminarinhalte für die Entwicklung der Kinder. © Michael Schley © Michael Schley

Im Zentrum steht die Entwicklung der sozio-emotionalen Kompetenz, die sich letztlich auch auf den Lernerfolg auswirkt. Eine Kompetenz, die später auch im Beruf von hoher Bedeutung ist und die früh ausgebildet werden muss, wie Bianka Ehlscheid bestätigt.

Die Trainer machten besondere, auch neue Erfahrungen in den Kleingruppen. „Wir haben unheimlich viel Redebedarf festgestellt“, berichtete Patrick Kallaus (St. Jakobus). „In diesem geschützten Raum öffnen sich die Kinder, sie lernen, Gefühle herauszubilden und sich mit diesen auseinanderzusetzen“, bestätigte Bianka Ehlscheid. Kinder fingen einfach auch einmal an zu weinen, berichtete Petra Middendorf (St. Ida).

Kinder öffnen sich im geschützten Rahmen

Nicht minder wichtig sei, die Gefühle anderer zu erkennen und zu respektieren. Stars der Reihe sind die Protagonisten „Tim und Tula“, die in einzelnen Episoden verschiedene Gefühle spielerisch umschrieben. „Wie kann ich Wut rauslassen?“, war nur eine Frage. „Die Kinder haben förmlich mit Tim und Tula mitgefühlt“, sagte Petra Middendorf (St. Ida). Sie machten auch mal komplett zu, so Bianka Ehlscheid. Auch Kinder hätten eine Tagesform.

Einige der Trainer erklärten, sie hätten in diesem geschützten Rahmen neue Seiten an den Kindern kennengelernt.
Einige der Trainer erklärten, sie hätten in diesem geschützten Rahmen neue Seiten an den Kindern kennengelernt. © Michael Schley © Michael Schley

Kinder zeigten aber auch, wie flexibel sie mit Gefühlen umgehen. Modul Glück und Trauer: „Bei einem Kind war jüngst der Opa gestorben, da mussten wir vorbereitet sein“, so Patrick Kallaus. Gebastelt wurde ein „Trauerschiffchen“. „Ich mach das jetzt für Opa“, so habe das Kind einen Weg gefunden, mit der Situation umzugehen.

Wichtig sei auch die Reflexion im Elternhaus. „Kinder spüren, wenn die Eltern nicht dahinterstehen“, erklärte Bianka Ehlscheid. Diese müssten mitmachen, Impulse geben. Umso schwieriger sei die Kommunikation in Zeiten, in denen coronabedingt den Eltern der Zugang zu den Einrichtungen nicht ermöglicht werden konnte. „Wir haben den Eltern per Mail ein Feedback zugespielt“, berichtete Sabina Gehling (St. Martin).

In manchen Familien wird nicht über Gefühle gesprochen

Einige Kinder transportierten ihre Gefühle mit Rollenspielen nach Hause. „Das haben die Eltern sehr gut angenommen“, sagte Kathinka Amerongen (St. Barbara). „In manchen Familien wird zuhause gar nicht über Gefühle gesprochen“, hatte Simon Heimann erkannt.

Tim und Tula sind die heimlichen Stars der Seminarreihe.
Tim und Tula sind die heimlichen Stars der Seminarreihe. © Michael Schley © Michael Schley

Während des Projekts wurden Aufnahmen gemacht, die später in einer Lerngeschichte zusammengeführt wurden. „Viele Eltern haben uns mitgeteilt, dass sie ihre Kinder genau in diesen Geschichten wiedergefunden haben“, so Kathinka Amerongen. Die Trainer selbst lernten ihre Kinder noch einmal genauer kennen, vielfach sogar anders, betonte Verbundleiter Dieter Bonhoff.

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