Klare Kante: Das hätten Investor und Architekt auch einfacher haben können

mlzNeue Mehrfamilienhäuser

Zur bisherigen Planung rund um die Wohnanlage am Haus der Vereine lesen Sie hier einen Kommentar

Südlohn

, 27.06.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ob die vier neuen Mehrfamilienhäuser am ehemaligen Haus der Vereine mit ihren Walmdächern nun tatsächlich besser oder schlechter ins Ortsbild passen, lasse ich mal dahingestellt. Da geht es ganz klar um eine Geschmacksfrage. Diese Art von Häusern ist nun einmal modern. Wie darüber in 20 oder 30 Jahren gedacht wird, ist eine ganz andere Frage.

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Doch bisher sind gleich mehrere Kinder in den Brunnen gefallen: Der Südlohner Rat fühlte sich vor vollendete Tatsachen gestellt und fürchtete um das Ortsbild der Gemeinde. Investor und Architekt fühlten sich vom Kreis überrumpelt, dass sie nun doch eine Entscheidung der lokalen Politik bräuchten. Und die Südlohner Verwaltung erklärte, dass sie nichts falsch gemacht habe, weil rechtlich alles „ordnungsgemäß verlaufen ist“. Kunststück: Alles andere wäre ja auch Grundlage für einen handfesten Skandal.

Direkte Gespräche können Missverständnisse verhindern

Unabhängig davon, nach welchem Baurecht die vier Gebäude hochgezogen werden dürfen, ist eines völlig klar: Wer direkt miteinander spricht, kann viele Missverständnisse direkt aus der Welt räumen. Eine Drohkulisse geht schnell nach hinten los: Die Idee, das Grundstück einfach erst einmal brach liegen zu lassen, mag im ersten Moment als Druckmittel gut klingen. Doch weder Politik noch Verwaltung dürfen den Anschein erwecken, erpressbar zu sein. Diese Drohung war also ein Eigentor.

Eines wird auch der Architekt, der seit fünf Jahren selbstständig ist, gelernt haben: Es geht eben nicht nur um das Was, sondern auch um das Wie. Die beiden Grafiken der Gebäude vermitteln nun einmal einen völlig unterschiedlichen Eindruck. Und das, obwohl bei der zweiten Version abgesehen von der neuen Dachform nur ein bisschen Grün eingefügt wurde. Der Eindruck entscheidet eben.

Lehre für die Zukunft

Zukünftigen Investoren wird das alles hoffentlich eine Lehre sein: Auch wenn eine Entscheidung der lokalen Politiker nicht unbedingt nötig ist, schadet es nicht, 30 Minuten in eine Präsentation zu investieren und mögliche Fragen direkt zu klären. Bevor mich jemand falsch versteht: Eine Planung, die rechtlich möglich ist, darf gebaut werden. Da können auch Politiker mit noch so viel Architekturkritik nur wenig ändern. Das ist gut so. Ein Großteil dieser Kritik lässt sich aber entkräften, wenn man die Beweggründe hinter einem Entwurf erläutert.

Ach ja, eins noch: Dass die alten Bäume an einem Samstagmorgen ganz früh irrtümlich gefällt wurden und der Architekt darauf keinen Einfluss mehr gehabt haben will – da kann sich jeder seinen Teil denken. Investor und Architekt stehen nun im Wort, die Wohnanlage wieder entsprechend zu begrünen. Daran müssen sie sich einmal messen lassen.

Vorläufiges Ende gut, alles bis hier hin gut.

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