Klopapier, Mehl und Konserven: Hamster-Käufer sind wieder unterwegs

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Auch in den Südlohner Supermärkten hat das Hamstern wieder begonnen. Das geht so weit, dass in einem Markt sogar schon einmal ein älterer Herr aus Verzweiflung in Tränen ausgebrochen ist.

Südlohn

, 26.10.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie tun’s wieder. Die Leute hamstern wie im Frühjahr.“ Anja Beyer ist die Chefin des Edeka-Supermarktes an der Südlohner Bahnhofstraße. An diesem Freitagmittag schaut sie mit einer Mischung aus Staunen, Verwunderung und gleichzeitigem Verständnis auf ihre leeren Regale. Gerade einmal zwei vermutlich übersehene Packungen Toilettenpapier liegen dort noch in einer Ecke.

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Seit wann das nun schon so gehe? „Das ist etwa zwei Wochen her“, überlegt die Filialleiterin. „Da ist das so langsam los gegangen.“ Und sonst sei auch alles ganz ähnlich wie damals im Frühling. Wieder sind es Toilettenpapier, Zucker, Mehl, Konserven und Tiefkühlkost, die in völlig überzogenen Mengen in den Einkaufswagen landen. Die entsprechenden großen Lücken im Angebot belegen das.

Hamster-Käufe als Spiegelbild der Angst der Menschen

Anja Beyer weiß: „Da sind die Infektionszahlen in Deutschland raufgegangen, und die Menschen haben direkt reagiert.“ Sie vermutet dahinter eine Art Angst-Reflex und erinnert sich: „Als ich ein kleines Mädchen war, hätte es damals vielleicht einen Krieg geben können. Jedenfalls haben die Menschen eine entsprechende Gefahr gespürt und sofort angefangen zu hamstern.“

Auch Mehl und Zucker sind bei Hamster-Käufern beliebt.

Auch Mehl und Zucker sind bei Hamster-Käufern beliebt. © Georg Beining

Sie sieht in diesem eigentümlich irrationalen Verhalten ein Spiegelbild der Angst der Menschen, differenziert aber: „Jetzt hamstern viel mehr Leute aus Sorge, dass es bald nichts mehr gibt und sie dann dastehen und nicht wissen, woher sie Nachschub bekommen.“ Die wollten eigentlich gar nicht so viel kaufen, aber bräuchten einfach dieses Gefühl der Sicherheit, meint die Supermarkt-Chefin. Und mal eben hinüber nach Winterswijk zum Einkaufen, das gehe derzeit ja auch nicht.

Szenen der Verzweiflung im Supermarkt

Mitunter hat diese Situation jenseits aller Absurdität auch tragische Momente. Anja Beyer erinnert sich: „Ich hatte mal einen älteren Herrn im Markt, der begann aus lauter Verzweiflung, Unsicherheit und Sorge zu weinen.“

Dabei bestünde dazu nicht der geringste Anlass, wie die Geschäftsfrau versichert: „Wir haben genug von allem vorrätig. Es gibt wirklich keinen Grund für Panikkäufe.“ Ein Blick nach hinten in das Lager des Marktes bestätigt: Es platzt aus den Nähten – auch Toilettenpapier ist reichlich da. „Meine Mitarbeiter und ich haben wirklich gut zu tun“, ist die Chefin etwas zwiegespalten, „aber das liegt leider auch an dieser eigentlich ganz unnötigen Hysterie.“

Klopapier-Lager sind immer noch gut gefüllt

Im Oedinger Rewe-Markt sieht die Situation ähnlich aus. Heike Fellmann verweist entspannt auf die offenbar frisch aufgefüllten Toilettenpapier-Regale: „Wir haben genügend Vorrat von allem, was gebraucht wird“, versichert die Filialleiterin. Auch bei ihr laufen die Hamster-Käufe wieder seit etwa zwei Wochen. „Sie begannen ziemlich genau zu der Zeit, als die Corona-Zahlen explodierten“, berichtet Heike Fellmann.

Heike Fellmann vom Rewe zeigt, dass es im Lager noch genug Klopapier gibt.

Heike Fellmann vom Rewe zeigt, dass es im Lager noch genug Klopapier gibt. © Georg Beining

Und Angst hätten vor allem die älteren Menschen, ist ihr Eindruck. Bei den Jüngeren sei das nicht so ausgeprägt. „Die meisten älteren Kunden haben inzwischen ihre Einkäufe in die Abendstunden verlegt“, schildert sie ihre Beobachtung, „So um 20, 21 Uhr, wenn nicht mehr so viel los ist.“

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Nebenan im Aldi-Markt bestätigt ein leitender Mitarbeiter den Trend zum Hamstern. Er beobachtet das seit etwa einer Woche: „Vorher reichte eine Palette Toilettenpapier eine gute halbe Woche. Jetzt ist sie nach knapp anderthalb Tagen leer.“ Aber auch hier: Keinerlei Grund zur Besorgnis, wie versichert wird.

Einzig im K+K-Markt schräg gegenüber gibt es keine Antworten. Vor Ort möchte niemand etwas über die aktuelle Situation sagen.

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