Leiter der Feuerwehr Siegburg verstärkt demnächst die Feuerwehr in Südlohn

mlzHoher Dienstgrad

Ein Oberbrandrat verstärkt in Zukunft die Feuerwehr in Südlohn. Das Multitalent denkt noch gar nicht daran, in den Ruhestand zu gehen und engagiert sich für die Brandbekämpfung im Ort.

Südlohn

, 26.08.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Thomas Glatz ist 59 und könnte eigentlich demnächst seinen Ruhestand genießen. Als Berufsfeuerwehrmann endet seine aktive Laufbahn mit dem 60. Lebensjahr. Doch die Feuerwehr lässt ihn nicht los. Der Neu-Südlohner ist in den Südlohner Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr eingetreten, noch bevor er sein Haus in Südlohn bezogen hat.

„Für mich ist das selbstverständlich“, sagt er ganz bescheiden. Die Arbeit in der Feuerwehr gehört für ihn in einer Solidargemeinschaft ganz einfach dazu.

Besonderes Engagement für den Löschzug in Südlohn

Doch für den Südlohner Löschzug ist sein Engagement schon etwas besonderes. Schließlich hat Thomas Glatz in den vergangenen 17 Jahren die Feuerwehr Siegburg geleitet. Der Oberbrandrat ist seit 41 Jahren bei der Berufsfeuerwehr und hat in Siegburg die Verantwortung für 44 hauptamtliche Feuerwehrleute, 115 ehrenamtliche Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr, Ehrenabteilung, Jugend- und Kinderfeuerwehr sowie die Unterstützungsabteilung. Rund 800 Einsätze fährt die Feuerwehr dort pro Jahr – ohne die Einsätze des Rettungsdienstes.

Das sind völlig andere Zahlen als in Südlohn und Oeding. „Wir kommen hier im Jahr auf rund 100 Einsätze“, sagt Udo Bußkamp, Leiter der Feuerwehr Südlohn. Pro Löschzug gibt es knapp 50 aktive Feuerwehrleute. Dazu kommen noch einmal 22 Mitglieder der Jugendfeuerwehr.

Dienstgrad und Funktion bei der Vorstellung weggelassen

Als sich Thomas Glatz das erste Mal an die Feuerwehr in Südlohn gewandt hatte, ließ er deswegen seine offizielle Funktion bei der Feuerwehr Siegburg und seinen Dienstgrad komplett weg.

Leiter der Feuerwehr Siegburg verstärkt demnächst die Feuerwehr in Südlohn

Die Identifikation mit dem Löschzug scheint für Thomas Glatz kein Problem zu sein: Auf der Kofferraum seines – selbstverständlich feuerwehrroten – Autos prangt schon der Aufkleber der Südlohner Feuerwehr. © Stephan Teine

Erst in einer der folgenden E-Mails schickte er dann mit seiner Signatur als Leiter der Feuerwehr in Siegburg. „Da hab ich schon große Augen gemacht“, erzählt Udo Bußkamp lachend. Mit Thomas Glatz tritt nun also ein Feuerwehrmann in die Reihen der Südlohner Feuerwehr, der einen enormen Ausbildungsstand hat. Maschinist, Atemschutzgeräteträger, Gruppenführer – es gibt keine Funktion in der Feuerwehr, die Thomas Glatz nicht besetzen könnte. „Und der ist auch noch fitter als so mancher 18-Jähriger“, fügt Karsten Tenk, stellvertretender Löschzugführer in Südlohn, hinzu.

Praktiker will keine Vorschusslorbeeren

Thomas Glatz wischt diese Vorschusslorbeeren beiseite. „Was bedeutet schon ein Dienstgrad“, sagt er ruhig. Er sei Praktiker und ihm sei es auch egal, wo er von der Feuerwehr Südlohn eingesetzt werde. „Ich will helfen, wo ich kann“, erklärt er. Ein bisschen stolz sind die Südlohner Feuerwehrleute natürlich trotzdem. „Welche Freiwillige Feuerwehr hat schon ein Mitglied mit einem höheren Dienstgrad als der Kreisbrandmeister“, sagt Udo Bußkamp lachend.

Doch die beiden goldenen Balken des Oberbrandrats wird Thomas Glatz bei der Freiwilligen Feuerwehr nicht mehr tragen. Diesen Dienstgrad gibt es bei den Ehrenamtlichen gar nicht. Als Gemeindebrandinspektor – dem höchsten Rang der Freiwilligen Feuerwehr – wird er dort wohl geführt. Aber wie gesagt, was sind schon Dienstgrade...

Chemie zwischen Löschzug und neuem Mitglied stimmte auf Anhieb

Karsten Tenk betont, dass die Chemie zwischen der Feuerwehr Südlohn und ihrem neuen Mitglied sofort stimmte. „Die Zusammenarbeit zwischen haupt- und ehrenamtlichen Kräften läuft ja nicht immer ganz schmerzfrei“, räumt Thomas Glatz ein. Deswegen will er sich auch erst einmal ganz zurückhaltend in die Südlohner Feuerwehr einglieder. „Ich will niemandem etwas vorschreiben oder wegnehmen“, sagt er. Auch so habe die Feuerwehr in den beiden Ortsteilen schon einen beachtlichen Ausbildungsstand und sei „sehr auf Zack“.

Vor ein paar Jahren hatten die Südlohner schon einmal einen hauptamtlichen Feuerwehrmann in ihren Reihen. „Doch das passte damals einfach nicht“, sagt Karsten Tenk. Nach zwei Jahren habe man sich wieder voneinander getrennt.

Doch was hat Thomas Glatz eigentlich ausgerechnet nach Südlohn verschlagen? „Wir wollten in die Nähe unserer Kinder ziehen und haben viele Freunde und Bekannte im Münsterland“, sagt Thomas Glatz. Da passte Südlohn einfach genau ins Konzept. Im Moment ist er noch mit dem Umbau des Hauses beschäftigt. Ab dem 31. Dezember wird er dauerhaft in Südlohn wohnen und dann bei jedem Alarm mit ausrücken.

17-Jähriger rückt aus der Jugendfeuerwehr in den aktiven Dienst auf

Der Südlohner Löschzug freut sich gleichzeitig über noch ein neues Mitglied: Der 17-jährige Ulf Gröting ist das jüngste neue Mitglied. Seit er zwölf ist, hat er sich in der Jugendfeuerwehr schon auf den Dienst im aktiven Einsatz vorbereitet. Einen Tag vor seinem Geburtstag bekam er den Meldeempfänger überreicht. „Endlich“, sagt er strahlend. Sei Opa war schon bei der Feuerwehr, so lag es nahe, dass er selbst auch zur Feuerwehr wollte. „Das macht einfach Spaß und man kann ja auch noch anderen Leuten helfen“, sagt er.

Mannschaftsstärke über Tag oft schwierig zu halten

Für die Feuerwehr in Südlohn sind die beiden neuen Mitglieder ein echter Glücksfall: „Zwei Kameraden mehr, die vor allem auch über Tag verfügbar sind, helfen uns schon immens weiter“, erklärt Udo Bußkamp. Denn auch die Feuerwehr in Südlohn und Oeding kämpft darum, ausreichend Mitglieder für den Ernstfall vor Ort zu haben. Da mittlerweile viele Feuerwehrleute außerhalb der Gemeinde arbeiten und auch manche Arbeitgeber ihre Angestellten bei einem Alarm nur ungern gehen lassen, ist es nicht immer einfach, alle Fahrzeuge im Ernstfall zu besetzen und rechtzeitig vor Ort zu sein.

Auch deswegen wurden die Altersgrenzen bei der Freiwilligen Feuerwehr erweitert. Mit der Zustimmung der Erziehungsberechtigten und bei entsprechender Eignung können schon 17-Jährige im Ernstfall mit ausrücken. „Natürlich nur an den eher ungefährlichen Posten“, erklärt Hendrik Tenk. Und im Alter ist erst bei 67 Jahren Schluss. So lange will Thomas Glatz auf jeden Fall dabei sein.

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